# taz.de -- 70 Jahre Adidas: Sei der Dirigent
       
       > Adidas wird 70. Eine Annäherung an den Herzogenauracher
       > Sportartikelhersteller über zwei seiner Schuhe.
       
 (IMG) Bild: Heute in Vergessenheit geraten, aber in der Firmengeschichte wichtig: der Adidas Conductor
       
       Adidas wird 70, da müsste man jetzt über die Adilette schreiben, das wohl
       erstaunlichste Schuhwerk des Herzogenauracher Sportartikelherstellers und
       geeignet, die Story des Weltkonzerns quasi in latsche zu erzählen.
       
       Ganz aus Gummi gefertigt, rutschfest, gedacht für die geflieste
       Gemeinschaftsdusche in Turnhallenumkleiden, Sportschulen („Geist von
       Malente“), Barfußgängen von Schwimmhallen. Und heute, nach einem
       fundamentalen Bedeutungswandel (schon seit Jahren, seitdem nämlich ugly
       chic ist) als Streetwear präsent vor allem in urbanen Gegenden, getragen
       von Leuten, die die Ironie hinter sich gelassen haben und Adiletten mit
       Socken womöglich wirklich kleidsam finden.
       
       Widmen wir uns hier aber einem Schuh, den keiner mehr so richtig kennt,
       obwohl er bei seiner Einführung 1986 als immens wichtig galt für die
       Expansionsstrategie von Adidas in die Basketballwelt, damals dominiert von
       Converse und Nike: der Conductor, dessen Markenbotschafter der legendäre
       Center Patrick Ewing von den New York Knicks war. Ewing, der mit seinem
       Team nie einen Titel gewann und doch als einer der besten Spieler aller
       Zeiten unter dem Korb gilt, einer vom Dream-Team, 2,13 Meter groß.
       
       Conductor, Dirigent. Adidas schreibt, der Schuh heiße so, weil der Spieler,
       der ihn trägt, das Spiel führt und gestaltet. Das Pech des Conductor war
       der Air Jordan, gewidmet dem noch viel größeren Michael Jordan. Schon 1984
       hatte Nike den Schuh auf den Markt gebracht. Ich war damals ein Teenager
       und spielte Basketball, der Air Jordan wurde wie etwas Heiliges
       herumgezeigt. Den wollte man haben. Musste man.
       
       Ich nicht. Ich wollte den Conductor, weiß mit königsblauen Streifen, orange
       abgesetzt, hatte aber gerade neue Converse. Nur einmal trug ich ihn, lieh
       ihn für die Schlussphase eines entscheidenden Spiels von M., der sich
       verletzt hatte. Schnürte ihn. Was für ein Gefühl! Aber wie Pat Ewing
       verloren wir. Der Conductor passte perfekt, er sah gut aus. Weiß. Ehrlich.
       Anders als der Air Jordan. Er hat nur nichts bewirkt.
       
       Kürzlich habe ich wieder angefangen, Basketball zu spielen. Von den alten
       Schuhen fiel die Sohle ab, in einem Hamburger Sneakerstore bestellte ich
       den neu aufgelegten Conductor. Heute sieht er aus, als wäre er für Rapper
       in den 90ern erfunden worden. Egal. Mein Schuh, mein Conductor.
       
       Als ich ihn ausgepackt hatte und hineinschlüpfte, merkte ich, dass er zu
       klein war. Am großen Zeh drückte er. Und war die Lasche früher auch so
       riesig? Ich schickte ihn zurück, und träumte von damals. Wie es auf dem
       Platz weitergeht, weiß ich noch nicht.
       
       17 Aug 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Zimmermann
       
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