# taz.de -- Tipps für verträgliches Reisen: Mobil auch ohne Flug
       
       > Ob Bahn, Fernbus oder Flieger – alle Verkehrsmittel für Reisende fahren
       > den Betrieb wieder hoch. Europa mit der Bahn ist machbar.
       
 (IMG) Bild: Schöne Aussichten: Ein riesiges Schienennetz in Europa wartet auf Reisende
       
       BERLIN taz | Kaum waren am Montag die Grenzen zu Dänemark geöffnet,
       bildeten sich lange Staus. Das wird im Corona-Sommer 2020 keine Ausnahme
       bleiben. „Wer in diesem Jahr verreist, fährt eher mit dem Auto“, erwartet
       ein Sprecher des ADAC.
       
       Dabei ist das Reisen auch mit anderen Verkehrsmitteln längst wieder
       möglich, nachdem die Bundesregierung die Reisewarnung für die meisten
       europäischen Länder aufgehoben hat. „Mit dem Zug durch Europa zu reisen,
       ist super unkompliziert“, sagt Siegfried Klausmann, Inhaber des Freiburger
       Reisebüros Gleisnost, das auf erdgebundenes Reisen spezialisiert ist. „Es
       gibt keinen anderen Kontinent, der so dicht mit Schienen durchzogen ist.“
       
       Unkompliziert sind Buchungen für Ziele im Inland und in Metropolen der
       europäische Nachbarstaaten. Die Deutsche Bahn fährt ihr Angebot auch im
       grenzüberschreitenden Fernverkehr wieder hoch. In den Zügen gilt
       Maskenpflicht. Touristische Ziele wie Sylt, Rügen, der Spreewald, das
       Rheintal oder Berchtesgaden werden wieder angefahren. Ab dieser Woche neu
       ist die direkte Verbindung von Berlin nach Graz über Dresden, Prag und
       Wien, auf der auch Fahrräder mitgenommen werden können.
       
       Eine Reihe von europäischen Eisenbahngesellschaften kooperiert mit der
       Deutschen Bahn: die österreichischen ÖBB, der ungarischen MAV-START, der
       kroatischen HZPP, der russische RZD, der schwedische Snälltåget sowie der
       polnischen PKP. Die Züge fahren etwa von Moskau nach Paris, von Berlin über
       Warschau nach Wien oder von München nach Rom. Die ÖBB bietet auch Reisen im
       Schlafwagen an. Das Problem: Viele internationale Tickets sind nicht über
       die Homepage der Deutschen Bahn buchbar, sondern nur in DB-Reisezentren
       oder über Reisebüros.
       
       ## Das Auto im Zug
       
       [1][Online buchbar] dagegen ist die Fahrt mit dem nicht zur Deutschen Bahn
       gehörenden Alpen-Sylt-Express. Er verkehrt zwischen Salzburg und Sylt und
       hält an rund zehn Bahnhöfen in Deutschland. Die Fahrt im Liegewagenabteil
       kostet für bis zu sechs Personen ab 399 Euro.
       
       Eine Variante des Schlafens und Reisens ist der Autozug, bei dem Fahrgäste
       den eigenen PKW oder das eigene Motorrad im Zug mitnehmen. Die Deutsche
       Bahn hat dieses Geschäftsfeld erst ausgedünnt und 2016 aufgegeben. Andere
       Anbieter sind in die Bresche gesprungen. Die Kölner
       Train4you-Unternehmensgruppe zum Beispiel bietet unter der Marke
       [2][Urlaubsexpress] Zugreisen in Liege- oder Schlafwagen an, bei den denen
       Auto oder Motorrad mitgenommen werden können. Auch ohne Fahrzeugmitnahme
       ist der Zug buchbar.
       
       Das Unternehmen hat alte Autoverladestellen der Deutschen Bahn in Hamburg,
       Düsseldorf, München und Lörrach übernommen und fährt in normalen Zeiten bis
       Österreich und Norditalien. Wegen der Coronakrise wurde der Betrieb
       eingestellt. Ab dem 28. Juni gehen wieder Züge nach Villach und Innsbruck.
       „Die Verbindung nach Verona wird vorerst noch nicht wieder aufgenommen“,
       sagt Sprecher Christian Oeynhausen.
       
       Je stärker ein Zug ausgelastet ist, desto teurer wird es. Mitte Juni
       kostete ein Fahrt von Hamburg bis Innsbruck mit einem Fahrzeug und
       Unterbringung im Liegewagen für eine Person 274 Euro, bei Buchung des
       kompletten Liegewagens mit bis zu vier Personen waren es 578 Euro. Daneben
       bieten der [3][BahnTouristikExpress] und die österreichischen Bundesbahnen
       Autozüge an.
       
       Schwierig ist die Buchung von Bahnreisen durch mehrere europäische Länder.
       Früher konnten Reiselustige auch in der tiefsten Provinz an einem Schalter
       der Bahn ein Ticket für jeden beliebigen Ort kaufen. „Da hat der
       Schalterbeamte vielleicht ein bisschen schräg geguckt, aber nach ein paar
       Minuten hatte man seine Fahrkarte“, erinnert sich Reisefachmann Klausmann.
       Auch wenn es weniger Direktverbindungen gibt als früher, mit Umsteigen ist
       nahezu jedes Ziel per Bahn erreichbar. „Was sich geändert hat, ist der
       Vertrieb der Fahrkarten“, sagt Klausmann. Denn den hat die Deutsche Bahn
       für die meisten europäischen Ziele abgegeben.
       
       ## Teuer im Schlafwagen
       
       Das ist für Reisewillige ein großes Problem: Verbindungen bei den
       jeweiligen Eisenbahngesellschaften im Land selbst zu suchen, ist mühsam und
       zeitaufwendig – auch wenn manche deutschsprachige und fast alle
       englischsprachige Internetseiten haben. Spezialisierte Reisebüros
       übernehmen das gegen Servicegebühren. Preisbeispiele will Klausmann nicht
       nennen. Bahnfahren ist erheblich teurer als Billigfliegen. Wer mit dem Zug
       von Berlin nach Lissabon in der Zweier-Schlafkabine reisen will, muss mit
       Kosten von etwa 500 Euro rechen.
       
       Wer für wenig Geld, aber halbwegs ökologisch reisen will: Auch Fernbusse
       fahren wieder. Aus Sicherheitsgründen müssen PassagierInnen an Bord Masken
       tragen. Marktführer Flixbus steuert innerhalb Deutschlands 80 Ziele an. Ab
       dem 18. Juni will das Münchener Unternehmen auch internationale Ziele
       wieder anfahren, etwa Amsterdam oder Wien. Die Konkurrenz, die roten Busse
       von BlaBla, fahren zunächst nur innerhalb Deutschlands. Anders als Flixbus
       will das Unternehmen zunächst nur jeden zweiten Platz verkaufen, damit die
       Fahrgäste nicht zu eng sitzen.
       
       20 Jun 2020
       
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