# taz.de -- Coronawelle im Tenniszirkus: Von der Disco ins Desaster
       
       > Zwei Tennisprofis werden bei der Adria Tour positiv getestet. Witze über
       > aberwitzige Hygienekonzepte dürften sich damit erübrigt haben.
       
 (IMG) Bild: Rückschlag: Grigor Dimitrov vor der Covid-19-Diagnose am Ball
       
       Der deutsche Basketball ist in einer Art Familienurlaub. Wer auf dem
       Streamingkanal Magenta Sport das Finalturnier um die deutsche
       Basketballmeisterschaft der Männer verfolgt, der bekommt recht nette Bilder
       geliefert aus dem Hotel in der Nähe des Münchner Olympiaparks, in dem zu
       Turnierbeginn die zehn Teams nebst Betreuern, ein paar Funktionären und den
       Schiedsrichtern eine Art Quarantänequartier bezogen haben. Wer spielt
       gegen wen Billard? Wann haben die Ludwigsburger Riesen die Grill-Terrasse
       reserviert? Und wie sieht es aus, wenn sich die Schiedsrichter zur
       Auswertung der ersten Partien treffen?
       
       Dann wird wieder in die Halle geschaltet, in der die Spiele ausgetragen
       werden. Die darf nur eine Handvoll Menschen betreten und auch das nur,
       nachdem sie eine Art Humanwaschanlage durchschritten haben, in der die
       ganzen Kerle mit Desinfektionsmitteln eingenebelt werden.
       
       Das [1][Hygienekonzept ist derart streng], dass man nicht recht damit
       umzugehen wusste, als sich Dopingkontrolleure der Nada angesagt hatten. Die
       durften die Spieler am Ende doch zur Abgabe von Urin bewegen, auch wenn sie
       nicht zur Basketball-Zwangs-WG dieser Tage gehören. [2][Uli Hoeneß], der
       als Ehrenpräsident des im Viertelfinale gescheiterten FC Bayern zu denen
       gehört, die die paar Plätze in der Halle betreten dürfen, die für
       Nicht-WG-Bewohner vorgesehen sind, würde sich freuen, wenn ein paar mehr
       Zuschauer als nur er alleine zu den letzten Spielen in die Halle dürften.
       
       Warum das für ihn kein Problem wäre? „Der ganze Freistaat Bayern war ja in
       der Coronapandemie sowieso Weltklasse.“ Klar. Ob sein Wunsch erfüllt wird,
       ist ungewiss. Und wenn er erfüllt wird, dann müssten in jedem Fall alle
       Hallenbesucher durch die Hygienedusche. Hygiene ist das Wort dieser Zeit.
       
       ## Die Partynacht von Belgrad
       
       Ob das ganze Gewese nicht übertrieben sei, das um die Events der
       Profisportler getrieben wird, die Frage wurde auch schon in der
       Fußballblase ventiliert. Ein paar Tausend Zuschauer zum Pokalfinale
       zwischen Bayer und dem FC Bayern am 4. Juli in Berlin, hätte sich nicht nur
       Leverkusens Sportchef Rudi Völler gewünscht. Man hat ihm den Wunsch nicht
       erfüllt. Ob er die Bilder vom Einladungsturnier der Tennisprofis aus
       Belgrad gesehen hat, die vor einer Woche für Aufsehen gesorgt haben?
       
       Feiernde Zuschauer auf den Rängen waren da zu sehen, knuddelnde Athleten
       nach den Spielen und eine veritable Party im echten Nachtleben nach dem
       Finale. Novak Ðjokovioć, die Nummer eins der Welt, hatte als Organisator
       eine Handvoll Spitzenspieler zur Tour Adria eingeladen und vor lauter
       Freude über das schöne Event mit nacktem Oberkörper in einem Tanzschuppen
       seine Bauchmuskulatur zur Musik bewegt.
       
       An der wilden Party nahm neben Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev
       auch der bulgarische Profi Grigor Dimitrow teil. Der hat nun ein [3][Bild
       aus dem Krankenlager in die Welt geschickt] und mitgeteilt, dass er an
       Covid-19 erkrankt ist. Am Wochenende hatte er sichtlich angeschlagen auf
       der zweiten Station des Adria Tour im kroatischen Zadar mit 1:4, 1:4 gegen
       Borna Ćorić verloren.
       
       Danach wollte er seinem Bezwinger nicht Hand geben, streckte ihm nur die
       Faust entgegen. Nun hat [4][auch der Kroate mitgeteilt], dass er positiv
       auf das Coronavirus getestet worden ist. Das Finale von Zadar war da schon
       abgesagt. Das Turnier, mit dem Novak Ðjokovioć den Tennissport zurück ins
       Rampenlicht führen wollte, ist in einem Desaster geendet.
       
       Gut möglich, dass sich so schnell niemand mehr lustig macht über die absurd
       anmutende Hygienekonzepte, mit denen der Profisport ums sein Überleben
       kämpft. Vielleicht können sie gar nicht ausgeklügelt und absurd genug sein.
       Beim Basketballturnier in München gibt es Absurditäten genug. So sind die
       siegreichen Teams für das Waschen der Schiedsrichterkleidung zuständig.
       
       23 Jun 2020
       
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