# taz.de -- Die Wahrheit: Unser sexy Akzent
       
       > Neues aus Neuseeland: Wer „Fish and Chips“ zu „Fush'n Chups“ mutieren
       > lässt, spricht ab sofort den sinnlichsten Akzent der Welt.
       
       Seit der Nominierung der Premierministerin Jacinda Ardern für den
       Friedensnobelpreis hat keine Nachricht aus Aotearoa international höhere
       Wellen geschlagen als diese. Besser setzen, jetzt kommt’s: Der
       neuseeländische Akzent ist sexier als jeder andere der Welt! Das löst
       besonders bei Inländern unfassbaren Stolz aus – und Unglauben. Denn bisher
       hat uns das noch nie jemand gesagt.
       
       Rund 7.000 Sprachen gibt es derzeit weltweit. Was akustisch schön anmutet
       oder heiß macht, ist Geschmackssache, so wie beim Essen: Der Samoaner
       schätzt Hund, die Schottin Haggis. In Brasilien sind dicke Popos attraktiv,
       bei den Karen in Thailand lange Hälse. In westlichen Ländern ist man sich
       einig, dass Italiener und Franzosen verführerisch klingen; einige Dialekte,
       zum Beispiel in den neuen Bundesländern, eher nicht so. Das ist natürlich
       auch Snobismus. Upper-Class-Briten klangen sexy, bis Jamie Oliver kam.
       
       Bevor Mutter Jacinda das Image-Ruder für uns herumriss und die Weltbühne
       eroberte, klangen Kiwis für nichteinheimische Ohren immer komisch.
       Irgendwie gequetscht, und am Ende des Satzes zieht die Tonlage hoch, gern
       mit einem „aye“ oder „bro“ als Abschluss. „Fish and Chips“ mutieren zu
       „Fush’n Chups“ und Eier zu „iggs“. Wenn Papa sich ins Bett legt, dann geht
       „Did to bid“ statt „Dad to bed“.
       
       Diese Verquetschung der Sprache wird extremer, hat Professor Allan Bell von
       der Auckland University of Technology festgestellt. Er hat 300 Tonaufnahmen
       der letzten 30 Jahre ausgewertet. In den siebziger Jahren klangen
       neuseeländische Radiosprecher noch wie von der BBC – das Englisch der Queen
       war Norm. „Seit den Achtzigern klingen sie jedoch mehr wie Kiwis“, so Bell.
       Auch etwas Cockney hat sich eingeschlichen: Bei „what“ oder „but“ wird das
       t am Ende verschluckt.
       
       Außerdem rollen uns mehr Maori-Wörter von der Zunge, von denen die Nachbarn
       drüben auf der barbarischen Seite der Tasmanischen See nur träumen können:
       iwi, mana, whanau. Bis auf Southland, den Südzipfel der Südinsel, gab es ja
       im Land der langen weißen Wolke keine regionalen Unterschiede beim Reden,
       nur ethnische. Und niemals, nie, nicht ist der Kiwi-Akzent mit dem
       Australischen zu verwechseln. Darauf steht Todesstrafe.
       
       Auf unserem urtypischen Sound darf ab jetzt niemand mehr herumhacken. Die
       Webseite Big 7 Travel hat eine unwissenschaftliche Umfrage der 50 „sexiest
       accents“ veröffentlicht. Sie krönte den Sound von „Newzild“ als den
       verführerischsten: „Es ist offiziell!“ Auf Platz zwei: Südafrika. Die Iren
       an dritter, die Australier erst an fünfter Stelle. Bätsch. Mit Ach und
       Krach schafften es die Deutschen auf den 46. Platz. „Zuweilen hart, aber
       superklar“, so die Bewertung der Teutonensprache.
       
       Die TV-Sendung „Seven Sharp“ hat zur Feier unseres Weltrekords die
       romantischsten Szenen aus Filmklassikern wie „Titanic“ oder „Wie ein
       einziger Tag“ nachvertont – im Kiwi-Slang. Noch nicht oscar-verdächtig,
       aber turnt total an.
       
       16 May 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anke Richter
       
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