# taz.de -- Morddrohungen gegen Komikerin: Angst yok, Liebe var
       
       > Die Komikerin Idil Baydar erhält wiederholt rassistische Morddrohungen
       > via SMS. Eine davon mit Bezug auf den Terroranschlag in Christchurch.
       
 (IMG) Bild: Will künftig noch kämpferischer gegen Rassismus vorgehen: Baydar in ihrer Rolle „Jilet Ayse“
       
       Berlin taz | „Diesmal bedrohen sie auch meine Mutter und sie drohen, uns
       abzuknallen wie in Neuseeland“ schreibt die preisgekrönte
       Stand-Up-Künstlerin Idil Baydar auf ihrem privaten Facebook-Profil am
       Mittwochabend. Dies sei bereits die zweite Morddrohung, die sie per SMS*
       erhalten habe.
       
       Idil Baydar wurde 2011 als quietschige Neuköllner Ghettobraut [1][„Jilet
       Ayşe“] auf Youtube berühmt und äußert sich seitdem mit mehreren
       Bühnenprogrammen und Auftritten zu den Themen Rassismus und
       Einwanderungsgesellschaft. Aktuell war die ehemalige Sozialarbeiterin einer
       Neuköllner Oberschule am Donnerstagabend [2][in einer Aufzeichnung der
       Sendung Extra3] zu sehen, in der sie die jüngsten rassistischen Vorfälle in
       den Zuschauerreihen am Rande eines Spiels der deutschen Nationalmannschaft
       als „Jilet Ayşe“ kommentierte.
       
       „SS-Obersturmbannführer“ – so ist die erste SMS unterzeichnet, die sie
       Anfang März erhält. Die zweite SMS erreicht die Schauspielerin am Tag des
       [3][Terrorattentats in Christchurch], Neuseeland. Dort ermordete am 15.
       März ein rechtsextremer Terrorist in zwei Moscheen über 50 Menschen, die
       sich dort zum Freitagsgebet versammelt hatten. Das jüngste Opfer war drei
       Jahre alt.
       
       Unklar bleibt, ob beide SMS vom selben Verfasser stammen. Da der kostenlose
       Kurznachrichtendienst „5 vor 12“ anonymes Versenden erlaubt, ist eine
       Nachverfolgung kaum möglich. Baydar hatte die zweite Morddrohung am
       Mittwoch zufällig auf ihrem mobilen Telefon entdeckt.
       
       ## Baydar will Strafanzeige stellen
       
       „Ich bin nicht schockiert über diese Nachricht“, schreibt Baydar auf ihrer
       Facebookseite. Eher sei sie erschrocken über „das dumpfe Scheißgefühl“,
       dass ihr weder Polizei noch der Rechtsstaat helfen könne.
       
       Auf Nachfrage der taz will Idil Baydar nun mit ihrem Anwalt Mehmet
       Daimagüler, der als [4][Vertreter der Opferfamilien im NSU-Prozess] bereits
       vor Jahren Morddrohungen gleichen Tonfalls erhielt, Strafanzeige bei der
       Staatsanwaltschaft stellen.
       
       Bedenklich findet die Comedian, dass der Verfasser der SMS den Vornamen
       ihrer Mutter kennt. Sie habe dieses Detail bisher nirgendwo öffentlich
       erwähnt, erklärt sie gegenüber der taz.
       
       Trotzdem lasse sie sich nicht entmutigen, und fordert in ihrem
       Facebook-Post, dass Rassismus „als Straftat verhandelt und geahndet werden
       kann“, da sie glaube, „dass Rassisten und Faschisten in die
       Sicherheitsverwahrung und therapeutische Behandlung“ gehörten.
       
       ## „Schärfer, penetranter und deutlicher“ gegen Rassismus
       
       Nach den ersten Berichten über die Morddrohungen erhält Baydar am
       Donnerstagabend in den sozialen Netzwerken zahlreiche
       Solidaritätsbekundungen. „Hände weg von Idil! Lass Dich nicht unterkriegen“
       schreibt die Bundeskoordination Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage
       auf Facebook. [5][Auf Twitter] verknüpfte der Regisseur Ersan Mondtag die
       Drohungen an Idil Baydar mit dem Desinteresse der amtierenden Politik an
       der Aufdeckung rechter Netzwerke: „Jetzt wird ihre Mutter sogar mit
       bedroht, während der amtierende Innenminister rechten Terror
       herunterspielt“.
       
       Mit „Angst yok, Liebe var“ (auf Deutsch: „Es gibt keine Angst, es gibt
       Liebe“) beendet Idil Baydar ihren Facebook-Beitrag. Diese Frau ist nicht
       eingeschüchtert, im Gegenteil: „Ich werde ab jetzt noch intensiver, noch
       schärfer, penetranter, frecher, deutlicher, und intelligenter als bisher
       gegen Rassismus und Menschenhass in jeglicher Form die mir möglich ist,
       vorgehen.“
       
       *Die Autorin verzichtet auf die Wiedergabe der rassistischen Äußerungen, um
       den Hass nicht zu reproduzieren. Screenshots der SMS liegen der Redaktion
       vor.
       
       29 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Portraet-einer-besonderen-Berliner-Goere/!5098932
 (DIR) [2] https://www.ardmediathek.de/ndr/player/Y3JpZDovL25kci5kZS80YmE0NzBiZC0zNjk4LTQ5NDYtYjBhZS1jODY0NTIxZjAzYjI/
 (DIR) [3] /Medien-und-Christchurch-Attentat/!5581619
 (DIR) [4] /Plaedoyers-im-NSU-Prozess/!5429845
 (DIR) [5] https://twitter.com/ErsanMondtag/status/1110977721897615360
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ebru Tasdemir
       
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