# taz.de -- Polizei, Saskia Esken und Lufthansa: Rassismusdebatte oder Malle
       
       > Deutschland diskutiert darüber, ob es Rassismus bei der Polizei gibt.
       > Diejenigen Deutschen, die keine Lust darauf haben, können nach Malle
       > flüchten.
       
 (IMG) Bild: Saskia Esken sprach von „Rassismus bei den Sicherheitskräften“ aus Mangel an „innerer Führung“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: „Rasse“ steht immer noch im Art. 3 des
       Grundgesetzes.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Mehr Klasse als Rasse. Nächstes Thema. Marx … fass!
       
       Im Zuge der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt wurden in den USA,
       Großbritannien und Belgien [1][Statuen von Sklavenhaltern und
       Kolonialherren gestürzt]. Welches Denkmal sollte noch fallen? 
       
       Richtig staatsdement wäre ja, wenn ein Land – sagen wir mal die drittgrößte
       Kolonialmacht ihrer Zeit – ein Gebäude wieder aufbauen ließe, in dem auch
       ein zünftiger Weltkrieg losgetreten wurde. Nennen wir es Witzbold-Forum.
       
       SPD-Chefin [2][Saskia Esken hat der Polizei in Deutschland einen „latenten
       Rassismus“ diagnostiziert]. Dafür erntete sie Kritik – auch aus der eigenen
       Partei. Jetzt planen die Ministerien eine Studie dazu. Ist diese nötig, um
       den „Einzelfälle“-Mythos endlich zu überwinden? 
       
       Esken sprach weiter gefasst von „Rassismus bei den Sicherheitskräften“ aus
       Mangel an „innerer Führung“. Das könnte auch die Bundeswehr betreffen, wenn
       die nicht gerade ein Problem mit Rassismus mangels innerer Führung hätte.
       Im Hintergrund ein Paradoxon: Man kann sich jederzeit bei der Polizei über
       die Polizei beschweren. „Ich? Zu schnell gefahren? Ihr Kollege hat doch ’n
       Rad ab!“, und ab da wird das Gesprächsklima aufgeschlossen. Solidarität
       oder Korpsgeist sind ohne Radarfoto kaum zu unterscheiden, und prompt
       fordert Esken eine „unabhängige Beschwedestelle“ außerhalb. Muss was dran
       sein, nachdem die beiden konkurrierenden Polizeigewerkschaften das einmütig
       seit Jahren ablehnen. Die Studie, die das Bundesinnenmysterium nun auflegt,
       erfasst die Länderpolizeien nicht. Und fragt nach „racial profiling“.
       Studiendesign also: dümmer, als die Polizei erlaubt.
       
       Reisen in 160 Länder der Welt bleiben aus Sicht der Bundesregierung immer
       noch riskant. Eine der Ausnahmen ist – klar – Malle. Ab Montag dürfen rund
       11.000 Deutsche testweise auf die Insel. Fair? 
       
       Aleman an Bord! Mögen wir rätseln, ob der Spanier uns für a.
       zahlungskräftig, b. besonders nett oder c. komplett bescheuert hält. Es
       klingt nach einem guten Kompromiss aus allem.
       
       Die [3][mit Staatsgeldern gerettete Lufthansa will über 20.000
       Arbeitsplätze streichen]. Wie kann das sein? Hätte die Bundesregierung
       besser verhandeln sollen? 
       
       „Wir dürfen Sie mit den Sicherheitsvorkehrungen an Bord der Lufthansa
       vertraut machen: Es gibt keine.“ Der Bund wusste, was kam, und wird
       dagegenhalten, man habe die Belegschaft nicht ohne Fallschirme abwerfen
       wollen immerhin. Und singt zum Rückstart das schaurige Lied der
       Systemrelevanz. Ein Teil der Stellen wird in Teil- und Kurzarbeit
       umverhandelt werden. Die Gewerkschaften – Verdi, Cockpit, UFO – bieten
       bereits allerhand Opfer an. Ein Moratorium für Dividenden und Managerboni
       hätte noch ins Bordgepäck gepasst. Ein erbauliches Vorbild für alle
       überschuldeten Privathaushalte – drohe mit Insolvenz und der Staat lässt
       dich gewähren. Sorry, ich hab geträumt.
       
       Wasserstoff ist laut Bundesregierung Deutschlands neue Zukunftsenergie. Das
       Kabinett hat [4][eine Wasserstoff-Strategie beschlossen]. Mit der Nutzung
       des Treibstoffs soll Deutschland bis 2050 klimaneutral werden. Klima
       gerettet? 
       
       Nee, der Verbrenner. Der Plan wirkt nachgerade untermerkeloid verträumt,
       weil man Ottomotor, Betankung und damit einen Technikvorsprung der
       deutschen Autobauer retten könnte. Zudem verheißt er eine großindustrielle
       Lösung, also für Anlagen, Schiffe, Flugzeuge. Es ist eine Wette – ob es
       gelingt, Unmengen Strom für die Elektrolyse des Wasserstoffs grün zu
       erzeugen. Oder was genau gemeint sein mag, wenn ein Potenzial aufgebaut
       wird, das „der Leistung von zehn Atomkraftwerksblöcken entspricht“.
       
       Der Verfassungsschutz hat [5][Erkenntnisse zu rechtsextremen Aktivitäten
       des mutmaßlichen Helfers beim Lübcke-Mord nicht weitergeleitet]. Eine
       Panne? Oder hat der Geheimdienst nicht doch eher ein
       Rechtsextremismusproblem? 
       
       „Von Panne mag man längst nicht mehr reden“ – „Man kann es nicht mehr
       hören“: Irgendwie hat sich die FAZ vom Schrecken des Rezo-Videos aber echt
       was angenommen. Was wollen die Nationalkonservativen? „FAZ – taz von
       neulich“? Ich erwäge ein Soli-Abo.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Siegtor in der 95ten Minute gegen den Vorletzten der Tabelle. Ja, dufte,
       Haaland, aber mal unter uns: Das ist schon irgendwie ziemlich Bayern.
       
       Fragen: Erica Zingher, Carolina Schwarz
       
       14 Jun 2020
       
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