# taz.de -- Koalition uneinig über Heils Reformpläne: Streit um die Rentenpläne
       
       > Union und SPD vertreten gegensätzliche Standpunkte zur „Grundrente“. Der
       > Nutzen der SPD-Reformpläne bleibt strittig. Die CDU legte eigene Pläne
       > vor.
       
 (IMG) Bild: Im Osten würde man von den Reformplänen der SPD profitieren: Straße in Brandenburg an der Havel
       
       Berlin taz | Soll bei einer Aufstockung von Kleinrenten vorher die
       Vermögenslage der EmpfängerInnen und das Einkommen des Ehepartners
       überprüft werden oder nicht? [1][Dazu können sich Union und SPD nicht
       einigen]. Man habe bisher „die Positionen ausgetauscht“, sei sich aber
       nicht nähergekommen, sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in einem
       Interview mit dem Sender N24.
       
       Wenn Sozialminister Hubertus Heil (SPD) darauf bestehe, dass es überhaupt
       keine Bedürftigkeitsprüfung geben solle, dann werde eine Einigung „sehr
       schwer“, so Kramp-Karrenbauer. Zuvor hatte der Koalitionsausschuss bis in
       den späten Mittwochabend hinein über dieses Thema gesprochen.
       
       [2][Heil hat ein Papier zur „Grundrente“ vorgelegt], nach der bei einer
       Mindestversicherungszeit von 35 Jahren kleine Renten aufgestockt werden
       sollen, für diese vollen 35 Jahre wären es maximal 896 Euro im Monat.
       Dieses Konzept sieht keine „Bedürftigkeitsprüfung“ vor, eigenes Vermögen
       oder Einkommen des Ehepartners werden bei der Berechnung also nicht
       berücksichtigt. Die Union ist auch für eine Aufstockung von Kleinrenten,
       besteht dabei aber auf einer „Bedürftigkeitsprüfung“, wie sie auch der
       Koalitionsvertrag vorsieht.
       
       CSU-Parteichef Markus Söder warb im ZDF für eine Bedürftigkeitsprüfung mit
       „höheren Freibeträgen“ und der Verschonung von „selbstgenutztem
       Wohneigentum“. Söder verwies darauf, dass viele Menschen, die lange auf ein
       kleines Eigenheim gespart hätten, Angst hätten, „dass dieses Heim
       verpfändet werden muss“. Diese Bedürftigkeitsprüfung à la Söder wäre
       möglicherweise etwas weniger streng als bisher bei den Empfängern von
       Grundsicherung im Alter.
       
       ## Reform würde vor allem dem Osten helfen
       
       Bei dieser bisherigen Prüfung wird eine selbstgenutzte Immobilie von der
       Anrechnung verschont, wenn das Haus nicht zu groß ist. Nach dem Tod des
       oder der Leistungsempfängerin müssen Erben die Immobilie aber verkaufen und
       aus dem Geld die gewährte Grundsicherung zumindest teilweise zurückzahlen.
       
       SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider erklärte am Donnerstag im
       ZDF, die SPD wolle, dass die Betroffenen die Grundrente erhielten, ohne
       sich vor den Behörden „entblättern“ zu müssen.
       
       Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wies am
       Donnerstag auf eigene Berechnungen hin, nach denen zwar knapp sechs
       Millionen Einzelrenten gering genug ausfielen, um die aufstockende
       Grundrente nach dem SPD-Konzept zu beziehen. Davon würden dann aber nur 2,8
       Millionen Renten aufgestockt, weil der Rest nicht die Voraussetzung von 35
       Beitragsjahren erfülle. Im Westen bekämen nur ein Drittel der
       Kleinrentnerinnen eine Aufstockung, von den Kleinrentnern gut die Hälfte.
       Im Osten hingegen profitierten 83 Prozent der Kleinrentnerinnen und 90
       Prozent der Kleinrentner von einer Aufstockung nach dem SPD-Konzept, so das
       IW-Papier.
       
       ## CDU legt einen eigenen Fünf-Punkte-Plan für Hartz IV vor
       
       Im Westen waren viele Frauen nicht oder nur in Minijobs erwerbstätig und
       erfüllen daher die Pflichtbeitragszeiten nicht. Bei den Männern könnte eine
       Rolle spielen, dass sich unter den Kleinrentnern auch Selbstständige
       finden, die eben nur wenige Jahre als Angestellte arbeiteten und in die
       Rentenkasse einzahlten.
       
       Die SPD hat auch ein [3][Papier zur Reform des Sozialstaats] vorgelegt, das
       einen längeren Bezug des Arbeitslosengeldes I vorsieht und danach zwei
       Jahre lang einen Bezug von Hartz IV gestattet ohne Anrechnung von
       Vermögenswerten.
       
       Der CDU-Arbeitsmarktexperte im Bundestag Kai Whittaker präsentierte zu
       Hartz IV am Donnerstag ein eigenes Fünf-Punkte-Papier: Danach soll die
       Betreuung der Arbeitslosen in den Jobcentern verbessert und mehr
       Arbeitsanreize gesetzt werden. Wer neben Hartz IV arbeitet, soll mehr von
       einem höheren Verdienst behalten können. Die ersten 200 Euro Verdienst im
       Monat sollen jedoch voll auf die Hartz-IV-Leistung angerechnet werden. Der
       oder die Leistungsempfängerin hätten also nichts von einem Minijob in
       dieser Größenordnung. (mit afp)
       
       14 Feb 2019
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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