# taz.de -- Staus durch Grenzkontrollen in Polen: Tiertransporte wegen Corona länger
       
       > An Grenzen stauen sich Viehtransporter teils über 8 Stunden. Sachsen
       > fordert einen neuen Grenzübergang, Tierschützer wollen die Fahrten
       > verbieten.
       
 (IMG) Bild: Irgendw dazwischen stehen auch Tiertransporter? Stau an der Grenze zu Polen am 18. März
       
       Berlin taz | Wegen der Staus an den Grenzen infolge der
       [1][Corona-Pandemie] fordert der Deutsche Tierschutzbund ein Ende der
       Langstreckentransporte von lebenden Tieren. Sachsens Sozialministerium
       plädiert dafür, einen bisher geschlossenen Grenzübergang nur für
       Tiertransporte zu öffnen.
       
       In dem „Megastau“ auf der Autobahn A4 an der deutsch-polnischen Grenze und
       an der Grenze von Polen zu Litauen oder in Kroatien würden Tiertransporter
       aufgrund der verschärften Grenzkontrollen derzeit stunden- oder tagelang
       festhängen, klagte der Tierschutzbund. „Für die Tiere ist die Situation mit
       enormem Stress verbunden. Ihnen fehlt es an Wasser und Futter, Kühe können
       nicht gemolken werden und sie stehen in ihren Exkrementen, da die Einstreu
       nicht erneuert und die Tiere nicht abgeladen werden können“, so
       Deutschlands größte Tierschutzorganisation.
       
       Am Grenzübergang der A4 hätten Fahrzeuge 33 Kilometer und mehr als 8
       Stunden im Stau gestanden, schrieb Sachsens Sozialministerium am Dienstag
       dem Bundesagrarministerium in einer E-Mail, die der taz vorliegt. Ähnliche
       Meldungen habe man zum Autobahnübergang beim brandenburgischen Forst
       erhalten.
       
       Besonders prekär sei die Lage für den Transport von Eintagsküken. In einem
       sächsischen Unternehmen würden jede Woche 1 Million ausgebrütet und müssten
       dann nach Polen geliefert werden. „Ohne Abfertigung müssen diese Tiere
       getötet werden, da andere Abnehmer in Deutschland nicht zeitnah gefunden
       werden können“, warnte das Ministerium in Dresden. Die Verzögerungen
       führten dazu, dass die Transporte länger dauern als erlaubt. Sachsen
       schlägt deshalb vor, einen bisher geschlossenen Grenzübergang bei
       Krauschwitz/Podrosche vorübergehend und ausschließlich für Tiertransporte
       zu öffnen.
       
       ## Extra-Spuren für Tiertransporte
       
       „Schon unter normalen Umständen sind Lebendtiertransporte quer durch Europa
       und die Welt eine Tortur für die Tiere“, sagte dagegen Thomas Schröder,
       Präsident des Tierschutzbundes. Er hat gemeinsam mit anderen europäischen
       Tierschutzorganisationen in einem Brief die EU-Kommission aufgefordert,
       Tiertransporte aufgrund der aktuellen Situation auszusetzen.
       Tierschutz-Gründe, aber auch die Gefahr einer Corona-Ausbreitung durch die
       Fahrer, sprächen gegen eine Fortführung der Transporte.
       
       Die Organisation Provieh verlangte separate Fahrspuren für Tiertransporte
       an den Grenzübergängen, um die Fahrzeiten zu verkürzen. So lange diese
       Spuren noch nicht eingerichtet sind, sollten keine innereuropäischen
       Transport stattfinden.
       
       19 Mar 2020
       
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