# taz.de -- Liebeserklärung an die Berliner Polizei: Eine ganz eigene Köpenickiade
       
       > Die Hauptstadt erfindet sich ja jeden Tag neu, ist aber auch stolz auf
       > ihre Traditionen. Ganz vorn dabei sind da gerade die Ordnungshüter.
       
 (IMG) Bild: Falsche Uniform? Mindestens zwei Jahre war eine junge Frau als falsche Polizistin unterwegs
       
       Als Friedrich Wilhelm Voigt vor mehr als 100 Jahren sich vermittels einer
       zusammengestoppelten Uniform in den Hauptmann von Köpenick verwandelte, da
       hatte er ein ehrlich kriminelles Motiv: Er wollte schlicht die Stadtkasse
       rauben. Ein ordentlicher Coup war das, und Voigt wurde ein paar Tage nach
       der Köpenickiade auch schon ordentlich gefasst. Etwas länger, mindestens
       zwei Jahre nämlich, war eine junge Frau in vollem Polizeiornat in Berlin
       [1][unterwegs], anscheinend ohne ökonomische Interessen, sondern nur vom
       Wunsch beseelt, beim Beschützen dabei zu sein; die Uniform der Frau war in
       allen Teilen original, ja so ungewöhnlich vollständig, dass ebendies den
       Originalbeamten verdächtig erschien.
       
       Wer kennt das nicht? Endlich mit der tollen Truppe tanzen, unbehelmte
       Radfahrer*innen auf offener Straße zurechtweisen, hilfreich an Einsätzen
       teilnehmen, den Respekt und die Anerkennung in den Augen der Bevölkerung
       spüren. Deine Stadt braucht dich.
       
       Die Polizeipräsidentin von Berlin, Barbara Slowik, braucht derweil selber
       Polizeischutz. In der Nacht auf Mittwoch machte ein Einbrecher, was
       Einbrecher halt so machen, allerdings an der Haustür der Behördenleiterin.
       Erwischt wurde der Missetäter nicht, aber unterbrochen in seinem Tun. Die
       Nachbarschaft zeigte sich aufmerksam. Ob sie einen Notruf absetzte, ist uns
       nicht bekannt. Die Berliner Polizei aber ist eventuell genauso ahnungslos:
       Die 110 funktioniert nämlich in der Hauptstadt nicht [2][richtig]. Es ist
       eine lange Geschichte, fragen Sie nicht. Hoffen Sie einfach, dass kein
       Notruf nötig ist, zumindest nicht mehr im August. Ab „voraussichtlich
       Anfang September“ soll alles schon wieder im Lot sein.
       
       Das alles ist so derart Berlin, dass einem glatt das Herz aufgeht. Ach,
       diese Stadt, in der niemand weiß, was der Regelbetrieb wäre, wo nichts nach
       Plan arbeitet, am Ende alle aber irgendwie durchkommen, weil man ja immer
       noch von Tegel fliegen kann. Da können Notbesetzung am Notruf,
       Polizeieskorte bei der Polizeipräsidentin und der zweijährige Einsatz einer
       falschen Polizistin so falsch nicht sein.
       
       Apropos Tegel und Scheinpolizistin: Warum lässt man die junge Frau nicht
       einfach am BER patrouillieren? Ach ja, Kreis Dahme-Spreewald, Land
       Brandenburg.
       
       17 Aug 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-bizarren-taten-von-lara-k-wie-eine-falsche-polizistin-die-behoerden-narrte/24901150.html?utm_source=pocket-newtab
 (DIR) [2] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/08/berlin-polizei-notruf-110-voruebergehend-ohne-Bandansage-und-warteschleife.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniél Kretschmar
       
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