# taz.de -- French Open in Paris: Das große Fremdfrieren
       
       > Beim Grand Slam in Paris ist es so kalt, dass manch Tennis-Star Angst hat
       > zu erfrieren. Auch den Fans wird beim Corona-Sport nicht warm ums Herz.
       
 (IMG) Bild: Herbstmode in Paris: Viktoria Azarenka in Trainingsjacke
       
       Der Sport liefert in diesen Pandemiezeiten nicht immer die schönsten
       Bilder. An leere Tribünen in der Fußballbundesliga hat man sich so sehr
       gewöhnt, dass die zu 20 Prozent gefüllten Arenen, wie man sie am Wochenende
       gesehen hat, beinahe schon stimmungsvoll wirken. Das Quietschen der Schuhe
       auf dem Parkett in der Basketball Bubble der NBA in Orlando war für viele
       Sportfans das Geräusch des Spätsommers.
       
       Echte Playoff-Stimmung werden dennoch alle TV-Sportfreund:innen vermissen,
       die schon einmal ein Entscheidungsspiel um den Finaleinzug via TV verfolgt
       haben. Besonders traurig waren nun aber die ersten Bilder, die von den vom
       Frühling in den Herbst verschobenen French Open in Paris um die Welt
       geschickt worden sind.
       
       Wer nicht zu frieren beginnt bei den Übertragungen von den Plätzen in
       Paris, kann eigentlich kein Temperaturempfinden haben. Ohne mindestens
       dreiviertellange Leggins betritt kaum eine Spielerin den Platz. Manche
       lässt ihre Trainigsjacke das ganze Spiel über an, und weil es bisweilen
       nieselt, glaubt man auch am heimischen Empfangsgerät zu spüren, wie die
       Feuchtigkeit bis auf die Haut durchdringt. Als es am Sonntagnachmittag dann
       auch noch zu nieseln begann, hatte die belarussische Tennisspielerin
       [1][Viktoria Azarenka] die Schnauze voll.
       
       Unter einem Regenschirm sitzend bellte sie die Schiedsrichterin an und
       forderte die Unterbrechung des Spiels. Die meinte, sie solle noch ein wenig
       warten, was die Finalistin der US Open von vor zwei Wochen erst so richtig
       auf die Palme gebracht hat. „Wenn ich hier sitzen bleibe, erfriere ich“,
       sagte sie. Und: „Es sind 8 Grad. Ich lebe in Florida. Ich bin warmes Wetter
       gewöhnt.“ Die Ärmste! Da mögen die Schiedsrichterinnen gedacht haben, für
       jemanden, der in Floirida lebt, muss es ja besonders schlimm sein hier, und
       entließen die Starspielerin in eine Regenpause.
       
       ## Heiteres Outfit
       
       Nach dieser spielte sie wieder in langärmliger Trainingsjacke. Die immerhin
       war ein heiteres Moment in diesem traurigen Spiel, das nach Angaben der
       Nachrichtenagentur Reuters ganze neun Zuschauer live auf dem Platz verfolgt
       haben. Das rosa-rot-blau-gelb-weiße Teil würde sich jedenfalls in jeder
       Kommödie, in der man über die 80er Jahre im Ruhrgebiet lachen soll, überaus
       gut machen. Mit ihrer Gegnerin hatte Azarenka übrigens weit weniger
       Probleme als mit dem Wetter. Sie fertigte die Montenegrinerin Danka Kovinić
       mit 6:1, 6:2 ab.
       
       Natürlich gibt es auch sportliche Diskussionen rund das feuchtkalte
       Ambiente dieses Grand-Slam-Turniers. Die Bälle würden ganz langsam, man
       bekomme kein Tempo ins Spiel. Der 12-fache French-Open-Sieger [2][Rafael
       Nadal] meinte: „Der Ball ist superlangsam und -schwer.“ Auch dass mit einem
       anderen Ball gespielt wird als bisher, weil ein anderer Ballhersteller das
       Ballsponsoring übernommen hat, kritisierte der Spanier. Sie haben es
       wirklich schwer, die Profis. Das Mitgefühl ist ihnen gewiss.
       
       Nur an die Balljungen und -mädchen dachte niemand bei all der Jammerei über
       die Kälte. Die müssen mit kurzärmligen T-Shirts und in kurzen Hosen am
       Rande des Platzes warten, bis die Ballwechsel zu Ende gehen. Wer das im
       Fernsehen sieht, geht erst einmal zur Heizung und dreht ein wenig auf.
       Coronasport kann ziemlich kalt sein.
       
       28 Sep 2020
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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