# taz.de -- Aufhebung des Zölibats: Tausend Jahre sind genug
       
       > Für Liberale eine „Frohe Botschaft“: Mit großer Mehrheit stimmen Bischöfe
       > auf der Amazonas-Synode für ein Ende des Zölibats – zumindest teilweise.
       
 (IMG) Bild: Es menschelt im Vatikan: Vertreter bei der Amazonas-Synode
       
       Mit einer revolutionären Forderung schloss am Samstag die
       [1][Amazonassynode] im Vatikan ihre Arbeiten ab: Die dort versammelten
       Bischöfe fordern, auch verheiratete Männer zum katholischen Priesteramt
       zuzulassen – und damit das Ende des Pflichtzölibats einzuläuten. Schluss
       wäre so mit der „vollkommenen und immer währenden Enthaltsamkeit um des
       Himmelreichs willen“, die das Kirchenrecht bisher vorsieht und die seinen
       Dienern helfen soll, „sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen
       widmen zu können“.
       
       In Zukunft dagegen sollen, wenn es nach der gerade abgeschlossenen Synode
       geht, auch verheiratete Diakone wenigstens im Amazonasgebiet den Zugang zum
       Priesteramt erhalten. Der Zölibat könnte ausgerechnet zu seinem
       tausendjährigen Jubiläum zu Fall kommen. Im Jahr 1022 nämlich verfügte
       Papst Benedikt VIII. das Heiratsverbot für Priester. Da sollte es um deren
       Reinheit gehen, aber auch um deren Besitz, den sie fortan nicht mehr an
       Kinder vererben konnten und der deshalb im Schoß der Kirche blieb.
       
       Heutzutage sorgt diese Vorschrift allerdings oft genug für einen
       gravierenden Priestermangel. In ihrem Abschlussdokument berichten die
       Bischöfe der Synode, viele Gemeinden im Amazonasgebiet sähen über Monate,
       ja gelegentlich auch über Jahre hinweg keinen Geistlichen, der ihnen die
       Eucharistie spenden oder auch die letzte Ölung erteilen könne.
       
       Angesichts dieser – in Lateinamerika schon vor Jahrzehnten beklagten –
       Situation hatten Bischöfe des Kontinents schon auf dem II. Vatikanischen
       Konzil vorgeschlagen, wenigstens die Priesterweihe für verheiratete „Viri
       probati“, für „erprobte Männer“ zu gestatten, wurden aber von Papst Paul
       VI. abgeschmettert.
       
       Zwar bekräftigte die Synode, dass es ihr mit ihrem Vorschlag nicht um die
       generelle Abschaffung des Zölibats, sondern um eine Ausnahmeregelung für
       eine unter extremem Priestermangel leidende Region gehe. Doch die
       Konservativen in der Kirche wittern, dass die Folgen weiterreichend sein
       können. Schon auf der Synode selbst erhielt der entsprechende Passus mit 41
       Gegen- bei 128 Ja-Stimmen so viel Widerspruch wie kein anderer im
       Abschlussdokument.
       
       Sehr deutlich wurde der deutsche Kardinal Walter Brandmüller aus der
       konservativen Ecke der Zölibatsfans. Er sprach von einem „faulen und
       durchsichtigen Trick“ eines „Grüppchens von Ideologen“, denn es gehe „
       nicht um Amazonas – es geht ums Ganze“.
       
       Begeistert äußert sich dagegen der Theologe und Psychotherapeut Wunibald
       Müller. Auch er prognostiziert genauso wie Brandmüller, dass am Ende der
       gesamte Zölibat zu Fall kommt, doch er hält dies für „eine frohe
       Botschaft“, da so auch ein „wichtiger Beitrag im Rahmen der Prävention von
       sexualisierter Gewalt durch Kleriker“ geleistet werden könne.
       
       Vorerst handelt es sich bei dem Beschluss der Synode um eine nicht bindende
       Empfehlung. Es liegt jetzt am Papst, ob er sie aufnehmen will. Franziskus
       kündigte an, er werde bis zum Jahresende in einem Schreiben seine Haltung
       zu den Vorschlägen der Synode mitteilen werde.
       
       27 Oct 2019
       
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