# taz.de -- Boris Johnsons neues Brexit-Gesetz: So oder so befremdlich
       
       > Großbritanniens Premier Johnson schockt mit seinem jüngsten
       > Brexit-Schritt. Ist das wieder nur Säbelrasseln?
       
 (IMG) Bild: Will Boris Johnson die EU zwingen, die Verhandlungen abzubrechen?
       
       In England fragt man sich: [1][Wozu die ganze Aufregung]? Es geht doch bloß
       um Irland. Die Insel war für England schon lange ein Störfaktor, der am
       besten zu ignorieren sei. Diese Haltung hat sich durch die gesamte
       Brexit-Saga gezogen.
       
       Der ehemalige irische Diplomat Séan Ó hUigínn sagt, die Engländer haben nur
       ein Anliegen in Bezug auf Irland: Sie wollen nichts mehr davon hören. Die
       irische Grenze ist ein gutes Beispiel dafür. Das Vereinigte Königreich hat
       eine 500 Kilometer lange Grenze mit der EU, aber das hat man so lange
       verdrängt, bis es nicht mehr ging, weil die EU darauf bestand.
       
       Das hat bei den Tories einen Schock ausgelöst. Sie verstehen bis heute
       nicht, wie die kleine Nachbarinsel zum Mittelpunkt der Brexit-Verhandlungen
       werden konnte. Man beschuldigt die EU, Irland als Schachfigur zu benutzen,
       um Großbritannien zu bestrafen, und man beschuldigt Irland, die EU zu
       benutzen, um die irische Vereinigung voranzutreiben.
       
       Das Unverständnis für die Nachbarinsel drückt sich etwa darin aus, dass der
       Tory-Abgeordnete Andrew Bridgen glaubt, er habe nach dem Brexit ein Anrecht
       auf einen irischen Pass. Diese Arroganz ist nicht nur im Londoner
       Unterhaus, sondern auch in der Bevölkerung nach wie vor zu finden. Zwar
       sind die Schilder „Zutritt für Hunde und Iren verboten“ inzwischen
       verschwunden, aber irische Auswanderer erfahren in England nach wie vor
       Rassismus.
       
       Oder könnte [2][der jüngste Brexit-Gesetzentwurf] wieder nur britisches
       Säbelrasseln sein, um Konzessionen bei den Verhandlungen um einen
       Handelsvertrag herauszuholen? Das wäre die harmlosere Interpretation. Die
       andere ist, dass Boris [3][Johnson] die Hardliner in seiner Partei, die
       eine Grenze in der Irischen See vehement ablehnen, beruhigen und die EU
       zwingen will, die Verhandlungen abzubrechen, um den ersehnten harten Brexit
       durchzusetzen.
       
       Ein anderer Johnson, der großartige englische Schriftsteller Samuel
       Johnson, sagte mal, nichts Befremdliches habe lange Bestand. Hoffentlich
       behält er in Anbetracht der befremdlichen Politik seines Namensvetters
       recht.
       
       10 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Streit-um-Brexit-in-Grossbritannien/!5708108
 (DIR) [2] /Umstrittenes-britisches-Brexit-Gesetz/!5713511
 (DIR) [3] /Johnsons-Verhandlungstaktik-Brexit/!5708250
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Boris Johnson
 (DIR) Irland
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Brexit und EU: „No Deal“ ist möglich
       
       Der Gipfel in Brüssel bringt keine Einigung im Handelsstreit mit
       Großbritannien. Obwohl das Ultimatum ausläuft, soll weiter verhandelt
       werden.
       
 (DIR) Verhandlungen zum Brexit: Gesetz in der Warteschleife
       
       Das britische Unterhaus billigt das Binnenmarktgesetz, das die EU zuvor
       scharf kritisiert hatte. Doch damit tritt es noch lange nicht in Kraft.
       
 (DIR) Umstrittenes britisches Brexit-Gesetz: Was steht im Gesetzentwurf?
       
       Der Entwurf eines neuen britischen Binnenmarktgesetzes stößt auf Kritik,
       weil er dem Nordirland-Teil des Brexit-Abkommens widerspricht. Eine
       Analyse.
       
 (DIR) Streit um Brexit in Großbritannien: Mays Rückkehr
       
       Die britische Regierung gibt zu, dass ihre „Klarstellung“ des Brexit-Deals
       zu Nordirland rechtswidrig wäre. Die vorige Premierministerin ist empört.
       
 (DIR) Johnsons Verhandlungstaktik Brexit: Zu früh eskaliert
       
       Premier Boris Johnson setzt der EU ein Brexit-Ultimatum. Das soll wohl
       schneidig wirken, ist langfristig aber ein eher ziemlich dämliches Manöver.
       
 (DIR) Neuer Streit um Brexit: In Brüssel schrillen Alarmglocken
       
       Erst drohte Großbritannien, jetzt die EU. Die Verhandlungen über ein
       Brexit-Handelsabkommen könnten doch noch scheitern.