# taz.de -- Großstädter haben weniger Wohnfläche: Risiko für die Liebe
       
       > In den Metropolen schrumpft die Quadratmeterzahl pro Kopf. Das gefährdet
       > Rückzugsräume auch innerhalb der Paarbeziehung.
       
 (IMG) Bild: Entsteht hier auch genug Raum für die Liebe? Neubau in Laatzen, Niedersachsen.
       
       Das Eckbettsofa „Friheten“ (zu Deutsch: „Freiheit“) ist das neue
       Sozialmöbel. Ausgeklappt, verwandelt das Möbelstück „den Wohnraum abends in
       Mamas und Papas Schlafzimmer“, heißt es im neuen Ikea-Katalog. „Mehr
       Familienleben pro Quadratmeter“ verspricht der Einrichter und beschäftigt
       sich mit der Frage, wie man als große Familie oder als junges Paar in einer
       engen Wohnung überlebt. Klappsofas, blickdichte Vorhänge als Raumteiler
       und Schränke mit Schiebetüren sind wieder im Kommen.
       
       Die Schweden haben es gerafft. Mieter in Deutschlands Metropolen haben im
       Durchschnitt [1][weniger Quadratmeter zur Verfügung als noch vor zehn
       Jahren]. Das hat das Institut der Deutschen Wirtschaft jetzt in einer
       [2][Erhebung] festgestellt. In jedem sechsten Haushalt in den Großstädten
       leben in einer Wohnung sogar mehr Menschen, als es dort Zimmer gibt. Dabei
       gilt im sozialen Wohnungsbau eigentlich die Regel, dass pro Person ein Raum
       vorhanden sein muss.
       
       Wie eng, mit welcher Raumaufteilung kann man wohnen, ohne dass es auf die
       Seele schlägt? Paare finden in Berlin fast nur noch Neubauwohnungen mit
       zwei Räumen, von denen einer die „großzügige“ Wohnküche ist, das zweite
       Zimmer dann der Schlafraum fürs gemeinsame Doppelbett. Hey, was ist mit der
       Individualisierung?
       
       Braucht nicht jeder auch mal die Möglichkeit, die Tür hinter sich
       zuzumachen? Oder soll der Partner im Streitfall dann eben den blickdichten
       Vorhang zuziehen und das Sofa in der Wohnküche aufklappen?
       
       Ja, es stimmt, die Wohnungen in den 50er Jahren waren auch eng, Ehemänner
       arbeiteten lang, manch einer flüchtete in die Kneipe, der Rückzugsraum der
       Frauen war die Küche … Igitt! Da will niemand mehr hin. Ob ein einziges
       Doppelbett auf Dauer gut ist für die Liebe, diese Frage sollten sich
       Raumplaner heute aber schon mal stellen. Jedenfalls, wenn es um Menschen
       geht, die sich keine loftartige Eigentumswohnung mit Wohnküche, mehreren
       Schlafzimmern und Gästebad leisten können.
       
       26 Aug 2019
       
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 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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