# taz.de -- Französischer Filmpreis César: Polanski und die Wütenden
       
       > „Les Misérables“ wurde am Freitag als bester Film mit dem César
       > ausgezeichnet. Dass Roman Polanski auch einen Preis erhielt, rief
       > scharfen Protest hervor.
       
 (IMG) Bild: Insbesondere Adele Haenel kritisierte die Preisvergabe an Polanski scharf
       
       Paris dpa | Das Sozialdrama „Die Wütenden“ hat den französischen Filmpreis
       César als bester Film gewonnen. Die Produktion von Regisseur Ladj Ly
       beschreibt den [1][Alltag aus Gewalt und Rassismus in einem Pariser
       Vorort]. Der Preis für die beste Regie ging [2][an „Intrige“ von Roman
       Polanski]. Bei der Verleihung des renommierten Filmpreises am Freitagabend
       in Paris war der französisch-polnische Regisseur nicht dabei. Wegen der
       anhaltenden Kritik rund um die César-Nominierungen – das
       Polanski-Historiendrama war in zwölf Kategorien im Rennen – hatte der
       86-Jährige seine Teilnahme an der Zeremonie abgesagt.
       
       Aus Protest gegen den Regiepreis verließen einige Zuschauer*innen den Saal,
       darunter die Schauspielerin Adèle Haenel. Eine Auszeichnung an Polanski
       wäre so, als würde man allen Missbrauchsopfern ins Gesicht spucken, hatte
       [3][Haenel der New York Times] vor wenigen Tagen gesagt. Vor dem Erscheinen
       des Films hatte die Fotografin und Schauspielerin [4][Valentine Monnier
       Polanski in einem Medienbericht beschuldigt], sie 1975 vergewaltigt zu
       haben.
       
       Die 31-jährige Haenel wirft Frankreich vor, die „MeToo-Debatte“ verschlafen
       zu haben. Sie selbst hatte Anklage gegen den Regisseur Christophe Ruggia
       erhoben. Sie beschuldigt ihn, sie als Minderjährige beim Dreh zu ihrem
       ersten Film „Les Diables“ (Kleine Teufel) wiederholt sexuell belästigt zu
       haben.
       
       Vor Beginn der Zeremonie demonstrierten mehrere Hundert Menschen, vor allem
       Frauen, gegen die Nominierung des Polanski-Films (im Original J'accuse)
       über den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 zu Unrecht wegen
       Landesverrats verurteilt worden war. Schon im November war es bei einer
       Premiere in Paris zu Protesten gekommen. Mehrere Frauen blockierten den
       Zugang zu einem Kino.
       
       ## „Parasite“ als bester Auslandsfilm ausgezeichnet
       
       Die oscarprämierte Gesellschaftssatire [5][„Parasite“ des südkoranischen
       Regisseurs Bong Joon Ho] gewann den César als bester Auslandsfilm. Bei der
       Verleihung war der Regisseur nicht anwesend. Der Film erzählt die
       Geschichte einer Familie aus der koreanischen Unterschicht, die sich als
       Hausangestellte in einer reicheren Familie einschleicht.
       
       Der Film wurde schon Anfang Februar mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter
       den für den besten Film, den besten ausländischen Film und die beste Regie.
       In Cannes gewann die Satire 2019 die Goldene Palme.
       
       Der Streit um Polanski hatte [6][die Akademie für den Filmpreis in eine
       Krise gestürzt] – ihre Direktion trat vor rund zwei Wochen kollektiv
       zurück. Der César ist Frankreichs nationaler Filmpreis, benannt nach dem
       Bildhauer César Baldaccini. Der „französische Oscar“ wird seit 1976
       verliehen.
       
       29 Feb 2020
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] /Anschuldigungen-gegen-Roman-Polanski/!5639862
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