# taz.de -- Nach dem Machtwechsel im Kongo: Das sind neue Töne
       
       > Im Kongo protestieren Studierende gegen die Erhöhung der Studiengebühren.
       > Präsident Tshisekedi unterstützt sie und verurteilt die Polizeigewalt
       > scharf.
       
 (IMG) Bild: Unabhängige Beobachter bezweifeln, dass Tshisekedi wirklich Sieger der Wahl ist
       
       Kaum im Amt, sieht sich [1][Kongos neuer Präsident Félix Tshisekedi] mit
       der sozialen Frage konfrontiert – in dem bitterarmen
       90-Millionen-Einwohner-Land ist das Überleben für die Mehrheit der
       Bevölkerung eine tägliche Herausforderung. Vier Menschen starben am Sonntag
       in der südlichen Bergbaumetropole Lubumbashi, als die Polizei gegen
       demonstrierende Studenten vorging. Die Protestierenden forderten Strom und
       fließendes Wasser an der Universität sowie eine Senkung der
       Studiengebühren.
       
       Am Montag weiteten sich die Proteste auf eine Hochschule in Bukavu im Osten
       des Landes aus sowie auf die technische Hochschule der Hauptstadt Kinshasa.
       Auch der öffentliche Nahverkehrsbeteiber Transco in Kinshasa trat wegen
       unbezahlter Löhne in den Ausstand.
       
       Grund für die Studentenproteste ist die Erhöhung der zu jedem
       Semesterbeginn fälligen Einschreibgebühr von 9.200 auf 16.050 kongolesische
       Franc (von 5 auf 8,60 Euro) zum Jahreswechsel. Das durchschnittliche
       Pro-Kopf-Einkommen im Kongo liegt bei knapp über einem Euro am Tag. Die
       Proteste am Montag blieben friedlich, nachdem am Sonntag in Lubumbashi drei
       Studenten von der Polizei erschossen und ein Polizist getötet worden waren.
       
       Präsident Tshisekedi verurteilte am Montag die Polizeigewalt scharf. Die
       von seinem neuen Kabinettschef Vital Kamerhe unterzeichnete Erklärung
       kondolierte den Hinterbliebenen aller Toten, sprach von „legitimen
       Forderungen“ der Studierenden und kritisierte, Polizeikommissar Bertin
       Yaweh habe „befohlen, ohne Vorwarnung auf friedliche Studenten zu schießen,
       als diese eine Audienz mit dem Provinzgouverneur von Oberkatanga
       verließen“. Der Kommissar werde suspendiert und vor ein Militärgericht
       gestellt, die Gebührenerhöhung sei ausgesetzt.
       
       ## Der erste friedliche Machtwechsel
       
       Das sind neue Töne in der Demokratischen Republik Kongo. Tshisekedi, Führer
       von Kongos ältester Oppositionspartei UDPS (Union für Demokratie und
       Sozialen Fortschritt), [2][hatte das Amt des Präsidenten am 24. Januar von
       Joseph Kabila übernommen], nachdem er zum Sieger der Präsidentschaftswahl
       vom 30. Dezember erklärt worden war.
       
       Zwar sind sich die meisten unabhängigen Beobachter einig, dass Tshisekedis
       Sieg das Ergebnis von Fälschungen war. Den eigentlichen Wahlsieger Martin
       Fayulu vom größten Oppositionsbündnis Lamuka wollte das Kabila-Lager
       verhindern und mit der Bevorzugung Tshisekedis spaltete es die Opposition.
       Dennoch richten sich jetzt große Erwartungen auf den ersten friedlichen
       Machtwechsel in der Geschichte des Landes. Jubelnde UDPS-Anhänger
       skandierten bei der Amtseinführung am Donnerstag ihre alte Parteiparole
       „Das Volk zuerst“.
       
       Wie weit Tshisekedis Macht geht, wird sich erst noch zeigen: Im Parlament,
       das am Montag erstmals neu gewählt zusammentrat, und damit auch in der
       zukünftigen Regierung behält das Kabila-Lager die Mehrheit. Aber immerhin
       versöhnt er mit seinen ersten Schritten auch solche Oppositionellen, die
       ihm zuvor Ausverkauf an Kabila vorgeworfen hatten.
       
       28 Jan 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Praesidentenwahl-im-Kongo/!5563846
 (DIR) [2] /Umstrittene-Wahl-im-Kongo/!5566621
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kongo
 (DIR) Präsidentenwahl
 (DIR) Protest
 (DIR) Studenten
 (DIR) Felix Tshisekedi
 (DIR) Schwerpunkt Polizeigewalt und Rassismus
 (DIR) Ostkongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Kongo
 (DIR) Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Belgien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) FDLR-Kämpfer im Ostkongo: Gewehrsalven in der Nacht
       
       Trotz Widerstands der Armee nimmt die Gewalt im Ostkongo zu. Nun hat die
       ruandische FDLR-Miliz die Provinzhauptstadt Goma angegriffen.
       
 (DIR) „Notprogramm“ für Kongo: Freiheit und Arbeit
       
       Kongos neuer Präsident Felix Tshisekedi verkündet die Freilassung
       politischer Gefangener. Und ein umfassendes Straßenbauprogramm.
       
 (DIR) Machtwechsel im Kongo: Hoffnung auf Frieden in Kasai
       
       Erste Aufständische in kongolesischer Unruheregion legen die Waffen nieder.
       Sie bejubeln den neuen Präsidenten Felix Tshisekedi.
       
 (DIR) Präsidentenwahl im Kongo: Starker Name, schwacher Charakter
       
       Félix Tshisekedi übernimmt das höchste Staatsamt. Er ist das genaue
       Gegenteil von seinem Vater, der den Widerstandsgeist verkörpert hat.
       
 (DIR) Umstrittene Wahl im Kongo: Gericht erklärt Tshisekedi zum Sieger
       
       Das Verfassungsgericht hält Einsprüche für unbegründet. Beobachter halten
       die Präsidentschaftswahl dennoch für manipuliert.
       
 (DIR) Kongo-Kunst im Brüsseler Afrikamuseum: Leopold wohnt jetzt im Keller
       
       Das Brüsseler Afrikamuseum glorifizierte einst die belgische
       Kongo-Kolonialherrschaft. Nun soll es den Kongo feiern. Wie kann das
       gelingen?