# taz.de -- CSU-Klausur in Kloster Seeon: Der neue Söder ist der alte
       
       > Neue Studienplätze, ein neuer Regierungsbezirk, neue Minister: Bei der
       > Klausur der Landtagsfraktion dreht Bayerns Ministerpräsident voll auf.
       
 (IMG) Bild: Markus Söder hat alles im Griff
       
       KLOSTER SEEON taz | Jetzt steht er schon wieder hier. Erst vor einer Woche
       hatte Markus Söder im Kloster Seeon [1][bei der Klausurtagung der
       CSU-Landesgruppe] auf dieser Bühne im Fürstenzimmer seinen Appell zur
       Erneuerung des Bundeskabinetts bekräftigt. Damals waren es CDU-Chefin
       Annegret Kramp-Karrenbauer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, die an
       seiner Seite standen, jetzt ist es Thomas Kreuzer, der Vorsitzende der
       CSU-Fraktion im bayerischen Landtag. Eigentlich, der Form nach, ist Seeon
       II Kreuzers Veranstaltung: die Klausurtagung der Fraktion. Eigentlich.
       
       Kreuzer begrüßt an diesem Mittwochmittag zur Pressekonferenz, erzählt von
       der Grundsatzrede, die der Ministerpräsident gerade vor der Fraktion
       gehalten habe und die der Höhepunkt der Klausurtagung gewesen sei, von
       neuen Akzenten, die man nun setzen wolle. Kreuzer hält sich kurz, dennoch
       wird der Mann neben ihm schon unruhig. Söder sprudelt, kaum dass Kreuzer
       geendet hat, auch gleich los. Er spricht vom Ansehen der Regierung, seiner
       Regierung, das sehr hoch sei, und vom „großartigen Land“ Bayern.
       
       Der Mann sprüht vor Elan, strahlt, lacht, schießt Frotzeleien in Richtung
       einiger Journalisten ab, die er, weil’s gerade so schön ist, ein ums andere
       Mal wiederholt. War der CSU-Chef schon bei der Tagung in der letzten Woche
       guter Laune, präsentiert er sich nun in Bestform.
       
       ## Söders Demut ist wieder verschwunden
       
       Nachdem er sich im vergangenen Jahr noch vergleichsweise dezent, lernfähig
       und staatsmännisch gab, immer gern die Vokabel „Demut“ im Mund führte,
       scheint Söder nun wieder aufzudrehen, ganz der Alte zu sein. Auch mit der
       Rolle des CSU-Chefs fremdelt er längst nicht mehr.
       
       Doch jetzt gilt es erst mal ein neues Feuerwerk an Maßnahmen abzuschießen.
       „Taktgeber für die Landespolitik“ hat Söder die Fraktion tags zuvor noch
       genannt. In Wirklichkeit, das braucht er gar nicht auszusprechen, ist aber
       jedem klar: Der eigentliche Taktgeber ist er selbst.
       
       „Zwei oder drei zusätzliche Themen“ habe er mitgebracht, kündigte er bei
       seiner Ankunft vor dem Kloster an – und schon war das eigentliche Programm
       der Klausur in Hintergrund getreten. Seeon ist Söder-Show. Wie auch in der
       Regierung nichts am Ministerpräsidenten vorbei läuft. Anders als sein
       Vorgänger hält Söder wenig davon, Aufgaben zu delegieren.
       
       „Landesstrategie Bayern 2030“ heißt das Konzept, das Söder im Kloster
       zunächst den Fraktionskollegen und dann der Öffentlichkeit detailreich
       vorstellt. Rund 3.000 Behördenarbeitsplätze will der Ministerpräsident in
       den nächsten zehn Jahren aus München in meist strukturschwache ländliche
       Regionen verlagern, sei es zum Polizeibeschaffungsamt nach Hof oder zum
       Grundsteuerfinanzamt nach Zwiesel.
       
       Außerdem sollen bis 2023 rund 13.200 neue Studienplätze geschaffen werden –
       vor allem in Fächern wie Informatik, künstliche Intelligenz und Luft- und
       Raumfahrt; das sind noch mal 3.000 mehr, als Söder bei einer
       Regierungserklärung im Oktober angekündigt hatte.
       
       Besonders überrascht Söder mit seiner Ankündigung, München bis 2025 von
       Oberbayern zu lösen und zu einem eigenen Regierungsbezirk zu machen.
       Überhaupt sei es ihm wichtig, München weiter als Metropole zu stärken.
       München sei das „zentrale Herz“ des Freistaats, ohne das Bayern niemals
       diesen wirtschaftlichen Erfolg hätte. Nicht einmal der neue Münchner
       Konzertsaal, aktuell eines der größten Bauprojekte der Stadt, ist vor Söder
       sicher: Er will prüfen lassen, ob das beschlossene Konzept nicht auch in
       Holzbauweise umzusetzen sei.
       
