# taz.de -- Protest von SportlerInnen in Belarus: Eine Angepasste begehrt auf
       
       > Ex-Biathletin Darja Domratschewa war lange Alexander Lukaschenkos
       > Lieblingssportlerin. Jetzt übt ausgerechnet sie Kritik an der Polizei.
       
 (IMG) Bild: Präsident Lukaschenko beim Wintersport mit seinem Sohn Nikolai und Darja Domratschewa
       
       Auch du, meine Tochter Darja? Das mag sich Alexander Lukaschenko gedacht
       haben, als er den Instagram-Post einer seiner Lieblingsbürgerinnen am
       Mittwochabend gesehen hat. Die viermalige Biathlon-Olympiasiegerin Darja
       Domratschewa hat die brutalen Spezialeinheiten, die unter dem Namen Omon in
       ganz Belarus gefürchtet sind, dazu aufgefordert, [1][die Gewalt zu
       beenden]. Es war ein [2][Appell an die Befehlshaber der Omon-Einheiten],
       gut verpackt hinter einem der für Domratschewas Account so typischen
       Kitschbilder.
       
       In Belarus wird man nicht schlecht gestaunt haben über den Post. Denn
       Domratschewa darf man als Vorzeigesportlerin Lukaschankos bezeichnen. Sie
       schenkt ihm Kopien der wichtigsten Trophäen, die sie gewinnt, eröffnet
       Arenen an seiner Seite, lächelt, wenn der Präsident ihr wieder einmal einen
       Orden anheftet, oder gießt das Betonfundament eines Krankenhauses zusammen
       mit ihrem Landesvater aus. Lukaschenko sonnte sich nur allzu gern im Ruhm
       von Domratschewa. Der Präsident konnte sich auf sie verlassen.
       
       Vor der Präsidentschaftswahl, an deren offizielles Ergebnis niemand glauben
       mag, [3][hatte sie noch gepostet]: „Ich glaube ganz fest an freie und
       gerechte Wahlen bei uns im Land.“ Dann schwenkte sie um, vielleicht auch,
       weil sie unter ihren Posts wegen ihrer Nähe zu Lukaschenko heftig
       angegriffen wurde.
       
       ## Vermöbelter Kampfsportler
       
       Derweil haben die Angehörigen des Fußballprofis Anton Soroka einen Tag lang
       gar nichts mehr von dem Stürmer von Bate Borissow gehört. Der soll am
       Dienstagabend bei einer der Demonstrationen gegen Lukaschenko festgenommen
       worden sein. Das Sportportal by.tribuna.com, das vor allem auf seinem
       Twitter-Account ausführlich über die Proteste in Belarus berichtet,
       vermeldete auch die Festnahme des Mixed-Martial-Arts-Kämpfers Alexei Kudin,
       mehrfacher Weltmeister im Kick- und im Thaiboxen.
       
       Kudin sei im Minsker Vorort Molodetschno unterwegs gewesen, als Einheiten
       der Polizei begannen, Teilnehmer einer Protestaktion mit Schlagstöcken zu
       vermöbeln. Nun werde Kudin Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen.
       Unterstützer aus der Kampfsportszene formieren sich bereits. Denis
       Gontscharjonok, ebenfalls ein hochdekorierter Kick- und Taiboxer,
       [4][zeigte sich via Instagram entsetzt] über die Behandlung „dieses
       würdigen Sportlers, der Belarus vertritt“.
       
       Noch viel mehr zu Herzen gehen vielen Menschen in Belarus die Bilder, die
       das von blauen Flecken und Beulen übersäte Gesicht eines
       Juniorennationalspielers im Eishockey zeigen. Auch Ilja Litwinow war in
       Molodetschno [5][in die Fänge der Polizei] geraten.
       
       13 Aug 2020
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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