# taz.de -- Journalistin aus den Niederlanden: Türkei schiebt Reporterin ab
       
       > Gerade erst hat die Journalistin Ans Boersma eine neue Presse-Genehmigung
       > bekommen. Nun musste sie die Türkei umgehend verlassen.
       
 (IMG) Bild: Mit dem ersten Flug zurück nach Amsterdam (Symbolbild)
       
       Istanbul taz | Erst vor einer Woche hatte die niederländische Journalistin
       Ans Boersma (31) einen neuen Presseausweis für ihre Arbeit in der Türkei
       erhalten. Am Donnerstagmorgen ist sie nun von Istanbul nach Amsterdam
       abgeschoben worden – wegen des Verdachts, Kontakte zu einer
       Terrororganisation zu haben.
       
       Zuvor war Boersma am Mittwochnachmittag auf der Ausländerbehörde in
       Istanbul festgenommen worden, wo sie unter Vorlage des neuen
       Presseausweises ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen wollte.
       
       Ans Boersma, die seit Anfang 2018 als Korrespondentin für die holländische
       [1][Wirtschaftszeitung Het Financieele Dagblad (FD)] in der Türkei
       arbeitete, wurde fünf Stunden auf der nächstgelegenen Polizeiwache im
       Stadtteil Bakirköy vernommen und dann zum Flughafen gebracht, wo sie die
       Nacht in einer Abschiebezelle verbrachte.
       
       „Und dann ist man auf einmal im Flugzeug zurück in die Niederlande und zur
       unerwünschten Person erklärt“, schrieb sie kurz vor ihrer Abschiebung auf
       Twitter. Gegen Boersma soll eine sechsjährige Einreisesperre in die Türkei
       verhängt worden sein.
       
       FD-Chefredakteur Jan Bonjer und die niederländische
       Journalistengewerkschaft liefen gegen die Ausweisung Sturm und sprachen von
       „eklatanter Verletzung der Pressefreiheit“ und einem „neuen Tiefpunkt“ im
       Umgang der türkischen Regierung mit Journalisten.
       
       Von der türkischen Regierung kam am Donnerstagmittag allerdings eine ganz
       andere Erklärung. Über „Whats App“ wandte sich der neue
       Informationsminister und Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan,
       Fahrettin Altun, in einem ungewöhnlichen Schritt direkt an alle KollegInnen
       von Ans Boersma.
       
       Er teilte den „Mitgliedern des internationalen Pressecorps in der Türkei“
       mit, dass die Ausweisung von Ans Boersma nicht von der Türkei ausging,
       sondern aufgrund einer Meldung des niederländischen Nachrichtendienstes an
       ihre türkischen Kollegen erfolgte. Darin sei behauptet worden, Ans Boersma
       habe Kontakte zu „einer designierten Terrororganisation“.
       
       Die niederländische Polizei hätte deshalb darum gebeten, die türkische
       Polizei möge ihr die Aus- und Einreisedaten von Ans Boersma in die Türkei
       mitteilen. Da in der Türkei mehrere Terrororganisationen aktiv seien und
       schon 2.000 türkische Zivilisten getötet hätten, sei man nun vorsichtig und
       hätte die betreffende Journalistin auf eine Liste der unerwünschten
       Personen gesetzt.
       
       Per Twitter legte Altun nach und erklärte, „wenn ein seriöser
       Nachrichtendienst einer angesehenen ausländischen Regierung dir mitteilt,
       eine ihrer Bürgerinnen hätte Beziehungen zu Terroristen“, muss du
       reagieren. „Nur die niederländischen Autoritäten sind in der Position zu
       erklären, wie sie zu dieser Meinung gekommen sind. Wir wollen nicht darüber
       spekulieren“.
       
       Offiziell hat sich Amsterdam zu diesem Statement noch nicht geäußert.
       Allerdings wurde in der Whats-App-Gruppe der ausländischen Korrespondenten
       in der Türkei die Meldung verbreitet, der niederländische
       Generalstaatsanwalt habe im Fernsehen gesagt, die Polizei hätte nicht die
       Deportation von Boersma gefordert. Er könne nichts dazu sagen, ob gegen die
       Journalistin in den Niederlanden ein Ermittlungsverfahren im Gange sei.
       
       Die Türkei und die Niederlande haben erst vor Kurzem wieder Botschafter in
       das jeweils andere Land geschickt, nachdem die diplomatischen Beziehungen
       2017 auf Eis gelegt worden waren. Die Niederlande hatten sich geweigert,
       türkische Minister im Wahlkampf auftreten zu lassen.
       
       17 Jan 2019
       
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