       Söder gibt auch gleich mal vor, wie man seine Maßnahmen einzuordnen habe:
       „Ein schon historischer Schritt, wenn ich das mal sagen darf.“ Bayern werde
       „role model“ für moderne Technologie in Deutschland sein. Er gebe „Impulse
       an allen Orten und Enden“, sagt er und ergänzt am Ende noch mit gespieltem
       Understatement: „Ich hatte den Eindruck, die Fraktion fand’s auch ganz
       okay.“
       
       ## Schlechte Umfragewerte
       
       Ganz okay finden offenbar auch viele Bayern die Arbeit der Söder-Regierung,
       wählen würden sie sie aber nicht unbedingt. Das ist dann nur wenige Stunden
       nach Söders großem Auftritt die Botschaft des neuen „Bayerntrends“ des
       Bayerischen Rundfunks. Laut der wichtigsten bayerischen Umfrage sind 61
       Prozent der Wahlberechtigten zufrieden mit der Arbeit der Koalition aus CSU
       und Freien Wählern.
       
       Trotzdem würden nur 36 Prozent die CSU wählen, bei der Landtagswahl waren
       es noch 37,2. Und die Freien Wähler kämen auf 10 statt 11,6 Prozent. Söder
       selbst kann seine persönlichen Werte dagegen ausbauen und bekommt jetzt von
       67 Prozent der Befragten ein positives Zeugnis ausgestellt. Große Gewinner
       wären demnach die Grünen, die satte 25 Prozent der Stimmen einfahren
       könnten.
       
       Weniger gut wird dagegen die Arbeit der CSU im Bund beurteilt. Am besten
       kommt noch Söders Vorgänger, Innenminister Horst Seehofer, mit 39 Prozent
       weg, Verkehrsminister Andreas Scheuers Arbeit findet nur noch bei 16
       Prozent der Befragten Anerkennung. Angesichts von Söders Forderung nach
       einer Kabinettsumbildung wird daher in Seeon auch über die Zukunft der
       Bundesminister kräftig spekuliert.
       
       Doch zunächst ist es eine bayerische Personalie, die die Fraktion
       beschäftigt: Hans Reichhart, der schwäbische Shootingstar in Söders
       Kabinett, streicht die Segel, will sich künftig, das entsprechende
       Wahlergebnis vorausgesetzt, auf einen Landratsposten zurückziehen. Seine
       Nachfolge, verkündet Söder am Donnerstagmorgen, soll nun Sozialministerin
       Kerstin Schreyer antreten, die wiederum von ihrer bisherigen
       Stellvertreterin Carolina Trautner beerbt wird.
       
       Für den Bund, betont Söder, stünden jedoch keine unmittelbaren
       Entscheidungen an. Im Sommer werde er gemeinsam mit Kramp-Karrenbauer
       [2][Vorschläge zur Verjüngung und Erneuerung des Kabinetts] machen. Und
       dann noch schnell ein Foto der neuen Kabinettsmitglieder. In der Mitte:
       Markus Söder.
       
       16 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Klausurtagung-der-CSU-in-Seeon/!5654554
 (DIR) [2] http://xn--Vorschlge%20zur%20Verjngung%20und%20Erneuerung%20des%20Kabinetts-wle12k
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
       ## TAGS
       
 (DIR) CSU
 (DIR) Markus Söder
 (DIR) Bayern
 (DIR) Kloster Seeon
 (DIR) Horst Seehofer
 (DIR) CSU
 (DIR) Bayern
 (DIR) Markus Söder
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Klausurtagung der CSU in Seeon: Söders Kabinettstück
       
       Im Kloster Seeon geben sich der CSU-Chef und die CDU-Vorsitzende als das
       Dreamteam der Union. Aber was hat Markus Söder wirklich vor?
       
 (DIR) Klausurtagung der CSU: Weckruf und Würstel
       
       In Kloster Seeon trifft sich die CSU-Landesgruppe zur Klausur – und gibt
       sich überraschend milde. Draußen demonstrieren indes Bauern.
       
 (DIR) Söder will Wechsel im Bundeskabinett: Der Intrigantenstadl ist zurück
       
       Markus Söder fordert ein jüngeres Bundeskabinett. An sich eine sinnvolle
       Forderung – wenn sie mal nicht so durchschaubar wäre.