# taz.de -- „Baum-Wahllokale“: Ein Kreuzchen für den Ahorn
       
       > Grün wählen mal anders: Künstler Ben Wagin lädt am Sonntag zur
       > „Baumwahl“. Die Auserkorenen sollen einen Europa-Hain im Spreebogenpark
       > bilden.
       
 (IMG) Bild: Ihm kommt nur Europa aufs Brot: Künstler-Urgestein Ben Wagin
       
       Nicht alles, was man wählen kann, ist eine Politikerin. Neben der Wahl zum
       EU-Parlament am Sonntag öffnen von 10 bis 18 Uhr auch drei besondere
       Wahllokale in Berlin, auf deren Listen Linden, Ahorne oder Amberbäume
       stehen. Wer die nominiert hat? Klar: Baumpate Ben Wagin.
       
       Der knapp 90-jährige Anekdotenerzähler, Aktionskünstler und Anpflanzer
       öffnet die „Baum-Wahllokale“ in seinem Wohnhaus an der Joseph-Haydn-Straße
       im Hansaviertel, im „Parlament der Bäume“ neben der Bundespressekonferenz
       und im Spreebogenpark zwischen Kanzlerinnenamt und Hauptbahnhof. Den wenig
       genutzten Park hat der Netzwerker Wagin als Pflanzort für 47 Bäumchen
       klargemacht, die per Spende „gewählt“ werden können – für die nächsten 99
       Jahre, wie der Künstler anmerkt.
       
       KandidatInnen sind „27 Baumarten, die anpassungsfähig und robust genug
       sind, um das zukünftige Klima in Europa auszuhalten und E_UROPA am Leben zu
       halten“, heißt es in der Einladung des Berliner Baumpatenvereins e. V., der
       größtenteils aus Wagin selbst besteht und mit vielen UnterstützerInnen
       schon Hunderte Bäume in den Berliner Boden gebracht hat. Aus der Luft
       betrachtet sollen die Jungbäume das Signet „UROPA“ formen, was man in der
       Wagin’schen Diktion nicht wie den Großvater-Vater ausspricht, sondern
       einfach wie Europa ohne E.
       
       Ob das am Ende so oder doch irgendwie anders aussieht, weiß man bei Ben
       Wagin nie genau, es ist auch nebensächlich. Wichtig zu wissen ist nur, dass
       der Mann pflanzt, wenn man ihn pflanzen lässt. Beim „Parlament der Bäume“
       auf dem ehemaligen Mauerstreifen tut er das schon fast 30 Jahre lang, seit
       vergangenem Jahr erst ist das Natur-Kunst-Konglomerat denkmalgeschützt, und
       vor wenigen Wochen hat die Lotto-Stiftung mit einem größeren Betrag den
       Grundstein für eine dauerhafte Öffnung des Ortes gelegt.
       
       Dass Wagin neben dem Bäumepflanzen auch noch andere Kunst macht, ist in der
       Joseph-Haydn-Straße 1 zu besichtigen: Die Ausstellung im Souterrain, das
       früher Wagins Atelier beherbergte (heute wohnt er noch in der Beletage,
       gearbeitet wird vor allem auf dem Gleisdreieckgelände), zeigt
       Organisch-Amorphes und Ornamentales im Spannungsfeld von Natur und
       Geschichte. (clp)
       
       Die „Baum-Wahllokale“: 1. Parlament der Bäume
       (Schiffbauerdamm/Adele-Schreiber-Krieger-Straße), 2. Berliner
       Baumpatenverein (Joseph-Haydn-Straße 1), 3. Spreebogenpark, im Pavillon mit
       den weißen Europa-Säulen, jeweils von 10–18 Uhr am 26.05.2019.
       
       23 May 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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