# taz.de -- Randalierende Jugendliche in Stuttgart: Politisches Motiv fehlt
       
       > Viele Clubs sind wegen Corona noch geschlossen. Das könnte ein
       > Katalysator für die Gewalt am Wochenende in Stuttgart gewesen sein.
       
 (IMG) Bild: Risse in einer beschädigten Scheibe in Stuttgart
       
       Junge Männer gehen in Stuttgart hemmungslos auf Polizisten und
       Rettungskräfte los. Es werden [1][Geschäfte entglast und Handyläden
       geplündert.] Der Prix-Markt bleibt seltsamerweise unberührt, offenbar lohnt
       da die Mühe nicht.
       
       Auch CDU-Innenminister Thomas Strobl kann keine politische Motivation bei
       den Randalierern entdecken. Es gibt dafür auch keine Hinweise.
       Beispielsweise die [2][Black-Life-Matters-Demonstrationen] auf dem
       Cannstatter Wasen verliefen am vergangenen Wochenende friedlich. Die
       Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) sind die Einzigen, die
       angeblich gewaltbereite Linke für die Täter halten.
       
       Was man drei Tage [3][nach den Ausschreitungen] wohl sagen kann:
       Katalysator für die Gewalt ist wohl die Tatsache, dass die Clubs in
       Stuttgart wegen Corona geschlossen sind und manche, die man früher wohl
       Halbstarke genannt hätte, in dieser partyarmen Zeit nicht wissen, wohin mit
       ihrer Körperlichkeit. Um also den Mob überhaupt irgendwie einordnen zu
       können, sprechen die Polizeibehörden – wohl auch viel zu pauschal – von
       einer Party- und Event-Szene.
       
       Der Schlossplatz in Stuttgart wird schon lange an warmen Sommerabenden zu
       einer Partymeile, auf der man auch sieht, wie vielfältig Stuttgart entgegen
       dem Klischee ist. MigrantInnen, und Queere, SchülerInnen und StudentInnen,
       Jugendliche aus dem Umland, sie alle treffen in der Fußgängerzone und im
       Schlosspark aufeinander, um in normalen Zeiten in die Clubs und Gaststätten
       weiterzuziehen. Natürlich gibt es auch dort gelegentlich Rangeleien und
       Unruhe. Aber bisher hatte die Polizei das ohne auffällige Repression im
       Griff.
       
       Offene Innenstädte, Gewalt gegen Frauen, Sicherung von
       Demonstrationsfreiheit, zu alldem, aber auch bei vielen anderen
       Gelegenheiten kann man sich fragen: Was ist eigentlich die Antwort all
       jener, die jetzt ein pauschales Urteil über die Polizei fällen? Die Bilder
       aus Stuttgart zeigen ganz plakativ, wie pubertär diese Diskussion ist.
       
       24 Jun 2020
       
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