# taz.de -- Die Wahrheit: Eine Sekunde
       
       > Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Diesmal darf sich die
       > geneigte Leserschaft an einem Poem über einen Beinahunfall erfreuen.
       
       Eine Sekunde, in der sich’s entscheidet:
       
       Leb ich weiter oder leb ich nicht?
       
       Ist das meine letzte Stunde,
       
       Oder bleibt es angeknipst, mein Licht?
       
       Eine Sekunde, und nur diese Frage:
       
       Stoppt er oder stoppt er nicht?
       
       Wird er achten meine Vorfahrt,
       
       Oder üb ich besser deren Verzicht?
       
       Eine Sekunde, mal flugs beschließen:
       
       Brems ich oder brems ich nicht?
       
       Kann ich weiterkacheln volle Pulle,
       
       Oder kneif ich besser die Backen dicht?
       
       Eine Sekunde, will endlich Antwort:
       
       Gibt er nun Gummi oder gibt er nicht?
       
       Bleibt es bei der Schrecksekunde,
       
       Oder hab ich den Opel gleich im Gesicht?
       
       Eine Sekunde, dann ist’s entschieden:
       
       Er fährt weiter, sieht mich nicht.
       
       Und ich brüll noch: Stehn bleiben, Arschloch!
       
       Aber Arschloch hört mich nicht.
       
       Eine Sekunde, so schnell verflogen:
       
       Doch ich flieg zig Meter weit.
       
       Während zugleich der Film meines Lebens,
       
       Am innern Auge vorübereilt.
       
       Eine Sekunde, schon tickt die zweite:
       
       Hart ist die Landung auf dem Asphalt.
       
       Und kaum ist auch diese Sekunde verstrichen,
       
       Bin ich in Gänze hingeknallt.
       
       Eine Sekunde, Schrott ist mein Fahrrad:
       
       Mir aber scheint – klopf Holz! – nichts passiert.
       
       Nur Arschloch beklagt blutige Fresse,
       
       Hab ihm nächste Sekunde eine geschmiert.
       
       21 Nov 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fritz Tietz
       
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