# taz.de -- Sudan nach der Bashir-Ära: Armee will Putsch vereitelt haben
       
       > Hatten Teile des sudanesischen Militärs wirklich einen Umsturz geplant?
       > Oppositionelle zweifeln an der Echtheit der Geschichte.
       
 (IMG) Bild: Militärrats-Chef Abdelfattah Burhan während einer Kundgebung in Omdurman Ende Juni
       
       Nairobi taz | Der herrschende Militärrat im Sudan hat eigenen Angaben
       zufolge einen Putsch vereitelt. 16 Offiziere und Soldaten der Armee sowie
       Mitglieder des Nationalen Geheim- und Sicherheitsdienstes seien verhaftet
       worden. Dies wurde am Donnerstagabend bekannt, während die Armee und die
       Oppositionsbewegung über Details eines [1][am 5. Juli geschlossenen
       Abkommens] verhandelten, das eine Übergangsregierung für das Land vorsieht.
       
       Aktivisten aus den Reihen der Opposition zweifeln allerdings an der
       Echtheit der Meldung. Möglicherweise versuche die Armee, Sympathiepunkte zu
       sammeln, während sie mit der Opposition darüber verhandelt, wie genau das
       Abkommen über die Übergangsregierung zu interpretieren ist. Noch immer soll
       es Uneinigkeit über die Machtverhältnisse innerhalb des geplanten
       Souveränen Rats geben. Die Institution soll zur höchsten Behörde des Landes
       werden.
       
       Einiges spricht allerdings auch dafür, dass es tatsächlich einen
       Putschversuch gegeben hat. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der
       Armee, den angeschlossenen Milizen und dem Geheimdienst sind groß. Der im
       April gestürzte Diktator Omar Hassan al-Baschir hatte die verschiedenen
       Machtzentren gegeneinander ausgespielt, um seine Herrschaft zu festigen.
       
       Viele Militärs sollen unglücklich sein mit dem [2][Einfluss von Mohammed
       Hamdan Dagolo], besser bekannt als Hametti. Er ist Chef der Rapid Support
       Forces (RSF), einer mit der Armee verbundenen Miliz, sowie Vizevorsitzender
       des Ministerrates. Vieles deutet darauf hin, dass Hametti die eigentlich
       entscheidende Figur im Land ist.
       
       ## Zerwürfnisse auch in der Oppostition
       
       Die RSF-Miliz besteht vor allem aus Mitgliedern arabischer
       Bevölkerungsgruppen, die im Namen der Regierung einst Krieg führten gegen
       die Einwohner in der Darfur-Region im Westen des Landes. Der Miliz werden
       Massenmord, Vergewaltigungen und Plünderungen vorgeworfen. Viele
       RSF-Mitglieder, darunter auch Hametti, stammen ursprünglich aus dem
       Nachbarland Tschad. Unter Soldaten wird geklagt, dass der Sudan jetzt von
       Ausländern geführt werde. Knapp 600 verschiedene Bevölkerungsgruppen leben
       im Sudan. 39 Prozent der Bevölkerung sagen, sie stammten von Arabern ab, 30
       Prozent beschreiben sich als Afrikaner.
       
       Aber auch in den Reihen der Opposition gibt es Zerwürfnisse. So finden
       Aktivisten außerhalb Khartums, dass die Intellektuellen in der Hauptstadt
       zu viel Einfluss haben und Bevölkerungsgruppen in anderen Landesteilen
       ausgeschlossen werden.
       
       Am Samstag sollen die Gespräche zwischen Militär und Opposition
       weitergehen. Parallel ist eine Demonstration der Opposition geplant. Noch
       immer herrscht Misstrauen gegenüber der Armee und vor allem der RSF-Miliz.
       Letztere wird beschuldigt, maßgeblich für das Massaker vom 3. Juni
       verantwortlich zu sein, bei dem mehr als hundert Demonstrierende getötet
       wurden. Die RSF streitet das ab.
       
       12 Jul 2019
       
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 (DIR) Ilona Eveleens
       
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