# taz.de -- Wichtige Aufgaben der Wissenschaft: Gründe fürs Schlafen gesucht
       
       > Herausforderungen der Wissenschaft im neuen Jahrzehnt: Was wird neu auf
       > uns zukommen? Was meinen die Forscher dazu?
       
 (IMG) Bild: Eisvogel im Münsterland: Die globale Artenvielfalt ist in Gefahr
       
       Berlin taz | Die zwanziger Jahre sind da: ein Jahrzehnt, in dem in
       Wissenschaft und Technik einiges abgehen wird, auch wenn sich
       Forschungsdurchbrüche nicht exakt terminieren lassen. Vor allem unter den
       Bedingungen des sich verschärfenden Klimawandels werden von den Forschern
       dringend Lösungen erwartet, die für die Zukunft eine nachhaltige
       Entwicklung von Planet und Menschheit möglich machen.
       
       Die Bandbreite der wissenschaftlichen Zukunftserwartungen hat zur
       Jahreswende eine Umfrage des Journalistenprojekts „Zukunftsreporter“
       zusammengetragen, das zum wachsenden Medienkollektiv „Riffreporter“ gehört.
       
       „Die größte Herausforderung in den 2020er Jahren wird sein, ein globales
       Artensterben abzuwenden“, bringt es der Evolutionsbiologe Matthias
       Glaubrecht, Gründungsdirektor des Centrums für Naturkunde (CeNak) an der
       Uni Hamburg auf den Punkt. Auch für die afrikanische Botanikerin Segenet
       Kelemu ist es zentrale Herausforderung der kommenden Jahre, „wie wir
       günstige Bedingungen schaffen können, die biologische Vielfalt von Insekten
       zu erhalten“, sagt die Generaldirektorin des International Centre of Insect
       Physiology and Ecology (icipe) in Kenia,. „Denn nur so werden wir die
       Gesundheit des Ökosystems, die landwirtschaftliche Produktivität, die
       Welternährung und die nachhaltige Entwicklung verbessern und die
       Degradation der natürlichen Ressourcen stoppen.“
       
       Die Stadtplanerin Christa Reicher von der RWTH Aachen sieht die wichtigste
       Aufgabe ihres Fachs darin, „unsere Städte so umzugestalten, dass sie ihre
       Emissionen reduzieren und sich an die Klimakrise anpassen“. Auch für die
       Meeresforscherin Antje Boetius vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven
       ist es „die übergreifende Herausforderung für Wissenschaft und
       Gesellschaft, wie wir das globale Klimaziel für das Jahr 2030 erreichen“.
       
       Andere Forscher stellen die „heißen Themen“ ihres Fachs mehr ins Zentrum.
       „Die Hauptfrage für die 2020er Jahre ist, wie man die Krise in der Physik
       mit ihren beiden widersprüchlichen Theorien – Quantenmechanik und
       allgemeine Relativitätstheorie – mit einem Standardmodell lösen kann“,
       merkt der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer an. Neue Entdeckungen
       wie dunkle Energie und dunkle Materie lassen sich mit den heutigen Theorien
       nicht erklären. „Das Haus der Physik bricht wie zu Beginn des 20.
       Jahrhunderts zusammen“, sieht Fischer voraus. Damals wurde es durch Genies
       wie Albert Einstein und Max Planck gerettet. Fischer: „Wo sind solche
       Forscher jetzt? Das ist die Hauptfrage.“
       
       Aber auch die Veränderung des Menschen bereitet Sorgen. „Die größte
       Herausforderung für Wissenschaft und Gesellschaft wird sein, wie wir mit
       der Genom-Editierungs-Technologie CRISPR umgehen“, sagt die Ökologin Kim
       Valenta von der Universität Florida in der Umfrage der „Zukunftsreporter“.
       Der Schlafforscher Jan Born von der Uni Tübingen erwartet von den 2020er
       Jahren, dass „endlich die Zeit reif sein wird, eine der großen offenen
       Fragen unserer Zeit zu beantworten: Warum müssen wir schlafen?“
       
       3 Jan 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manfred Ronzheimer
       
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