# taz.de -- Wie Kalou uns Lindners Traum zeigte: Der Bote trägt die Verantwortung
       
       > Gerade ein treuherziger Mann wie Salomon Kalou zeigt, wie es hinter den
       > Kulissen läuft. Das ist so tragisch wie logisch.
       
 (IMG) Bild: Salomon Kalou vor Coronazeiten – jetzt machte er als unabsichtlicher Maulwurf eine mediale Karriere
       
       Wer drei Herthaner nach Salomon Kalou befragt, wird achtmal das Wort
       „Chancentod“ hören. Kalou, das sei einer, der aus fünf Metern Strand das
       Meer nicht trifft. Das ist tragisch, insbesondere bei einem Klub wie
       Hertha, dessen Spielstil ähnlich erlebnisorientiert ist wie ein
       Sonntagsbesuch in einem verwilderten Schrebergarten bei Nieselregen. Wer
       ins Olympiastadion geht, dem steht der Sinn nicht nach Schönheit, der will
       Ergebnisse sehen.
       
       Gleichzeitig gilt Salomon Kalou als zutiefst freundlicher, zugewandter Mann
       ohne große Allüren; einer, dem seine eigene Berühmtheit sogar etwas
       unheimlich ist und der auf Fantreffen so freundlich parliert, dass man
       meinen könnte, er sei einer wie alle anderen auch. Einer von uns – selbst
       wenn das in Hertha-Eckkneipen wegen rassistischer Anwandlungen anders
       gesehen wird.
       
       Und jetzt stellt sich heraus: Ist er nicht. Die Fußballmillionäre leben in
       einer anderen Wirklichkeit, in der sie angewiesen werden müssen, ihre
       schmutzige Kleidung in eine dafür vorgesehene Vorrichtung zu legen, die
       Normalbürger*innen als Waschmaschine kennen. Und in diese andere
       Wirklichkeit hat Salomon Kalou uns [1][einmal kurz mitgenommen].
       
       Er hat ein Video gestreamt, das ihn und die ganze Hertha-Mannschaft live
       dabei zeigt, wie sie ihren Berufsalltag wieder aufnehmen, als wäre nichts:
       sich nicht um Abstandsregeln scheren, über Gehaltseinbußen mosern, Tester
       ohne Schutzausrüstungen etc. Im Grunde der gelebte Traum des Christian
       Lindner: Alle tun so, als wäre nichts, und sind reich dabei.
       
       ## Bedeutung geht mit Verantwortung einher
       
       Als die Empörung über die Gedankenlosigkeit der Fußballprofis hochkochte,
       beeilte sich Hertha BSC zu versichern, beim Verhalten von Salomon Kalou
       handle es sich um „einen Einzelfall“. Man wird sehr lange suchen müssen, um
       deutschlandweit drei Menschen zu finden, die glauben, dass das tatsächlich
       ein Einzelfall ist. Salomon Kalou hat uns die Wirklichkeit gezeigt, und
       [2][dafür ist er nun suspendiert worden]. Ein eindeutiger Fall von „Tötet
       den Boten!“.
       
       Denn was sein Video gezeigt hat, ist mitnichten persönliches Fehlverhalten,
       sondern die schnöde Gedanken- und Verantwortungslosigkeit hinter den
       Kulissen. Dabei ist es so tragisch wie logisch, dass gerade ein so
       freundlicher, zugänglicher, beinah treuherziger Mann wie Salomon Kalou uns
       diesen Einblick geliefert hat; er wird einfach darauf vertraut haben, dass
       die Verantwortlichen sich auch ihrer Verantwortung bewusst sind.
       
       Sind sie natürlich nicht. Ständig wird die soziale Bedeutung des Fußballs
       betont, wenn es darum geht, wieder Bundesliga spielen zu lassen: eine
       Bedeutung, die nicht mit Verantwortung einhergeht. Das wird so nix.
       
       Vorschlag zur Güte: Sollen sie die Spiele aussetzen und stattdessen 90
       Minuten lang ein hoch aufgelöstes 3-D-Bild von Oliver Bierhoff zeigen,
       nachdem er sechs Wochen nicht beim Friseur war – und Salomon Kalou in Ruhe
       lassen.
       
       15 May 2020
       
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