# taz.de -- Britische Kontroversen über Russland: Was „Global Britain“ meint
       
       > Ein härterer Umgang mit Russland und China ist dringend nötig. Daran
       > könnte sich auch Boris Johnsons Zukunft entscheiden.
       
 (IMG) Bild: Will he stay or will he go?
       
       Als „globale Handelsnation“ definiert sich Großbritannien gern. London ist
       eine der großen Finanzmetropolen der Welt, das englische Recht ist eine
       Grundlage des Welthandels. Nicht lange ist es her, da überschlugen sich
       [1][der konservative Premierminister David Cameron und der Londoner
       Bürgermeister Boris Johnson beim Werben um Kapital: aus China, aus
       Russland], aus aller Welt, auch aus dubiosen Quellen und mit dubiosen
       Absichten.
       
       Heute ist David Cameron Geschichte, aber Boris Johnson hat Großbritannien
       zum Brexit geführt und das „Global Britain“ zu seinem Markenzeichen
       gemacht. Doch die Neudefinition der globalen britischen Rolle geht jetzt
       einher mit einer schwindelerregenden Neubewertung der vorherigen Politik.
       China, dessen starker Mann Xi Jinping noch 2015 in London hofiert wurde wie
       kaum ein Staatsgast vor und nach ihm, ist jetzt [2][wegen Hongkong
       Feindesland].
       
       Und Russland, dessen Milliardären die Londoner Finanz- und Immobilienmärkte
       offenstanden wie sonst kaum jemandem, wird jetzt vom mächtigen
       Geheimdienstausschuss des Parlaments als „feindlicher Staat“ definiert. Die
       britischen Regierungen der jüngsten Zeit hätten vor russischer
       Einflussnahme die Augen verschlossen. Daher sei auch nicht zu klären, ob
       Russland die Schottland- und Brexit-Referenden beeinflusste oder nicht, was
       der ursprüngliche Grund für diese parlamentarische Untersuchung war.
       
       Dass über all dies jetzt in London heftig gestritten wird, war absehbar.
       Vertraut ist auch die vom Geheimdienstausschuss aufgebaute Unterscheidung
       zwischen Profis im Sicherheitsapparat und Amateuren in der Politik. Das ist
       ein gängiges Framing der politischen Debatte, wenn die britische
       Außenpolitik umstritten ist. Man erinnere sich an die Kontroversen um Tony
       Blairs Irakkrieg – sein Führungsanspruch in der Welt erholte sich davon
       nie. Die Notwendigkeit eines härteren Umgangs mit Russland und China könnte
       nun über das Schicksal von Boris Johnsons „Global Britain“ entscheiden.
       
       23 Jul 2020
       
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