# taz.de -- Sportchefin vom SV Meppen über Aufstieg: „Wir geben uns nicht geschlagen“
       
       > Der SV Meppen steigt per Abstimmung in die erste Frauen-Bundesliga auf.
       > Sportchefin Maria Reisinger erklärt, wie sich der Club oben etablieren
       > will.
       
 (IMG) Bild: Duell der Aufsteiger: Thea Fullenkamp vom SV Meppen jagt ihrer Gegnerin von Werder Bremen nach
       
       taz: Frau Reisinger, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg! Als die Saison
       wegen der Coronapandemie unterbrochen wurde, hatten sie nur einen Punkt
       Vorsprung vor Mönchengladbach. Anfang der Woche hat der DFB nun den Abbruch
       der Saison beschlossen und den SV Meppen neben Werder Bremen zum Aufsteiger
       erklärt. Wie erleichtert sind Sie? 
       
       Maria Reisinger: Wir haben von 16 Spieltagen 14 Spieltage auf dem
       Aufstiegsplatz gestanden. Wir standen schon die letzten Jahre immer kurz
       vor dem Aufstieg. Ich glaube, dass wir dieses Mal auch so dran gewesen
       wären. Klar, hätten wir die Saison gern zu Ende gespielt. So bleibt ein
       fader Beigeschmack.
       
       In der ersten Liga wird ab Freitag wieder gespielt. [1][Sharon Beck vom SC
       Freiburg] hat deshalb dem DFB vorgeworfen, die Gesundheit der Spielerinnen
       stehe nicht an erster Stelle. 
       
       Ich bin nicht nah genug dran, um das zu beurteilen. In der zweiten Liga
       ging es auch um diese Frage. Für mich stand nie zur Diskussion, dass wir
       unter diesen Umständen wieder anpfeifen. Wir können die Mädels nicht eine
       Woche in Quarantäne sperren. Allein mit den Covid-19-Tests wäre unser
       Budget in einer Woche ausgeschöpft gewesen. Und auch die anderen
       Hygieneauflagen hätten wir nicht alle einhalten können.
       
       Frau Beck hat erklärt, berufstätige Spielerinnen hätten Ferien für die
       Quarantäne nehmen müssen. Dem DFB sei das egal gewesen. In einem halben
       Jahr könnte der SV Meppen dieselben Probleme haben, wenn es eine zweite
       Infektionswelle gibt. 
       
       Wir werden mit unseren Spielerinnen bei den neuen Verträgen besprechen,
       dass wir künftig in einer anderen Situation sind. Ich kann nicht einerseits
       sagen, okay, wir spielen jetzt Bundesliga und auf der anderen Seite die
       Konsequenzen nicht tragen wollen. Aber ich verstehe Frau Beck. Corona ist
       eine besondere Situation, die stets neu bewertet werden muss.
       
       [2][Die Kluft zur ersten Liga ist groß.] Viele Aufsteiger scheitern. Was
       müsste getan werden? 
       
       Viele Spielerinnen zieht es ins Ausland. Die zweite Liga wird als
       Ausbildungsliga immer wichtiger. Es sollte auch im Sinne der Erstligisten
       sein, mehr finanzielle Solidarität zu zeigen. Zum Beispiel bei der
       Verteilung der TV-Gelder.
       
       Ist Meppen erstligatauglich? 
       
       Wir arbeiten schon seit Jahren auf diesen Moment hin. Wir haben zwei
       hauptamtliche Trainer und einen großen staff und wir sind mit der
       Männerabteilung sehr eng verbunden.
       
       Was heißt das? 
       
       Wir arbeiten etwa im Training mit dem Trackingsystem, das sich die Männer
       angeschafft haben. Die ermittelten Werte, wie Pulsschlag oder Herzfrequenz,
       helfen für die Belastungssteuerung.
       
       Bei anderen Klubs klappt die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen
       nicht gut. 
       
       Wir haben den Vorteil, dass wir zusammen mit dem Männerteam gewachsen sind.
       Das ist alles bodenständig. Das kann man nicht mit einer Lizenzabteilung
       aus der ersten Bundesliga vergleichen.
       
       Wovon profitieren Sie noch? 
       
       Das Jugendleistungszentrum hilft uns. Die Jugendmannschaften dort werden
       von qualifizierten Trainern betreut und spielen sehr hoch. Die Mädels
       können da auch bei den Jungs mittrainieren. Die B-Juniorinnen messen sich
       etwa mit der männlichen U15.
       
       2013 hat der SV Meppen freiwillig auf einen Aufstieg verzichtet. Warum? 
       
       Das Team war überaltert, unsere Talente noch zu jung. Ich wollte mir nicht
       15 Spielerinnen holen, die nach einem Jahr, wenn man absteigt, wieder weg
       sind. Die Jahre darauf haben wir genutzt, uns besser vorzubereiten. Diese
       Saison waren von unseren 25 Spielerinnen 16 Eigengewächse. Natürlich
       brauchen wir jetzt noch ein paar Verstärkungen.
       
       Das hört sich durchdacht an. Wo sehen Sie das Team in drei, vier Jahren? 
       
       Unser Ziel ist es, uns da oben zu etablieren. Wir sind aber nicht
       realitätsfremd. Wir sehen, dass da RB Leipzig von unten hochkommt. Hannover
       96 und der Hamburger SV verstärken ihre Anstrengungen. Aber so ganz einfach
       werden wir uns nicht geschlagen geben. [3][Die Marke Frauenfußball scheint
       gerade sehr interessant zu sein. I]ch kenne kaum noch Spielerinnen, die mit
       mir sprechen, ohne dass ein Berater dabeisitzt.
       
       29 May 2020
       
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