# taz.de -- Falsche Solidarität in der Türkei: Nicht nur in den USA
> Der türkische Präsident verurteilt die rassistische Tat von Minneapolis.
> Wäre sein Antirassismus ernst gemeint, würde er im eigenen Land
> aufräumen.
(IMG) Bild: Auch eine türkische Spezialität: Polizeigewalt, hier beim Internationalen Frauentag in Istanbul
Die Jobbeschreibung eines Polizisten liest sich so: Die Polizei soll die
öffentliche Sicherheit und Ordnung bewahren, Ladendiebstähle und Morde
aufklären, Verkehrsunfälle dokumentieren. Was aber, wenn die Polizei lügt,
foltert und mordet?
Letzte Woche sind [1][Videos aufgetaucht, in dem türkische Polizisten in
Amed (Diyarbakır) einen nackten, am Boden liegenden Mann misshandeln]. Die
Polizisten fühlen sich so sicher, dass sie die Tat nicht einmal
verheimlichen. Im Gegenteil: Sie verbreiten das Misshandlungsvideo sogar
selbst auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie wissen, dass ihnen keine
Konsequenzen drohen. Von wem auch? Von Erdoğan sicherlich nicht. Diese Art
von Polizeigewalt ist Alltag in der Türkei und in den von der Türkei
besetzten [2][Gebieten in Nordsyrien]. Polizisten foltern. Polizisten
töten. Polizisten sind rassistisch und nationalistisch.
Die Gewalt gegenüber Kurd*innen in der Türkei ist nicht nur individuell.
Nein, sie ist auch systematischer Staatsterror, der in der Staatsgründung
1923 der Türkei verankert ist. Wir erinnern an den „Held“ der Kemalisten:
Herrn M. K. Atatürk, der über Nacht alle Minderheiten zu Türk*innen gemacht
hat. Dieser türkische Nationalismus zieht sich bis heute durch die ganze
Türkei. Inklusive Import-Export Deutschland. Wann werden die „Grauen
Wölfe“, die [3][größte rechtsextreme Organisation in Deutschland],
verboten?
Rassistische Gewalttaten stehen in der Türkei auf der Tagesordnung:
[4][Vater und Sohn wird ins Gesicht geschossen], weil sie Kurdisch
gesprochen haben. Ein [5][Rentner wird im Krankenhaus aus dem gleichen
Grund verprügelt]. Vor ein paar Tagen wurde [6][der 20-jährige Kurde Barış
Çakan in Ankara mit Messerstichen ermordet], mutmaßlich weil er kurdische
Musik gehört hat.
## Sklaverei im Osmanischen Reich
Terror-Diktator [7][Erdoğan hat sich auf seinem Twitteraccount zu George
Floyd geäußert], der von einem weißen Polizisten rassistisch ermordet
wurde. Terror-Erdo verurteilte die rassistische Tat. Die [8][Gruppe Black
Socialists in America antwortete auf den Tweet]: „Shut the Fuck up,
Fascist!“ (Solidarische Grüße gehen raus: #blacklivesmatters, und zwar
überall!).
Terror-Erdo ist die Geschichte in seinem eigenen Land bestimmt nicht
entgangen: Anti-Schwarzer Rassismus hat eine sehr lange Tradition. Schon im
15. Jahrhundert wurden [9][Schwarze Menschen als Sklav*innen ins Osmanische
Reich verschleppt].
1857 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft, aber trotzdem noch
weitergeführt. Schätzungen zufolge [10][kamen insgesamt eine Million
Schwarze Sklav*innen ins Osmanische Reich]. Bis heute gibt es den
anti-Schwarzen Rassismus: Schwarze Menschen werden im Bildungssystem
diskriminiert, auf dem Arbeitsmarkt, sind häufig von Armut betroffen und
werden ausgegrenzt.
Würde Terror-Erdo seine Solidarität ernst meinen, würde er mit
antirassistischer Arbeit im eigenen Land beginnen. Überall dort, wo es
Rassismus gibt, gibt es Polizeigewalt. Polizeigewalt und Rassismus gehen
Hand in Hand.
3 Jun 2020
## LINKS
(DIR) [1] https://anfdeutsch.com/kurdistan/tuerkische-polizisten-verbreiten-folterbilder-19506
(DIR) [2] https://www.kurdistan24.net/en/news/6f4de56a-39bf-4ec3-82ae-f89bac3442ef
(DIR) [3] https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/260333/graue-woelfe-die-groesste-rechtsextreme-organisation-in-deutschland
(DIR) [4] /Tuerkische-Angriffe-in-Syrien/!5631577/
(DIR) [5] https://www.dw.com/de/angriffe-auf-t%C3%BCrkische-kurden-nehmen-zu/a-50922753
(DIR) [6] https://anfdeutsch.com/aktuelles/20-jaehriger-kurde-in-ankara-erstochen-19500
(DIR) [7] https://twitter.com/RTErdogan/status/1266125721128316931
(DIR) [8] https://twitter.com/BlackSocialists/status/1266244796957339649
(DIR) [9] https://de.qantara.de/content/das-schicksal-der-afro-turken-der-turkei-ausser-der-farbe-ist-nichts-geblieben
(DIR) [10] https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/nachkommen-afrikanischer-sklaven-vergessenes-erbe-in-der-tuerkei-leben-zehntausende-afrotuerken_id_5797860.html
## AUTOREN
(DIR) Ronya Othmann
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