# taz.de -- Volle Badeseen in Berlin und Brandenburg: Abstand halten und abtauchen
       
       > Hitze in Berlin und nur eingeschränkt geöffnete Bäder – jetzt sind die
       > Seen voll. Wer wollte es den Leuten verbieten? Die Politik hoffentlich
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Badespaß im Prinzenbad, hier aus Zeiten vor Corona
       
       Es gibt so Dinge, die kann man den Menschen schwer verbieten. Bei
       [1][knallender Sommerhitze] die Feierabende und Wochenenden am Badesee zu
       verbringen gehört vermutlich dazu. Der Rückstau von krebsroten,
       sonnenstichigen Menschen unter Sonnenhüten (oder manchmal auch nur einem
       Frotteehandtuch überm Kopf) vor dem Einlass zum Strandbad Plötzensee
       reichte am letzten Ferienwochenende jedenfalls bis zur gut 500 Meter
       entfernten Seestraße.
       
       Am Kiessee in Schildow, kurz hinter der Stadtgrenze nach Norden raus, stand
       die Autorin am Sonntag auf Tuchfühlung mit anderen Schwitzenden im
       badewannenwarmen Wasser zwischen losgelöst planschenden Kinderhorden.
       
       Die Seen sind diesen Sommer gesteckt voll, im wahrsten Sinne des Wortes –
       und zwar nicht trotz, sondern wegen Corona. Bei 35 Grad Mittagshitze und
       einem pandemiebedingt nur limitierten Zugang zu den öffentlichen
       Schwimmbädern – die [2][Sommerbäder in Neukölln, Kreuzberg] und im
       Humboldthain sind bis nächste Woche Dienstag ausgebucht, im Strandbad
       Wannsee gibt's für den frühen Morgenslot noch Tickets – ist das nicht
       verwunderlich.
       
       Vermutlich auch nicht verwunderlich ist, dass die LebensretterInnen von der
       Brandenburger DLRG bereits warnen: Man beobachte einen vermehrten Andrang
       an unbewachten Badestellen – und viele hielten sich nicht an die
       Baderegeln. 150 Einsätze habe es zwischen Donnerstag und Sonntag gegeben.
       Die vier Ertrunkenen vom vergangenen Wochenende, auch ein junger Mann im
       Plötzensee, passen ins Bild.
       
       ## Die Infektionszahlen steigen wieder
       
       Die Frage ist, was folgt daraus? Soll man jetzt die Bäder wieder öffnen?
       Keine gute Idee, wenn man sich die steigenden Infektionszahlen auch in
       Berlin anschaut, der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, Matthias Oloew,
       hat das auch bereits abgelehnt.
       
       Soll man alle öffentlichen Badestellen an Seen stärker überwachen, mit
       Badeverboten und Bußgeldern drohen – also die absolute Verbotskeule
       schwingen, so wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) es getan hat,
       als sie am Montag in einem Zeitungsinterview [3][über ein Alkoholverbot]
       sinnierte. Zum Beispiel dort, wo sich die Kneipen drängen und die Menschen
       zuletzt unter beschwipst-beschwingter Missachtung aller Abstandsregeln eben
       auch.
       
       Das wäre dann allerdings nicht konsequent, sondern konsequent falsch. Die
       Menschen würden woanders trinken, so wie sie auch woanders in den Parks
       zusammenkommen, um zu tanzen, solange die Clubs geschlossen sind. Und so,
       wie sie im August eben schwimmen gehen, wenn es draußen heiß ist.
       
       Der Grat zwischen dem, was man vom Einzelnen verantwortet lassen will, und
       dem, was man einschränken muss, ist schmal und selten eindeutig. Das hat
       der Senat bisher, alles in allem, ganz gut gelöst. Insofern: Baderegeln
       lesen, Abstand halten. Und dann abtauchen.
       
       12 Aug 2020
       
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 (DIR) Anna Klöpper
       
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