# taz.de -- Korruption in Südafrika: Zuma weiß von nichts
       
       > In Südafrika durchleuchtet eine richterliche Kommission die Korruption
       > der Zuma-Jahre. Jetzt sagt der Expräsident selbst aus.
       
 (IMG) Bild: Jacob Zuma vor der richterlichen Kommission, 16. Juli
       
       Berlin taz | Er weiß nichts und erinnert sich an nichts – so lassen sich
       die bisherigen Aussagen von Südafrikas Ex-Präsidenten Jacob Zuma vor einer
       Untersuchungskommission zusammenfassen, die am Montag begannen und die
       ganze Woche weiterlaufen sollen. Der Ex-Staatschef, den die eigene Partei
       ANC (Afrikanischer Nationalkongress) im Februar 2018 wegen Korruption
       abgesetzt hatte, legt noch drauf: Er macht sich zum Opfer einer
       Verschwörung, zu Unrecht verfolgt.
       
       „Was habe ich gemacht? Nichts!“, sagte Zuma zum Auftakt der Anhörung durch
       die Zondo-Kommission. Er beschuldigte Politiker des regierenden ANC, die
       einstige Befreiungsbewegung Nelson Mandelas, sie seien Spione der früheren
       Apartheid-Regierung: Er selbst, einst Chef des ANC-Geheimdienstes, wisse,
       wovon er rede. Es handele sich bei allen Vorwürfen gegen ihn um eine
       Verschwörung, die ihm seinen Ruf und das Präsidentenamt gekostet habe. Auch
       ausländische Geheimdienste steckten dahinter.
       
       „Zuma hat dieses Märchen der Verschwörung von Sicherheitsleuten aus der
       Apartheid-Ära gegen ihn schon seit 1991 gesponnen“, sagt dazu Ronnie
       Kasrils, langjähriges ANC-Führungsmitglied im Untergrund und früherer
       Minister für Staatssicherheit. Er bezeichnet Zumas Aussagen als Farce.
       
       Was Zuma von sich gibt, sind in der Tat nicht die Aussagen, auf die
       Südafrika seit langer Zeit gewartet hat. Aber es verwundert nicht. Zum
       ersten Mal muss sich der 77-jährige Zuma wegen Korruption öffentlich
       verantworten.
       
       ## „State Capture“
       
       Das Paradoxe: Zuma hatte die Zondo-Kommission als Präsident selbst ins
       Leben gerufen, im Januar 2018, um illegale Einflussnahme auf Südafrikas
       Staat zu durchleuchten. Geleitet vom stellvertretenden Obersten Richter des
       Verfassungsgerichts, Raymond Zondo, ist sie allerdings kein Gericht.
       
       Die Zondo-Kommission soll das Ausmaß von „state capture“ untersuchen. Diese
       Vereinnahmung des Staates durch private Interessen während der
       Zuma-Regierung zwischen 2009 und 2018 hat Südafrika an den Rande des
       wirtschaftlichen Ruins gebracht, das Investor-Vertrauen in den einstigen
       „Motor des Kontinents“ und die neu gewonnene Demokratie stark geschädigt.
       
       Ex-Finanzminister Pravin Gordhan schätzt, dass rund 100 Milliarden Rand (6
       Milliarden Euro) gestohlen worden seien. Staatliche Unternehmen wie der
       Stromversorger Eskom, die Fluglinie SAA oder andere Dienstleister kämpfen
       jetzt um ihre Existenz.
       
       Besonders großen Einfluss auf Zuma nahmen die Guptas, eine indischstämmige
       Unternehmerfamilie, die inzwischen außer Landes geflohen ist und ein neues
       Imperium in Dubai aufbaut. Zuma wird vorgeworfen, mit Hilfe von Ministern,
       Geschäftspartnern und Verwandten den Staat betrogen zu haben.
       
       Im Dezember 2017 war er deswegen vom ANC als Parteichef abgesetzt worden
       und zwei Monate später auch als Staatschef. Nachfolger wurde sein damaliger
       Stellvertreter Cyril Ramaphosa, der im Mai mit 57,7 Prozent der Stimmen bei
       Südafrikas Wahlen im Amt bestätigt wurde.
       
       Doch Zumas Macht dauere noch an, sagt Ben Turok, ehemaliger ANC-Veteran:
       „Seine Aussagen haben ihn diskreditiert. Denn er hat einige der führenden
       ANC-Politiker angegriffen, weil sie über seine Untaten etwas wussten.“
       Turok glaubt, es gäbe noch viele im ANC, die Zuma treu blieben.
       
       ## Zuma: Ich wollte den ANC retten
       
       Auf konkrete Vorhaltungen reagiert Zuma vor der Kommission ausweichend oder
       sagt, er habe keine klare Erinnerung. Er gab lediglich zu, der
       Gupta-Familie bei der Gründung des TV-Senders Africa News Network 7 sowie
       der Zeitung New Age geholfen zu haben, als Gegengewicht zu den kritischen
       südafrikanischen Medien – und als faktisches ANC-Parteiorgan. Er wollte
       stets den ANC und sein Land retten, sagte Zuma der Kommission.
       
       Richter Zondo ist der Auffassung, nur weil Zuma etwas sage, müsse das noch
       nicht das Ende in dieser Sache bedeuten. „Wir müssen alle Beweise genau
       abwägen, damit wir ein volles Bild über das Ausmaß der Geschehnisse
       erhalten“, sagte er.
       
       Die Kommission tagt seit einem Jahr und hat zahlreiche Politiker vernommen.
       Wenn ihr Abschlussbericht kriminelle Machenschaften aufdeckt, kann die
       Kommission die Angelegenheit dann an die Strafverfolgungsbehörden
       weiterleiten.
       
       19 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Schwikowski
       
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