# taz.de -- Streamingdienst Disney+ in Deutschland: Baby Yoda attackiert Netflix
       
       > Disneys eigenes Streamingportal startet im März. Mit Kampfpreisen will es
       > Netflix Konkurrenz machen und den Streamingmarkt verändern.
       
 (IMG) Bild: Netflix neue Konkurrenz bald haben wird: Baby Yoda aus Disneys hauseigener Serie „The Mandalorian“
       
       Berlin taz | Eine Woche früher, und das zu einem Kampfpreis von 7 Euro im
       Monat. Disneys eigener Streamingdienst Disney+ startet am 24. März in
       Deutschland – und fordert den Streaming-Platzhirsch Netflix heraus. Dessen
       Premiummitgliedschaft kostet das Doppelte.
       
       Günstiger wird es, wenn man ein Jahresabo zum Preis von 69,99 Euro kauft.
       Die Ersparnis von 13,89 Euro entspricht dann etwa zwei Monatsgebühren, die
       wegfallen. Gleich mit dabei sind Auflösungen von bis zu 4K, sieben
       unterschiedliche Profile auf einem Account und das Herunterladen von
       Inhalten auf bis zu zehn Endgeräten. Disney+ wird am 24. März 2020 auch in
       Frankreich, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern starten.
       Weitere Länder sollen im Sommer folgen.
       
       Disney befindet sich mit seinem Streaming-Dienst in einer bequemen
       Ausgangslage und kann sich die Preisschlacht leisten. Nachdem Netflix den
       Weg geebnet und den Streaming-Markt erschlossen hat, will das Unternehmen
       auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Das Risiko ist relativ gering, Disney
       leistet sich seinen Streaming-Dienst einfach nebenbei bei einem Umsatz von
       rund 70 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019.
       
       Ganz anders als Netflix, deren Hauptgeschäftsmodell das Streaming-Business
       ist. Als kleiner Nebenableger bleibt Netflix seiner Ausgangsidee von 1998
       treu, nämlich [1][dem Versand von DVDs]. Bis Ende August 2019
       [2][verschickte das Unternehmen fünf Milliarden DVDs]. Pro Jahr nimmt es in
       den USA so noch 230 Millionen US-Dollar ein.
       
       ## Netflix verliert Kund*innen in den USA
       
       In den USA ist Disney+ bereits im November vergangenen Jahres erschienen
       und hatte binnen weniger Tage zehn Millionen Abonnent*innen, ein paar Tage
       später [3][schon 24 Millionen]. Im Vergleich zu Netflix ist das noch nicht
       so viel. Aktuell haben rund 167 Millionen Menschen weltweit ein Abo bei
       Netflix. In den USA und Kanada sind es ungefähr 67 Millionen. Deutschland
       ist nicht explizit angegeben, Schätzungen gehen aber von [4][bis zu sechs
       Millionen Abonnent*innen hierzulande] aus, Tendenz steigend.
       
       Während die Zahl der Kund*innen außerhalb der USA im vierten Quartal 2019
       [5][um mehr als acht Millionen gewachsen ist], stagniert sie in den
       Vereinigten Staaten – und ist teilweise sogar rückläufig. In den USA verlor
       der Streaming-Anbieter im vergangenen Jahr rund 100.000 Abonnent*innen.
       
       [6][In seinem Länderbericht] zu Abonnent*innenzahlen kaschiert Netflix
       diesen Rückgang, indem es die zahlenden Mitglieder aus den USA und Kanada
       einfach zusammenfasst. Daheim ist der Markt gesättigt, Expansion ist
       notwendig. Auf Werbung will das Unternehmen nach Aussagen von Netflix-Chef
       Reed Hastings aber [7][auch in Zukunft verzichten].
       
       ## Wöchentlicher Turnus statt Binge-Watching
       
       Ein weiteres Problem für Netflix: Disney+ und künftige Streaming-Anbieter
       ziehen ihre eigenen lizenzierten Inhalte von der Plattform ab, um sie auf
       ihren eigenen Diensten anzubieten. Disney kündigte kürzlich an, dass einmal
       veröffentlichte Filme für immer auf dem Streaming-Portal bleiben würden.
       Anfang dieses Jahres [8][verschwanden Inhalte dann aber auf einmal], wohl
       wegen noch laufender Verträge mit anderen Unternehmen. Aktuell [9][fehlen
       laut Schätzungen] noch mehr als 300 Disney-eigene Produktionen auf der
       hauseigenen Plattform.
       
