# taz.de -- Indiens umstrittenes Migrationsgesetz: Mehr Proteste gegen Modi
       
       > In Delhi Schlug die Polizei Demos nieder, die sich gegen das neue
       > Staatsbürgerschaftsgesetz wandten. Seitdem wächst der Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Protestierende Studenten sprechen in Neu-Delhi über Polizeigewalt an ihrer Uni
       
       MUMBAI taz | In Indien gehen die [1][Proteste] gegen das umstrittene
       Einbürgerungsgesetz weiter. Allein in Kolkata demonstrierten am Dienstag
       Zehntausende. Das letzte Woche verabschiedete Gesetz soll illegal
       eingereisten Migranten aus drei muslimischen Nachbarländern die
       Einbürgerung erleichtern – sofern sie selbst keine Muslime sind.
       
       Konkret geht es um Verfolgte religiöser Minderheiten aus Afghanistan,
       Bangladesch und Pakistan wie Hindus, Christen, Sikhs, Buddhisten, Jaina und
       Parsen. Doch ist es eben Indiens erstes Gesetz, dass die Staatsbürgerschaft
       von der Religion abhängig macht.
       
       In Kolkata führte [2][Westbengalens Regierungschefin Mamata Banerjee] am
       Dienstag die Proteste an. Sie sagte, dass es der hindunationalistischen
       Partei von Ministerpräsident Narendra Modi nur darum gehe, den Islam zu
       unterdrücken. Neben der Kritik, dass das Gesetz Muslime diskriminiere,
       befürchten Menschen in den Grenzregionen einen Zustrom von Migranten.
       
       Auch in der Wirtschafts- und Finanzmetropole Mumbai wurde jetzt
       demonstriert. „Es war überwältigend und ein guter Start“, um zu zeigen,
       dass wir gegen das neue Gesetz sind“, sagte ein Ingenieurstudent, der nicht
       namentlich genannt werden wollte.
       
       ## Polizeigewalt heizt Protetse an
       
       Überall in Indien demonstrierten junge Menschen, nachdem aus dem Norden
       Bilder zirkulierten, die zeigen, wie Studierende von der Polizei
       angegriffen und verletzt wurden.
       
       In Delhi, wo auch am Dienstag wieder demonstriert wurde, war am Sonntag in
       zwei muslimischen Universitäten die Situation eskaliert. Nachdem Busse in
       Brand gesetzt worden waren, hatte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke
       eingesetzt.
       
       Die Aufnahme von einer 22-Jährigen, die sich Polizisten mit Schlagstöcken
       entgegenstellt, um einen Freund zu schützen, berührte viele. Als Antwort
       auf die Polizeigewalt schlossen sich inzwischen Studierende mehrerer
       Hochschulen dem Protest an.
       
       Begonnen hatten die Proteste vergangene Woche im nordöstlichen Bundesstaat
       Assam, der an Bangladesch grenzt und vom neuen Staatsbürgerschaftsgesetz
       besonders betroffen ist. Kurz davor war zudem in [3][Assam ein ebenfalls
       umstrittenes Personenregister] eingeführt worden, das Tausenden Muslimen
       quasi die indische Staatsbürgerschaft abspricht. Medienberichten zufolge
       wird dort bereits an einem Abschiebelager gebaut.
       
       All das führte zu Widerstand in Assam, wo die illegale Migration ein großes
       Thema ist. Landesweite Massenproteste, bei denen mehrere Personen ums Leben
       kamen, folgten.
       
       ## Einige Bundesstaaten wollen neues Gesetz nicht anwenden
       
       Einige Ministerpräsidenten indischer Bundesstaaten haben inzwischen
       angekündigt, den sogenannten Citizen Amend Act (CAA) nicht anzuwenden. Sie
       sehen im Ausschluss von Muslimen einen Verstoß gegen Indiens säkulare
       Verfassung. Ähnlich urteilt das Genfer UN-Menschenrechtsbüro, welches das
       Gesetz als „grundlegend diskriminierend“ bezeichnet.
       
       Für den Ingenieurstudenten aus Mumbai, wo es jetzt friedlich blieb, ist
       Teilhabe keine Frage der Religion. „Es ist eine Frage von richtig und
       falsch“, sagt der junge Hindu.
       
       Die Übersetzerin Priyanka Sarkar kam mit Freunden zur
       Solidaritätskundgebung in Delhi. „Diese Brutalität hat mich bewegt“, sagt
       sie. „Indien sollte erst seine eigenen Probleme lösen.“ Es sei nicht so,
       dass hier niemand verfolgt werde. Damit spielte sie auf die schwierige Lage
       von Muslimen in Indien an.
       
       Man könne sich 200 Millionen Muslime nicht wegwünschen, mahnt der Buchautor
       Chetan Bhagat, der bislang als regierungsfreundlich galt. „Versucht das und
       Indien wird brennen, die Wirtschaft wird zusammenbrechen und unsere Kinder
       werden unsicher und arbeitslos sein“, [4][twittterte er]. Indiens
       Konjunktur steckt schon jetzt in einem Sechsjahrestief. Die aktuellen
       Proteste sind die heftigsten seit Modis Amtsantritt 2014.
       
       17 Dec 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Protest-gegen-Migrationsgesetz-in-Indien/!5646006
 (DIR) [2] /Regionalwahl-in-Indien/!5120745
 (DIR) [3] /Umstrittene-Entscheidung-in-Indien/!5619687
 (DIR) [4] https://twitter.com/chetan_bhagat/status/1206447254564827136
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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