# taz.de -- Wirbel um Manuel Neuers Vertrag: Ein maßloser Profi?
       
       > Manuel Neuer will beim FC Bayern bleiben, auch wenn mit Alexander Nübel
       > ein Nachfolger bereitsteht. Nun kämpft der Nationaltorwart auch um sein
       > Image.
       
 (IMG) Bild: „Vor allem möchte ich Vertrauen spüren“: Manuel Neuer beim Training am 6. April in München
       
       Als Manuel Neuer am 6. Januar im Trainingslager der Münchner Bayern in
       Katar erstmals nach der bestätigten Verpflichtung von Schalkes
       Torwarttalent Alexander Nübel zur kommenden Saison über den künftigen
       Kollegen und seine Zukunft sprach, war er sehr selbstbewusst, kurz nach dem
       ersten Gespräch mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic über seine angestrebte
       Vertragsverlängerung beim FC Bayern über 2021 hinaus.
       
       „Ich bin kein Statist, sondern Protagonist“, sagte Neuer damals. Zur
       weiteren Zusammenarbeit sagte er: „Die Voraussetzungen dafür bestimme
       natürlich ich, die Gedanken habe ich im Kopf. Die werde ich auch nicht
       preisgeben. Aber einiges kann man sich auch denken.“ Indiskretionen, das
       musste man sich gar nicht dazudenken, gefielen Neuer schon damals nicht.
       Das galt allen voran für jene, dass aus der ersten Unterredung mit
       Salihamidzic Inhalte nach außen gedrungen waren. Wie vor allem [1][Neuers
       klare Haltung], nicht freiwillig auf Spiele zugunsten von Nübel, 23,
       verzichten zu wollen. „Über Gespräche, die hinter verschlossenen Türen
       stattgefunden haben, sollte man nichts sagen. Von mir kommt nichts raus“,
       sagte Neuer damals.
       
       Seine Irritationen nahmen zu, als erneut Gesprächsinhalte in Umlauf geraten
       waren. Vor allem, so sehen es Neuer und sein Berater Thomas Kroth, ist
       dabei ein Bild des Nationaltorwarts als maßloser Profi entstanden, das sie
       mit einem unüblichen Vorstoß im ohnehin seltsam öffentlichen Poker
       korrigieren möchten. Sie gehen vorsichtiger vor, besonders was die
       Vertragsdauer betrifft, denn sie wissen, dass ihre Konditionen anderswo
       kaum überboten werden dürften, zumal in der Coronakrise. Vorstandschef
       Karl-Heinz Rummenigge sagte bereits, dass man keinen Corona-Discount
       eingepreist habe.
       
       „Einfach falsch“ sei das entstandene Bild seines Klienten, sagte Kroth nun,
       denn „schlichtweg falsch“ seien die überlieferten Zahlen. Der FC Bayern
       habe Neuer einen Kontrakt bis 2023 geboten und [2][die Spielerseite] einen
       Vertrag bis 2025 und gut 20 Millionen Euro Jahresgehalt gefordert, hieß es
       zuletzt. Neuer sagte dazu: „Mir ist doch völlig klar, dass es utopisch ist,
       den Verein auf einen Fünfjahresvertrag, wie er angeblich im Raum steht,
       festzunageln. Mit 34 Jahren kann ich ja nicht absehen, wie es mir mit 39
       Jahren geht. Darum macht diese Endgültigkeit, die öffentlich suggeriert
       wurde, ja überhaupt keinen Sinn.“ Vielmehr schwebe ihm ein Vertrag vor,
       „bei dem der FC Bayern und ich eine Win-win-Situation haben“ und „alle
       glücklich sind“.
       
       ## Neuer wünscht sich mehr Verschwiegenheit
       
       Offenbar, so lässt sich das deuten, wünscht sich Neuer ein Papier bis 2024,
       bestenfalls plus Option. Was Neuer demnach nicht möchte: einen Vertrag bis
       2023 und mit dann 37 Jahren noch zu fit und leistungsstark fürs
       Karriereende auf Topniveau zu sein – samt der Unsicherheit, ob die Bayern
       dann bereits voll auf Nübel setzen möchten. „Ich möchte so lange spielen,
       wie ich fit bin. Aber vor allem möchte ich Vertrauen spüren, das ist mir
       das Wichtigste“, sagte Neuer.
       
       Das vermisst Neuer gerade ebenso wie Verschwiegenheit. Ihn irritiere, dass
       alle Gespräche seit seinem Wechsel 2011 vom FC Schalke nach München stets
       sehr vertrauensvoll geführt worden seien, „jetzt aber stehen ständig
       Details aus den aktuellen Gesprächen in den Medien, die oft nicht einmal
       stimmen“. Und klar sei, sagte Neuer: „Das ärgert mich. Das kenne ich so
       nicht beim FC Bayern.“ Offenbar würden jetzt Sachen „gezielt nach außen
       getragen“.
       
       Zumindest für die erste Weitergabe kommen nicht viele infrage, da Kroth
       Ende März mit Salihamidzic und Vorstandsmitglied Oliver Kahn
       zusammengetroffen war. Dennoch muss das Leck nach außen nicht bei ihnen
       liegen, beide stimmen sich beispielsweise mit Rummenigge ab. „Keine Ahnung,
       über welche Kanäle das dann nach draußen dringt“, sagte Kroth, „es geht uns
       ja auch gar nicht darum, jetzt jemanden an die Wand zu stellen, sondern ums
       Grundsätzliche.“
       
       Kurios mutet der öffentlich ausgetragene Disput auch deshalb an, weil sich
       beide Seiten grundsätzlich einig sind, miteinander verlängern zu wollen.
       Und auch, weil Kroth sagte, man sei „flexibel“ bei Laufzeit und Gehalt. Er
       und Neuer sehen nun den FC Bayern am Zug.
       
       19 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.br.de/nachrichten/sport/vertrauen-stark-erschuettert-fc-bayern-ohne-manuel-neuer,Rw8SiAE
 (DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/sport/manuel-neuer-beim-fc-bayern-ende-der-diplomatie-1.4865164
       
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