       Anders als Netflix, das Serien zumeist am Stück veröffentlicht und so
       [10][das berühmt-berüchtigte Binge-Watching] etablierte, erscheinen die
       Folgen auf Disney+ [11][im wöchentlichen Turnus]. Das liegt einerseits am
       kleineren Angebot, das das US-amerikanische Unternehmen so breiter
       auswalzen kann und Abonnent*innen dazu zwingt, länger zu zahlen, sofern sie
       auch das Ende einer Serie sehen wollen.
       
       Ein kleineres Angebot, das dafür umso hochwertiger ist. Denn Disney verfügt
       über hunderte Klassiker, angefangen von Zeichentrickfilmen wie „Pinoccio“
       oder „Bambi“ bis hin zu Pixar-Animationsfilmen, die vor allem für viele
       Familien ein triftiges Kaufargument sein werden. Hinzu kommen Franchises
       wie „Star Wars“. Die dazugehörende Serie „The Mandalorian“ bekam [12][auf
       der Plattform Rotten Tomatoes hervorragende Wertungen]. Baby Yoda ist
       bereits jetzt ein [13][Popkultur-Phänomen].
       
       ## Streamingpionier Netflix
       
       Aufgrund des hochwertigeren Angebots von Disney+ will auch Netflix künftig
       seinen Kurs ändern und [14][weg von seinem meist mittelmäßigen Überangebot]
       hin zu ausgewählten Exklusivproduktionen gehen und ein differenzierteres
       Profil bekommen. Im Quartalsbericht sagte Hastings, er verlasse sich auf
       „die Unterschiede im Angebot“. Alfonso Cuaróns oscarprämierter Film „Roma“,
       [15][Martin Scorseses „The Irishman“] oder die Miniserie „Maniac“ sind
       dabei hochwertige Beispiele.
       
       Nachdem Netflix als Pionier [16][die 2010er Jahre als Streaming-Jahrzehnt
       geprägt hat], ziehen neben Disney weitere Unternehmen nach. Apple hat
       seinen Dienst Apple+ ebenfalls im November vergangenen Jahres gestartet.
       Amazon bietet bereits hunderte Filme und Serien im Stream an. Dazu starten
       bald die Angebote von Warner Media und NBC Universal. Expert*innen sprechen
       bereits davon, dass sich der Streaming-Markt [17][2020 deutlich verändern
       wird].
       
       22 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dvd.netflix.com/
 (DIR) [2] https://twitter.com/dvdnetflix/status/1166048554252554241?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1166048554252554241&ref_url=https%3A%2F%2Ft3n.de%2Fnews%2Fschon-5-milliarden-netflix-immer-1192287%2F
 (DIR) [3] https://variety.com/2019/digital/news/disney-plus-24-million-us-subscribers-netflix-q4-churn-1203447210/
 (DIR) [4] /Netflix-gibt-Abozahlen-heraus/!5646386
 (DIR) [5] https://www.wsj.com/articles/netflix-misses-its-subscriber-forecast-11579641293
 (DIR) [6] https://www.wsj.com/articles/netflix-says-90-of-subscriber-growth-comes-from-overseas-11576532846
 (DIR) [7] https://www.nytimes.com/aponline/2020/01/21/business/bc-us-netflix-results.html
 (DIR) [8] https://screencrush.com/movies-that-left-disney-plus/
 (DIR) [9] https://whatsondisneyplus.com/over-300-disney-owned-films-and-shows-missing-from-disney-plus/
 (DIR) [10] /Was-uns-alles-fertigmacht/!5287532
 (DIR) [11] https://www.theverge.com/2019/8/29/20831410/disney-plus-apple-hulu-netflix-binge-episodes-full-season-drop-vs-weekly-release-streaming-model
 (DIR) [12] https://www.rottentomatoes.com/tv/the_mandalorian
 (DIR) [13] https://www.theverge.com/2020/1/17/21069124/baby-yoda-dolls-etsy-disney-mandalorian-copyright-takedown-enforcement
 (DIR) [14] https://www.hollywoodreporter.com/features/netflix-at-a-crossroads-hollywoods-dominant-disrupter-adjusts-growing-pains-1229618
 (DIR) [15] /Neuer-Scorsese-Film-The-Irishman/!5638284
 (DIR) [16] https://www.vanityfair.com/hollywood/2019/12/how-netflix-changed-tv
 (DIR) [17] https://www.golem.de/news/amazon-netflix-und-sky-disney-bringt-2020-den-grossen-umbruch-beim-videostreaming-2001-145980.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Denis Giessler
       
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