# taz.de -- Kolumne Frauen-WM: Videobeweis, du nervst!
       
       > Unsinnige Pfiffe, ewiges Gewarte: Nach der Männer-WM und der Bundesliga
       > wird der Videobeweis auch beim Tunier der Frauen zur Zumutung.
       
 (IMG) Bild: Frankreich gegen Norwegen: Bibiana Steinhaus (l.) gibt einen Elfmeter nach einem Videobeweis
       
       Und, ist die WM nun gerechter als die vorangegangene? Ja, es geht um den
       Videobeweis, der zum ersten Mal bei einer Frauenfußball-WM zum Einsatz
       kommt. Und nein, der Fußball ist nicht gerechter geworden. Die
       Videoschiedsrichterei bleibt ein Desaster. [1][Das war bei der WM 2018 so],
       das ist in der Bundesliga so, warum sollte es bei diesem Turnier anders
       sein? Erst im März hat die Fifa entschieden, dass der Videobeweis in
       Frankreich zur Anwendung kommen wird. Jetzt haben wir den Salat.
       
       Was für ein aufregendes Spiel, das sich Australien und Brasilien am
       Donnerstag geliefert haben! Und wie ist es entschieden worden? Am
       Videobildschirm. Australiens Angreiferin Sam Kerr stand im Abseits, als die
       Flanke in ihre Richtung geschlagen wurde, ihre Gegenspielerin Monica lief
       ihr hinterher und kam mit dem Kopf an den Ball, der dann ins Tor flog. Nach
       intensiven Bilderstudium entschied Schiri Esther Staubli auf passives
       Abseits. Das Eigentor zählte. 3:2 für Australien. Hä?
       
       Auch das Duell zwischen Frankreich und Norwegen war recht flott – bis der
       Videoschiedsrichter Bibiana Steinhaus dazu drängte, sich noch einmal eine
       Strafraumszene anzusehen. Die Norwegerin Ingrid Syrstad Engen klärte den
       Ball, danach traf sie Marion Torrent am rechten Knie. Es gab Elfmeter. Wie
       absurd! Der Schiedsrichterin ist dabei beinahe kein Vorwurf zu machen. Wenn
       die Bilder aus dem Fifa-Videoüberwachungsraum, die sie am Spielfeldrand
       gesehen hat, die gleichen waren wie die, die im Fernsehen ein ums andere
       Mal gezeigt wurden, konnte sie nicht anders entscheiden. Da war die Szene
       so geschnitten, dass nicht mehr zu sehen war, wie Engen den Ball gespielt
       hat. Ohne Videobeweis hätte sie nicht auf Elfmeter entschieden. Ein
       nerviges Extra für die Zuschauerinnen: eine minutenlange Unterbrechung.
       
       Eine solche gab es auch im Eröffnungsspiel, als die Videoschiedsrichter ein
       Tor von Griedge Mbock Bathy wegen einer Abseitsstellung annullieren ließen.
       Die wurde mittels kalibrierter Linien nachgewiesen. Kann man machen, aber
       dann sollte die Fifa auch die besten Physiker der Erde an eine Weltformel
       zur Feststellung des korrekten Zeitpunkts, an dem der Ball den Fuß verlässt
       setzen. Oder sie lässt es ganz mit dieser Videoschiedsrichterei.
       
       Die hat ja noch zu allem Überfluss auch noch dazu geführt, dass die
       Linienrichterinnen erst dann die Fahne heben, wenn wirklich ganz und gar
       feststeht, dass aus der Spielsituation kein Tor entsteht. Am Ende war es
       vielleicht doch kein Abseits. Immer mehr Linienrichterinnen schieben die
       Verantwortung auf den Videoraum ab und lassen die Spielerinnen sprinten,
       auch wenn sie eigentlich längst wissen, dass sie im Abseits standen. Eine
       Zumutung für alle Kickerinnen. Und für die Fans im Stadion. Für den Sport
       an sich. Ach, lassen wir es! Bis zur nächsten videogestützten
       Fehlentscheidung wenigstens.
       
       14 Jun 2019
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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