# taz.de -- Neuer Regierungschef in Frankreich: Sarkozy-Vertrauter wird Premier
       
       > Jean Castex stammt aus dem Südwesten Frankreichs. In der Corona-Krise hat
       > der bürgerlich Rechte die Lockerungen koordiniert.
       
 (IMG) Bild: Jean Castex, 55 Jahre alt und neuer Premier Frankreichs
       
       Paris dpa | Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den 55 Jahre alten
       Jean Castex zum neuen Premierminister ernannt. Das teilte der
       Präsidentenpalast am Freitag mit. Zuvor waren Premier Édouard Philippe und
       die Mitte-Regierung geschlossen zurückgetreten.
       
       Castex ist bisher in der Corona-Krise dafür zuständig, die Lockerungen zu
       koordinieren. Der Vertraute des früheren konservativen Präsidenten Nicolas
       Sarkozy ist Bürgermeister der Stadt Prades in Südwestfrankreich. Er ist ein
       hochrangiger Politikfunktionär, kommt von den bürgerlichen Rechten und ist
       in der Öffentlichkeit nicht besonders bekannt. In der französischen Presse
       hat er den Spitznamen „Monsieur déconfinement“ – das Wort „déconfinement“
       steht für die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise.
       
       Der Rücktritt der Regierung war nicht überraschend gekommen. Macron will
       [1][seine Politik neu ausrichten] und deshalb mit einer anderen
       Regierungsmannschaft arbeiten. „Ökologischer Wiederaufbau“ ist nun eines
       seiner Schlagworte. Der 42-Jährige betonte in Interviews mit
       Regionalzeitungen aber auch: „Ich glaube, dass der Kurs, den ich 2017
       eingeschlagen habe, nach wie vor richtig ist.“ Er wolle künftig aber noch
       viel mehr auf Dialog setzen.
       
       Philippe hatte die Mitte-Regierung seit Mai 2017 geführt. Der ursprünglich
       aus dem Lager der bürgerlichen Rechten stammende Politiker hatte Ende Juni
       als Bürgermeisterkandidat die Kommunalwahl in der nordfranzösischen
       Hafenstadt Le Havre für sich entschieden – dort war er schon einmal
       Bürgermeister gewesen.
       
       ## Spannungen an der Spitze des Staates
       
       Über die politische Zukunft Philippes wurde monatelang spekuliert. Während
       der schweren Corona-Krise hatte es Spannungen an der Spitze des Staates
       gegeben. So drückte [2][Macron beim Lockern der strikten
       Ausgangsbeschränkungen aufs Tempo], während Philippe bremste. In
       Beliebtheitsumfragen schneidet der hünenhafte Politiker wesentlich besser
       ab als Macron. Philippe hatte in der Corona-Krise, die Frankreich mit rund
       30.000 Toten schwer traf, als ruhig wirkender Krisenmanager deutlich an
       Statur gewonnen.
       
       Premierminister haben in Frankreich einen schwierigen Stand, da
       üblicherweise der Staatspräsident im Rampenlicht steht und die großen
       Linien vorgibt. So vertritt der Staatschef Frankreich bei EU-Gipfeln oder
       anderen internationalen Spitzentreffen. Der damalige konservative Präsident
       Nicolas Sarkozy, der von 2007 bis 2012 regierte, bezeichnete seinen Premier
       François Fillon einmal herablassend als seinen „Mitarbeiter“.
       
       3 Jul 2020
       
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