# taz.de -- Radprofi Zimmermann bei Vuelta-Premiere: Meter um Meter
       
       > Neuprofi Georg Zimmermann, 23, beeindruckt auf der Spanienrundfahrt mit
       > Konstanz. Im Gesamtklassement ist er bereits unter den Top 25.
       
 (IMG) Bild: Richtige Balance: Auf den steilen Rampen kann Georg Zimmermann das Tempo lange mithalten
       
       Mirador de Ézaro taz | Bis in die letzten Kehren sieht man oft noch das
       orange Trikot mit der Startnummer 137 in der Gruppe der Klassementfahrer.
       Gut, meist hängt der dazugehörige Mann zu diesem Trikot am Ende dieser
       Gruppe. Und wenn im Finale noch die ganz heftigen Beschleunigungen kommen,
       sieht Georg Zimmermann nur noch den Asphalt vor sich anstelle des
       Hinterrads des Vordermannes. Aber der im Oktober 23 Jahre alt gewordene
       Neuprofi des Rennstalls CCC hält sich wacker. Er kämpft um jeden Meter. Er
       arbeitete sich im Klassement von Tag zu Tag kontinuierlich vor und liegt
       aktuell auf Rang 21. Damit ist er ganz souverän bester Deutscher – und
       liegt auch fast zwei Stunden vor Chris Froome.
       
       Das allerdings ist bei dieser Vuelta auch keine große Kunst – [1][und eine
       ganz andere Geschichte]. Froome laboriert noch an den Folgen seines
       schweren Sturzes vom Juni 2019 und ist lediglich als Helfer unterwegs.
       Zimmermann schaut voller Respekt auf die Performance der Lädierten. „Es ist
       beeindruckend, wie er nach dieser schweren Verletzung zurückgekommen ist
       und sich trotz all seiner früheren Siege so in den Dienst der Mannschaft
       stellt“, bekundet er.
       
       Mit seiner eigenen Leistung ist er unterdessen auch sehr im Reinen. „Ich
       bin zufrieden mit dem, was ich hier geleistet habe. Ich habe mir keine
       festen Ziele definiert, schaue lieber von Tag zu Tag. Aber ich fühle mich
       auch jetzt zum Ende der zweiten Woche noch frisch“, sagte er. Um dies zu
       veranschaulichen, erläutert er: „Ich wache nicht jeden Morgen auf und zähle
       die Tage, bis ich nach Hause kann. Nein, ich freue mich auf das Rennen.“
       
       Zimmermann will bei dieser Spanienrundfahrt, die zugleich das letzte
       Profirennen in dieser Pandemiesaison ist, sich selbst und auch der Fachwelt
       beweisen, dass er das Zeug zum Rundfahrer hat. „Ja, ich möchte gern
       Rundfahrer werden. Und ich arbeite hart daran“, sagte er.
       
       ## Zwei Rennen zugleich
       
       Das spiegelt sich bei dieser Vuelta deutlich wider. Bei seiner ersten Grand
       Tour fährt der Neuprofi gleich zwei Rennen. Bei den Bergetappen testet er,
       wie lange er das Tempo an der Spitze durchhält. Dabei gilt es die Balance
       zu finden zwischen Mithalten und die Muskeln nicht zu übersäuern. Denn am
       nächsten Tag will er ja ebenfalls noch weiter vorn dabei sein.
       
       Das ist das zweite Rennen, das seine Ausdauerqualitäten bemisst, wie
       konstant Zimmermann Leistungen bringen kann: Jeden Tag horcht er in seinen
       Körper, wie dieser sich im Laufe der drei Wochen verändert, welche
       Schmerzenssignale er aussendet – und welche nicht.
       
       Die bisherigen Rundfahrten, die Zimmermann absolviert hat, waren maximal
       halb so lang wie diese Spanienrundfahrt. [2][Sehr guter Fünfter wurde er im
       letzten Jahr bei der Tour de l’Avenir.] Beim „Baby Giro“, dem Giro d’Italia
       der U23, schrammte er knapp an einem Etappensieg vorbei. Auch begehrte
       Bergtrikots durfte er sich in der jüngsten Vergangenheit überziehen: 2019
       bei der Österreichrundfahrt, in diesem Frühjahr bei der Étoile de Bessèges.
       Dann aber stand das Coronavirus der weiteren Entwicklung Zimmermanns ein
       wenig im Weg. Keine Renntage, keine Chance sich zu verbessern. Ein Freund
       von Rollentraining ist Zimmermann auch nicht geworden. „Ich fahre lieber
       draußen. Auch nach den Etappen fahre ich lieber noch eine kurze Runde am
       Etappenort, als auf die Rolle zu steigen“, sagte er.
       
       Ergebnisdruck hat er bei dieser Vuelta nicht, jedenfalls nicht vom Team
       aus. Er soll sich ausprobieren in diesem Rennstall ohne Kapitän, ohne feste
       Aufgabenverteilung also. CCC ist zugleich ein Rennstall ohne Zukunft. Der
       Titelsponsor gibt auf, die Lizenz ging bereits zum belgischen
       Zweitdivisionär Wanty Goubert – und der hat auch schon einen eigenen Kader.
       
       Verzweifelt schaut Zimmermann deswegen aber nicht in die Zukunft. „Ich habe
       schon gut etwas in Aussicht“, sagt er. Verraten wollte er den zukünftigen
       Arbeitgeber noch nicht. Er versicherte der taz aber, dass er der WorldTour
       erhalten bleibe. Gute Nachrichten also nach guter Leistung.
       
       3 Nov 2020
       
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