# taz.de -- Umgang mit Insolvenzen in Coronakrise: Kohle für die Kleinen
       
       > Die Pflicht zur Insolvenzanmeldung soll länger ausgesetzt werden. Das ist
       > gut, kuriert aber nur das Symptom: Pleite bleiben die Betriebe trotzdem.
       
 (IMG) Bild: Viele Ladengeschäfte haben durch die Coronamaßnahmen Probleme
       
       Der Kapitalismus ist noch mit jedem Virus fertig geworden. Ob Pocken, Polio
       oder Masern: Diese Masseninfektionen haben ihren Schrecken längst verloren
       oder sind ganz ausgerottet worden. Auch das Coronavirus wird irgendwann
       eingehegt, so viel ist sicher. Unsicher hingegen ist bei vielen
       Unternehmen, wie sie bis dahin überleben sollen.
       
       Je länger die Coronapandemie andauert, desto stärker teilt sich die
       deutsche Wirtschaft in Verlierer, Durchwurstler – und wenige Gewinner. Die
       Gewinner sind schnell aufgezählt, es sind vor allem die Onlinehändler. Die
       Verlierer kennt auch jeder: [1][Kinos], Bars, Messehotels oder Schausteller
       – alle, die mit Massenveranstaltungen oder Menschenansammlungen in
       geschlossenen Räumen zu tun haben.
       
       Bisher halten sich viele Betriebe noch am Leben, indem sie die Soforthilfen
       der Bundesregierung beantragt haben. Doch oft reichen diese Gelder nicht,
       um die Verluste auszugleichen. Die Firmen zehren also ihr Eigenkapital auf.
       Das Ergebnis könnte sein, dass die Coronapandemie zwar irgendwann
       vorbeigeht – aber leider ein großer Teil der kleineren (Kultur-)Betriebe
       für immer verschwunden sind.
       
       Die Regierung weiß natürlich auch, dass Pleiten drohen. Daher wird
       überlegt, die Pflicht für die Insolvenzanmeldung noch länger auszusetzen.
       Die Schonfrist soll mindestens bis Jahresende ausgedehnt werden. Diese
       Maßnahme ist richtig, kuriert aber nur das Symptom: Wo kein Geld ist, ist
       kein Geld. Pleite bleiben die Betriebe trotzdem.
       
       Daher muss es Notgelder für bestimmte Branchen geben. Natürlich wäre es
       falsch, nach dem „Prinzip Gießkanne“ vorzugehen und blind Gelder an jede
       Bar auszuzahlen, die einen Antrag stellt. Schwarzarbeit ist in diesem
       Sektor ja nicht ganz unbekannt. Aber wer vor Corona Gewinn gemacht und
       ordnungsgemäß Steuern gezahlt hat – der oder die sollte nun unterstützt
       werden, bis die Pandemie vorbei ist.
       
       Es ist eine Premiere: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik
       entscheidet der Staat flächendeckend, welche Firmen überleben.
       
       12 Aug 2020
       
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