# taz.de -- Kandidat*innenkür für die Bundestagswahl: Frauenarme Zone
       
       > Von fünf weiblichen Hamburger Bundestagsabgeordneten ist nur eine sicher
       > auch nach der Wahl im Spätsommer/ Herbst 2021 dabei.
       
 (IMG) Bild: Wollen nicht mehr in den Bundestag: Anja Hajduk (li.) und Katja Suding (re.)
       
       Hamburg taz | Am Anfang der Legislatur betrug die Quote 25 Prozent. Vier
       Frauen waren unter den 16 Politiker*innen, die für Hamburg in den Bundestag
       einzogen. Als Johannes Kahrs, SPD-Abgeordneter des Bezirks Mitte,
       vergangenen Mai die Brocken hinwarf und [1][Dorothee Martin] ihn beerbte,
       stieg die Zahl der weiblichen Hamburger Abgeordneten in Berlin gar auf
       fünf.
       
       Doch damit könnte es im kommenden Jahr vorbei sein. Obwohl in allen
       Parteien außer der AfD viel über Frauenquoten und Geschlechterparität
       geredet wird, könnte die Zahl der weiblichen Hamburger
       Bundestagsabgeordneten sogar sinken.
       
       Mit Anja Hajduk (Grüne) und [2][Katja Suding (FDP)] haben zwei
       Parlamentarierinnen bereits angekündigt, 2021 nicht mehr zu kandidieren.
       Während Hamburgs Grüne traditionell mit einer Spitzenkandidatin in den
       Bundestagswahlkampf ziehen, könnte bei den Liberalen Wienand Schinnenburg,
       derzeit neben Suding für Hamburgs Liberale im Bundestag, Anspruch auf die
       Pole-Position auf der Landesliste erheben.
       
       Als mögliche Konkurrenz um den Top-Platz für die Hamburger FDP, die
       vermutlich nur ein Mandat erhält, wird Anna von Treuenfels gehandelt, die
       derzeit als einzige FDP-Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft ein ziemlich
       trostloses Dasein fristet.
       
       ## Grüne Männer stehen parat
       
       Auch bei den Grünen scharren vor allem die Männer mit den Hufen, wenn es um
       das Ticket nach Berlin geht. Ob Manuel Sarrazin, der neben Hajduk Hamburgs
       Grüne im Bundestag vertritt, erneut kandidiert, ist offen. Till Steffen,
       der seinen Job als Justizsenator abgeben musste, hat seinen Anspruch auf
       ein Bundestagsmandat ebenso angemeldet wie Manuel Muja aus Hamburg-Mitte.
       
       Als einzige Frau hat Linda Heitmann, die für die Grünen von 2008 bis 2011
       in der Bürgerschaft saß, Ansprüche angemeldet. Sie will Altonaer
       Direktkandidatin werden und auf der Landesliste für Platz eins oder drei
       kandidieren – die jeweils für Frauen vorgesehen sind. Da Hamburgs Grüne mit
       mindestens drei Abgeordneten in den Bundestag einziehen dürften, gelten
       beide Plätze als recht sicher.
       
       Unklar ist auch die politische Zukunft von Zaklin Nastic, die 2016 ganz
       überraschend aufgrund von Übergangsmandaten neben Spitzenkandidat
       [3][Fabio de Masi] in den Bundestag aufrückte. Auch wenn de Masi nicht
       wieder antreten will, ist noch unklar, ob Nastic ihn beerbt: Bislang zog
       die Hamburger Linkspartei meist mit einem männlichen Spitzenkandidaten in
       den Bundestagswahlkampf.
       
       Den größten Nachholbedarf bei der Quotierung aber hat die CDU – die bei der
       Bundestagswahl 2016 mit einem reinen Männer-Quartett in den Bundestag
       einzog. „Die Listenaufstellung zur letzten Bundestagswahl darf und wird
       sich nicht wiederholen“, ist sich Franziska Hoppermann, Chefin der
       Hamburger Frauenunion, sicher.
       
       ## Liste mit Reißverschluss
       
       „Wir werden im Frühjahr eine Kandidatin für einen der beiden vorderen
       Listenplätze nominieren und auf den weiteren Plätzen mit einem starken
       Frauenteam in die Nominierung gehen“, gibt sich Hoppermann kämpferisch.
       Damit müssen Marcus Weinberg, Rüdiger Kruse und Christoph de Vries, also
       die drei Männer, die über die Landesliste in den Bundestag einzogen, um
       ihre Mandate zittern.
       
       Für die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF)
       fordert deren Vorsitzende, Sandra Goetz, Frauen an der Spitze von drei der
       sechs Wahlbezirke und eine quotierte Landesliste nach
       Reißverschluss-Prinzip. Doch Einfluss auf die Bezirke kann die ASF kaum
       nehmen. Die Distrikte, wo die Wahlkreisentscheidungen vorbereitet werden,
       werden, so Goetz, „fast alle von Männern geführt“.
       
       Also gilt es für die SPD- Frauen erst mal, das zweite weibliche
       Bundestags-Mandat neben dem von Aydan Özuguz zu retten. Denn auf die
       Kahrs-Nachfolge, die Dorothee Martin im Bundestag nur übergangsweise
       antrat, hat bereits ein Alpha-Männchen seinen Anspruch angemeldet:
       Mitte-Bezirksamtsleiter Falko Droßmann.
       
       12 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.mopo.de/hamburg/politik/dorothee-martin-diese-hamburgerin-ersetzt-johannes-kahrs-in-berlin-36660832
 (DIR) [2] https://plus.tagesspiegel.de/abschied-aus-dem-bundestag-wenn-politiker-freiwillig-auf-die-macht-verzichten-53225.html
 (DIR) [3] https://plus.tagesspiegel.de/abschied-aus-dem-bundestag-wenn-politiker-freiwillig-auf-die-macht-verzichten-53225.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marco Carini
       
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