# taz.de -- Präsidentschaftswahl in den USA: No, they can’t
       
       > In den USA wird im November ein neuer Präsident gewählt. Und die
       > Demokraten vergeigen es jetzt schon – wie gut für Donald Trump.
       
 (IMG) Bild: Bewerben sich fürs US-Präsidentenamt: Elizabeth Warren (l.) und Bernie Sanders (r.) in einer TV-Show
       
       Dass es Menschen gibt, die sich aus Angst vor dem Tod das Leben nehmen, ist
       seit Längerem bekannt. Dass auch Massenorganisationen dieses Verhalten an
       den Tag legen, ist hingegen eine neuere Erscheinung. Gut zu beobachten bei
       – ja, der SPD, stimmt.
       
       Aber hier soll es jetzt einmal nicht um sie gehen, sondern um die
       Demokraten in den USA. Die haben einen weiten Weg zurückgelegt, seit der
       Außenseiter Barack Obama das Weiße Haus erobert hatte. Aus seinem
       berühmten Slogan „Yes, we can – ja, wir können“ wurde ein kleinlautes „No,
       we can’t – nein, wir können nicht“.
       
       Noch immer viele Leute bewerben sich um die Nominierung der Partei für den
       Präsidentschaftswahlkampf. Die Republikaner müssen sich gar nicht die Mühe
       machen, die Kandidatinnen und Kandidaten schlechtzureden. [1][Das besorgen
       die Demokraten selber.]
       
       Zu Frau, zu links, zu Mitte, zu alt, zu schwul, zu unerfahren: Geredet wird
       weniger darüber, warum diese oder jener begeistern kann, als vor allem
       darüber, warum dieser oder jene es nicht kann. Wenn schon die Demokraten
       selber nicht an ihre Leute glauben – wie wollen sie dann die übrige
       Bevölkerung mitreißen?
       
       Der Schock über den unerwarteten Wahlsieg von Donald Trump 2016 sitzt nach
       wie vor tief. Und die Konsequenz, die daraus gezogen wird, scheint nicht zu
       sein, aus Fehlern der Vergangenheit lernen zu wollen. Sondern hinter
       vorgehaltener Hand betrübt zu flüstern: „Was soll’s, er gewinnt ja doch.“
       Als sei Trump ein Tsunami, gegen den nichts ausgerichtet werden könne.
       Dabei hat er seit seinem Amtsantritt eine zwar stabile und unbeirrbare
       Minderheit hinter sich. Aber eben eine Minderheit.
       
       Es ist wahr: Das Wahlsystem in den USA begünstigt ihn. Es ist übrigens
       nicht so absurd und undemokratisch, wie es hierzulande in den letzten
       Jahren immer wieder dargestellt wurde, sondern verfolgt ein sinnvolles
       Ziel.
       
       Dünn besiedelte Bundesstaaten, die sich ohnehin oft zu Recht vernachlässigt
       fühlen, sollen wenigstens so viel Gewicht bei Wahlen bekommen, dass sie
       nicht jederzeit und sowieso von Staaten wie New York oder Kalifornien, wo
       Millionenstädte liegen, untergebuttert werden können. Dem inneren Frieden
       in den USA dient das, Trump hin oder her.
       
       Und es ging bei den letzten Wahlen ja gar nicht um leere Landstriche in
       Wyoming oder North Dakota. Sondern um bevölkerungsreiche Staaten wie
       Michigan, Pennsylvania und Florida, die von Demokraten durchaus gewonnen
       werden können. Wie die Vergangenheit zeigt. Irgend eine Idee für die
       Zukunft? Hm. Vielleicht nach dem Kampf um die Nominierung.
       
       War noch was? Ach ja, das Verfahren zur Amtsenthebung des Präsidenten. An
       dessen Ausgang kein vernünftiger Zweifel bestehen kann, weil die
       Republikaner inzwischen treu zu Donald Trump stehen – Macht ist ja so sexy
       – und im Senat die Mehrheit haben. Sie tun nicht einmal mehr so, als
       scherten sie sich um Tatsachen und Beweise. Aus einem einfachen Grund: weil
       sie es können.
       
       Sie können es auch deshalb, weil die Demokraten über den Elefanten in ihrem
       eigenen Wohnzimmer nicht sprechen. Der Elefant hat einen Namen. Hunter
       Biden. Er ist der Sohn von [2][Joe Biden], der nach wie vor sehr gute
       Chancen hat, von den Demokraten als Präsidentschaftskandidat nominiert zu
       werden.
       
       Hunter Biden hatte anrüchige Geschäftsverbindungen in die Ukraine, über die
       Parteifreunde seines Vaters nicht reden möchten. Solange sie das jedoch
       nicht tun, so lange haben sie mit ihren Vorwürfen gegen Donald Trump ein
       Glaubwürdigkeitsproblem. Aber was soll’s. Trump ist ja ohnehin ein Tsunami.
       Es ist zum Heulen.
       
       26 Jan 2020
       
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