# taz.de -- Vom Niedergang alter Fußballmächte: Tradition im Sturzflug
       
       > Warum bleibt der Hamburger SV zweitklassig? Und wieso droht dem 1. FC
       > Nürnberg sogar Schlimmeres? Die Ursachensuche ergeht sich oft in
       > Floskeln.
       
 (IMG) Bild: Scheitert an Sandhausen und sich selbst: der Hamburger Sportverein
       
       Was ist eigentlich der Hamburger Sportverein? Was der 1. FC Nürnberg ist,
       kennen wir als Volksweisheit: „Der Club ist ein Depp.“ Fest steht, dass
       beide, der ehemalige Rekordbundesligateilnehmer aus Hamburg und der
       ehemalige Rekordmeister aus Nürnberg, nur noch Traditionsvereine sind.
       Klubs ohne aktuelle Relevanz.
       
       Die Gründe, die zu lesen und zu hören sind, klingen immer und überall
       gleich: „Managementfehler“, „falsche Personalpolitik“, „strukturelle
       Schwächen“, „mangelnder Einsatz“. All das ist richtig und nichtssagend
       zugleich. Es sind Floskeln, die nur Kenntnis vorgeben, wo aber die Ursache
       für die Krise schlicht noch nicht benannt ist.
       
       Der HSV jedenfalls [1][ist an Heidenheim und Sandhausen gescheitert]. Sogar
       in der Dritten Liga, also in jener Spielklasse, die dem FCN nun droht, sind
       Namen vertreten, die für Fußballtraditionalisten klangvoller anmuten. Das
       liegt daran, dass der Klub abgestürzter Traditionsvereine mittlerweile
       ziemlich groß ist: Frühere Deutsche Meister oder Europapokalsieger wie
       [2][Eintracht Braunschweig], 1860 München, [3][FC Magdeburg] oder der 1. FC
       Kaiserslautern schleppen sich durch die fußballerischen Unterhäuser.
       
       Gewiss, es gibt Klubs, die die Rückkehr auf die Fußballbühne, auf die man
       dem Selbstverständnis nach gehört, geschafft haben: Hertha BSC war zwei
       Spielzeiten in der damals drittklassigen Oberliga Berlin (1986 bis 88), und
       auch der 1. FC Nürnberg musste sich 1996/97 in der drittklassigen
       Regionalliga tummeln. Beide kehrten irgendwann sogar in die Erste
       Bundesliga zurück.
       
       ## Vom Wert der Analogien
       
       Wo stehen der HSV und der FCN? Analogien werden viele gehandelt: Ist der
       HSV das Karstadt der Liga? Ein ehemals große Adresse, die heute durchaus
       gebraucht würde, wenn das Management nicht unfähig wäre? Ist der FCN die
       SPD des Fußballs? Ein Traditionsverband, für den es durchaus Bedarf gäbe,
       wenn dieser Verein nicht immer im entscheidenden Augenblick exakt das
       Falsche täte?
       
       Lustige Analogien im Fußball zu bilden, ist bekanntlich irgendwie
       Achtziger. Damals galt Jupp Derwall als der fußballerische Helmut Kohl, und
       in der Rückschau wurde aus Helmut Schön ein Willy Brandt mit Mütze. So
       etwas ermüdet auf die Dauer.
       
       Aber allem ist doch gemein, dass Vergleiche und Verweise auf Politik und
       Wirtschaft Hinweise auf die gesellschaftliche Einbettung des Fußballs
       geben. Abstieg inmitten prosperierender Verhältnisse ist sehr selten. So
       gesehen: Warum sollte der Hamburger SV aufsteigen?
       
       29 Jun 2020
       
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 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=7b7l8B1k0M8
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=HCSQJp6Rhj4
       
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