# taz.de -- Kommentar Waldbrände in Deutschland: Der Klimawandel wird riechbar
       
       > Die Waldbrände in Deutschland zeigen, dass die Weltklimarat-Forscher
       > recht hatten. Wer das noch nicht versteht, dem ist politisch nicht zu
       > helfen.
       
 (IMG) Bild: Entscheidend ist, was danach kommt: Brennender Ex-Truppenübungsplatz in Südbrandenburg
       
       Den Menschen in Berlin [1][zieht der Rauch der Waldbrände in der Lübtheener
       Heide in die Nase], und um mal einen Berliner Klassiker zu zitieren: Das
       ist auch gut so. Die Botschaft aus dem Wald kommt da an, wo sie hingehört –
       in der Bundespolitik.
       
       Natürlich muss zuerst der Brand gelöscht werden, muss die akute Gefahr für
       die BewohnerInnen der umliegenden Dörfer gebannt werden. Auf lange Sicht
       entscheidend ist jedoch, was danach kommt. Nur die Katastrophe politisch
       aufzuarbeiten oder Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wegen der
       noch immer im Boden liegenden Munition zu kritisieren, wird der Dimension
       des Brandes nicht gerecht werden.
       
       Denn es ist kein einzigartiges, verheerendes Ereignis, sondern Ausdruck der
       Entwicklungen in der Natur – beziehungsweise dem, was Menschen von ihr
       übrig ließen. Der Klimawandel beschert Deutschland nun das zweite Jahr in
       Folge einen Dürresommer. Und der hat katastrophale Auswirkungen, weil die
       Ökosysteme in Deutschland durch jahrzehntelange Missachtung der natürlichen
       Gesetzmäßigkeiten beschädigt sind. Nun verdursten und verhungern Bäume, da
       sie in der extremen Trockenheit keine Photosynthese durchführen können.
       
       Wälder sterben, Seen überhitzen, Flüsse trocknen aus. Der Klimawandel und
       die kollabierenden Ökosysteme beeinflussen bereits Unternehmen und die
       deutsche Wirtschaft. Der Weltbiodiversitätsrat hat aufgrund solcher
       Szenarien die Weltgemeinschaft aufgefordert, die Wirtschafts- und
       Lebensweise zu verändern – um das eigene Überleben zu sichern.
       
       Die ewigen Kiefernforste, die in Brandenburg und in der Lübtheener Heide
       brennen, sind keine natürlichen Wälder, sondern von Menschen in Reih und
       Glied gepflanzte Monokulturen. Aber auch sie bilden ein Ökosystem, wenn
       auch ein sehr schwaches. Deswegen brennen die Kiefernforste in der extremen
       Trockenheit als Erste, ob sie nun in Brand gesteckt wurden oder sich selbst
       entzündet haben.
       
       Die Brände verdeutlichen auf erschreckende Weise, dass all die
       Wissenschaftler im Weltklimarat und dem Weltbiodiversitätsrat recht hatten.
       Die Überhitzung der Erde hat das Schaubild verlassen und frisst sich mit
       mannshohen Flammen durch die Lübtheener Heide. Wer die Rauchzeichen in
       Berlin nicht versteht, dem ist politisch nicht mehr zu helfen.
       
       3 Jul 2019
       
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