# taz.de -- US-Militär gegen Corona: Weltkrieg-Ästhetik gegen das Virus
       
       > Das US-Militär ruft zum Social Distancing auf, mit Fotos im Stil alter
       > Mobilisierungs-Propaganda – und entgegen der Linie von Präsident Trump.
       
 (IMG) Bild: Auf ihn könnten die Plakate wirken: Trump imitiert das Händewaschen bei einer Pressekonferenz
       
       Das Virus macht uns alle gleich, heißt es ja oft. Absurde Behauptung, nicht
       nur weil sie die Unterschiede zwischen Klassen, Ethnien, Geschlechtern und
       Altersgruppen in der Bevölkerung ignoriert, sondern auch verkennt, wie
       verschieden [1][auf Covid-19] reagiert wird.
       
       Dass sich vermeintlich gleich oder ähnlich Denkende recht unterschiedlich
       positionieren, ist eine dieser Verwerfungen, die das Virus wie durch ein
       Vergrößerungsglas sichtbar werden lässt. Etwa im Fall der
       [2][verschwörungstheoretisierenden US-Regierung] und einiger Einheiten
       des sonst ja weitgehend regierungstreuen US-Militärs.
       
       Während Trumps Führung die Lage im Land ungeachtet der inzwischen über
       70.000 Toten kleinredet und ein schnelles Ende des Lockdowns fordert,
       werben einzelne Militäreinheiten in den sozialen Medien mit effektvollen
       Bildern für besseren Schutz – in einer Ästhetik, die an die
       US-amerikanische Propaganda während des Zweiten Weltkriegs angelehnt ist.
       
       So postet der Marinestützpunkt Pensacola im Bundesstaat Florida („Naval Air
       Station Pensacola“) auf Twitter und Instagram seit ein paar Tagen
       regelmäßig Plakate, auf denen stilisierte Soldat:innen unter [3][dem
       Hashtag #sinkcovid19] fordern, Masken zu tragen, Hände zu waschen und zu
       Hause zu bleiben.
       
       ## Utopischer Burgfrieden
       
       Dass sie sich zugleich einer patriotischen Sprache bedienen, ist ironisch.
       Hat doch die Krise bisher vor allem gezeigt, dass zu Beginn der
       Ausgangssperren der fast utopische Burgfrieden, der auch hierzulande
       zumindest für ein paar Wochen zwischen reaktionären wie progressiven
       Kräften herrschte, nur auf einen vorübergehenden Schock zurückzuführen ist.
       
       Mit derartigen Strategien an Zeiten des Zweiten Weltkriegs, also einen so
       krassen wie verbindenden Ausnahmezustand zu erinnern, mag die effektive
       Bildpolitik rechtfertigen, offenbart aber zugleich die Misère.
       
       So hat die gesamte Menschheit gerade den gleichen Feind (das Virus und
       seine multi-dimensionalen Kollateralschäden), doch ist seine vermeintliche
       Bekämpfung überall radikal unterschiedlich.
       
       7 May 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746
 (DIR) [2] /US-Praesident-Trump-in-der-Coronakrise/!5680835
 (DIR) [3] https://twitter.com/hashtag/sinkcovid19?src=hash
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Philipp Rhensius
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Werbepause
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Propaganda
 (DIR) US-Army
 (DIR) Quarantäne
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Corona-Streit zwischen USA und China: Kalter Krieg viral
       
       Vor allem die US-Regierung deutet an, das Coronavirus könne aus einem Labor
       in Wuhan stammen. Plausibler ist jedoch ein anderer Ursprung.
       
 (DIR) Langzeitfolgen sozialer Isolierung: „Angst, Verzweiflung, Aggressionen“
       
       Die psychosozialen Folgen der Corona-Kontaktsperre sind nicht abzusehen.
       Viele der Betroffenen haben das Gefühl, die Türen seien überall für sie zu.
       
 (DIR) Werbevideo einer Bäckerei: Spachteln wie im Baumarkt
       
       Die Chefin einer österreichischen Bäckereikette erinnert uns an das
       Wesentliche im Leben: Topfengolatschen. Und wir nageln sie uns rein.