# taz.de -- Ausstellungsempfehlung für Berlin: Glücklich wohnen
       
       > Um Wohnen, Gentrifizierung und Verdrängung geht es in der
       > Gruppenausstellung „Habitat Happy“. Die taz sprach mit der Künstlerin
       > Laure Catugier.
       
 (IMG) Bild: Igor Ponosov in seinem Cape-Zelt bei der Aktion „Cutting the Walls“, 2015 (Ausschnitt).
       
       Einen besseren Ort könnte man sich für „Habitat Happy“ kaum vorstellen. Die
       [1][Galerie Neurotitan] befindet sich inmitten eines der am massivsten
       gentrifizierten Gebiete der Stadt, dem Hackeschen Markt. Und um
       Gentrifizierung, Wohnen und Verdrängung, die Themen also, die Berlin
       momentan stärker bewegen als alle anderen, geht es auch in der von Annika
       Hirsekorn kuratierten Schau, in der künstlerische auf aktivistische
       Positionen treffen.
       
       „Haunted Landlord“ (2017) vom [2][Peng! Kollektiv] kann man da etwa
       wiedersehen oder die Plakatkampagne „#Boycottairbnb“ (2016) von [3][Rocco
       und seinen Brüdern].
       
       Fast historisch mutet daneben „Land’s End“ an, eine Performance aus 2010,
       in der aus ausgebrannten Luxuslimousinen neu betextete Opernarien ertönen.
       (An Wochenenden im Hof zu sehen). Das Kollektiv [4][KUNSTrePUBLIK] führte
       sie damals auf dem Mauerstreifen nahe dem Spittelmarkt auf. Die Brachen von
       damals gibt es längst nicht mehr, dafür edle Townhouses und Büros.
       
       Die Fronten haben sich verlagert. Und verschärft. Hier wie anderswo. In
       Moskau zum Beispiel, wo [5][Igor Ponosovs] aus Planen in Mauerwerkoptik,
       die sonst Baustellen abschirmen, als Cape tragbare Zelte schneiderte, um
       auf die Ausgrenzung Obdachloser hinzuweisen.
       
       Abstrakter ist der Zugang [6][Laure Catugiers] zum Thema. In „Flowing
       Roofline“ imitiert sie Abreißzettel, wie man ihn von Laternenmasten kennt.
       Das darauf beworbene Gebäude hat jedoch weder Fenster, noch stimmen seine
       Perspektiven. Wer soll da noch wohnen?
       
       Einblick (754): Laure Catugier, Künstlerin 
       
       taz: Welche Ausstellung in Berlin hat dich zuletzt an- oder auch aufgeregt?
       Und warum? 
       
       Laure Catugier: Im nbk gibt es gerade eine tolle Ausstellung über die
       konzeptuellen Künstler, die im Projektraum „A 37 90 89“ in Antwerpen
       zusammengearbeitet haben. Die grafische Schwarz-Weiß-Ästhetik der 1960er
       inspiriert mich sehr, besonders die Videos von Jef Cornelis.
       
       Welches Konzert oder welchen Klub in Berlin kannst du empfehlen? 
       
       Einen erstaunlichen Ort habe ich vor Kurzem in Kreuzberg entdeckt: die
       Filmkunstbar „Fitzcarraldo“. Man kann am Wochenende gleichzeitig Kunstfilme
       ausleihen und tanzen, da dann der Raum zum improvisierten Disco-Klub wird!
       
       Welche Zeitschrift/welches Magazin und welches Buch begleitet dich zurzeit
       durch den Alltag? 
       
       Mein letztes Buch war eine Biografie des italienischen Architekten Carlo
       Scarpa. Ansonsten: Immer wenn ich das Berliner Magazin Stressfaktor in
       Kneipen oder Klubs sehe, blättere ich es automatisch durch, um die Stimmung
       der alternativen Szene zu messen. Ich finde es spannend, die Aktivitäten
       der Hausprojekte zu beobachten, die sich parallel zur Gentrifizierung
       entwickeln.
       
       Was ist dein nächstes Projekt? 
       
       Ich bereite gerade eine Ausstellung im Japanisch-Deutschen Zentrum in
       Dahlem vor, wo ich einige Arbeiten zeige, die ich vor Kurzem während einer
       Kunst-Residency in Takasaki in Japan gemacht habe. Außerdem muss ich
       langsam meine Residency in St. Petersburg organisieren.
       
       Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht dir am meisten
       Freude? 
       
       Wenn ich mit dem Fahrrad zu meinem Atelier nach Lichtenberg fahre, versuche
       ich unterschiedliche Wege zu nehmen, um Neues zu entdecken. Es gibt ständig
       Baustellen, die ich gerne nachts oder am Wochenende besuche.
       
       Dieser Text erscheint im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg
       immer donnerstags in der Printausgabe der taz.
       
       3 Jan 2019
       
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