# taz.de -- Machtvakuum im Sudan: Militärs und Ex-Politiker in Haft
       
       > Nach Angaben der Militärführung gab es einen Putschversuch. Unter den
       > Festgenommenen ist auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
       
 (IMG) Bild: Hält in Wirklichkeit die Macht in seinen Händen: Der Vize des Militärrates, Mohamed Hamdan Dagalo
       
       NAIROBI taz | Mehr als ein Dutzend hochrangige Militärs und ehemalige
       Politiker sind im Sudan wegen Putschversuchs festgenommen worden. Das
       teilte das Militär am Mittwochabend mit. [1][Ob die Festnahme zusammenhängt
       mit dem Putschversuch vom 11. Juli], gab der regierende Militärrat nicht
       bekannt.
       
       Unter den Festgenommenen ist der Stabschef der Armee, General Hashem Abdel
       Muttalib Ahmed, der erst im April ins Amt gekommen war. Damals war
       Langzeitpräsident Omar al-Baschir vom Militär gestürzt worden. Dem Putsch
       waren monatelange Massenproteste und eine Sitzblockade in der Hauptstadt
       Khartum vorausgegangen.
       
       Der jetzt verhaftete Stabschef der Armee schien dem Vorsitzenden des
       Militärrats General Abdel Fattah Burhan loyal zu sein. Unklar ist aber, wie
       das Verhältnis zwischen dem Stabschef und dem Vizevorsitzenden des
       Militärrats, Mohamed Hamdan Dagalo, war. Der hält nämlich in Wirklichkeit
       die Macht in seinen Händen.
       
       Besser bekannt ist er unter dem Spitznamen Hametti. Er ist der Führer der
       Miliz Rapid Support Forces (RSF), die mit der Armee verbunden ist. Aber die
       Beziehungen zwischen Armee, dem nationalen Geheimdienst NISS und den
       Milizen sind nicht gut. Bashir hatte die Gruppen während seiner
       Regierungszeit gegeneinander ausgespielt. So sorgte er dafür, dass sie
       nicht so mächtig wurden, um eine Bedrohung für ihn zu sein.
       
       ## Bei Protesten kamen 120 Menschen ums Leben
       
       Die RSF hat Khartum mit Tausenden schwer bewaffneter Kämpfer auf Hunderten
       von Militärfahrzeugen fest im Griff. Sie ist auch großenteils
       verantwortlich [2][für das Blutbad unter Demonstranten Anfang Juni], die
       eine Zivilregierung für das Land gefordert hatten. Bei dem Protest kamen
       mehr als 120 Menschen ums Leben. Die Miliz führte für Bashir den Krieg
       gegen die Rebellion in Darfur, einer Region im Westen des Landes, und
       beging dabei Kriegsverbrechen.
       
       Die RSF ist besser bewaffnet als die Armee. Dafür hatte nicht nur Bashir
       gesorgt, sondern auch die Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Sie zahlen
       viel Geld für RSF-Mannschaften, die auf ihrer Seite im Krieg gegen
       Huthi-Rebellen in Jemen kämpfen.
       
       Hametti ist für seine hochfliegenden Ambitionen bekannt. Er ist in den
       letzten Wochen während der Verhandlungen mit der zivilen Opposition über
       eine Übergangsregierung immer mehr in den Vordergrund getreten. Der
       Vorsitzender des Militärrats dagegen ist immer seltener zu hören und zu
       sehen.
       
       Andere Analysten im Sudan glauben aber, dass auch ein Putschversuch von
       Mitgliedern der ehemaligen Regierung von Bashir möglich wäre. Unter den
       verhafteten Politikern befinden sich der ehemalige Vizepräsident Bakri
       Hassan Salih wie auch der Ex-Außenminister Ali Karti und Zubair Ahmed
       al-Hassan, der Generalsekretär des Islamic Movement (IM).
       
       ## Machtvakuum ohne handelnde Regierung
       
       Das IM wurde vor zwanzig Jahren von Bashirs National Congress Party (NCP)
       gegründet, als der nun gestürzte Präsident im Streit mit dem
       konservativ-islamistischen Parteiideologen Hassan al-Turabi war. Turabi
       gründete damals seine eigene Partei – Bashir wiederum hoffte, mit dem IM
       die Unterstützung radikaler islamistischen Gruppen zu behalten.
       
       In Sudan herrscht momentan ein Machtvakuum – ohne Regierung, die täglich
       die Geschäfte führt. So ist es eine fruchtbare Zeit für Putschversuche.
       Zwar ist Bashir beseitigt, seine ehemaligen Unterstützer aber wollen ihre
       Macht und ihren Einfluss nicht kampflos aufgeben.
       
       Derzeit liegen die Verhandlungen zwischen Militärrat und Opposition über
       notwendige Änderungen der Verfassung für die vereinbarte Übergangsregierung
       auf Eis. Am Samstag soll weiterverhandelt werden.
       
       25 Jul 2019
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ilona Eveleens
       
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