# taz.de -- Debatte um Kollektivierungen: Kühnert will mehr
       
       > Der Juso-Chef legt nochmal nach und macht „neoliberale Beschallung“ für
       > die heftigen Reaktionen auf seine Thesen verantwortlich. Bei der SPD
       > dämmert es.
       
 (IMG) Bild: Manchmal redet man sich halt den Mund fusselig: Kevin Kühnert
       
       Berlin (afp) | Juso-Chef Kevin Kühnert hat in der von ihm ausgelösten
       [1][Debatte über Kollektivierungen] seine Äußerungen bekräftigt. „Ich habe
       das sehr ernst gemeint, was ich formuliert habe“, sagte Kühnert dem
       Spiegel. „Ich habe keine Lust mehr darauf, dass wir wesentliche Fragen
       immer nur dann diskutieren, wenn gerade Friedenszeiten sind, und im
       Wahlkampf drum herumreden.“
       
       Wenn man ernsthaft einen anderen Politikstil wolle, „dann können wir uns
       nicht immer auf die Zunge beißen, wenn es um die wirklich großen Fragen
       geht“, sagte Kühnert weiter. Der Kapitalismus sei „in viel zu viele
       Lebensbereiche“ vorgedrungen. „So können wir auf keinen Fall weitermachen.“
       
       Kühnert wandte sich gegen die [2][massive Kritik an seinen Thesen]. „Die
       empörten Reaktionen zeigen doch, wie eng mittlerweile die Grenzen des
       Vorstellbaren geworden sind“, sagte der Chef der SPD-Jugendorganisation.
       „Da haben 25 Jahre neoliberaler Beschallung ganz klar ihre Spuren
       hinterlassen.“
       
       Kühnert hatte der Zeit etwa mit Blick auf den Automobilkonzern BMW gesagt:
       „Ohne Kollektivierung ist eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar.“
       Wie genau solche Kollektivierungen ablaufen sollten, ließ Kühnert in dem
       Interview offen. Auch private Wohnungsvermietungen soll es nach seiner
       Auffassung im „Optimalfall“ nicht mehr geben.
       
       ## Wie kann die Erneuerung bei der SPD aussehen?
       
       Der Juso-Chef wurde für seine Äußerungen von Union, FDP, AfD und
       Wirtschaftsverbänden scharf kritisiert. Heftiger Widerspruch kam auch aus
       der eigenen Partei. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises,
       Johannes Kahrs, schrieb etwa bei Twitter: „Was für ein grober Unfug. Was
       hat der geraucht? Legal kann es nicht gewesen sein.“
       
       Zuspruch kam dagegen von der Linkspartei. Und auch in der SPD werden
       zunehmend Stimmen laut, die Kühnert gegen Kritik in Schutz nehmen. So sagte
       Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag in der rbb-Sendung
       „Talk aus Berlin“: „Die Aufregung um diese Äußerung von Kühnert zeigt, dass
       er die richtige Frage gestellt hat. Nämlich die Frage nach der Verteilung
       von Einkommen.“
       
       Der Vorsitzende der einflussreichen nordrhein-westfälischen SPD, Sebastian
       Hartmann, sagte dem Spiegel, die Debatte müsse aufgenommen werden. „Wir
       brauchen ein grundlegend neues Wirtschaftsmodell.“ Der ungeregelte Markt
       sei „unser Gegner“. „Ungleichheit ist der Sprengstoff unserer Zeit.“
       
       Auch die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar, Mitglied im
       SPD-Bundesvorstand, lobte Kühnert: „Wenn wir glaubhaft von Erneuerung
       sprechen wollen, müssen wir über den Widerspruch von Arbeit und Kapital
       reden.“ Seit Jahren erstarke der Neoliberalismus und wachse die
       Ungleichheit zwischen Arm und Reich: „Da kann sich die SPD nicht mit dem
       Status quo zufriedengeben.“
       
       3 May 2019
       
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