# taz.de -- Kommentar Cannabiswirtschaft: Where the flavour is
       
       > Ein Tabakkonzern will wohl einen Cannabisproduzenten übernehmen. Das ist
       > zwar kapitalistisch – aber trotzdem ein Fortschritt.
       
 (IMG) Bild: Keep rollin' rollin‘ rollin' rollin‘
       
       Wirklich bestätigt ist die Meldung nicht, die seit einigen Tagen durch die
       Kanäle geistert: Dass also der Tabakkonzern Altria, der unter anderem für
       Marlboro steht, an der Übernahme des kanadischen Cannabisproduzenten Cronos
       interessiert ist. In die Zeit passen würde die Nachricht allerdings.
       
       Denn überall dort, wo Cannabisprodukte auch als Genussmittel endlich legal
       sind, also [1][in immer mehr US-Bundesstaaten] [2][und eben in Kanada], und
       Produktion und Vertrieb zwar unter staatlicher Lizenzierung, nicht aber wie
       in Uruguay unter staatlicher Ägide stattfinden, drängt privates Kapital aus
       anderen Sparten in den aufstrebenden Markt. Was für ein Fortschritt, wenn
       solche Übernahmeverhandlungen jetzt Kurssprünge provozieren und nicht
       blutige Kämpfe konkurrierender Kartelle!
       
       Anhand öffentlicher Umsatzzahlen und Börsennotierungen wird jetzt
       allmählich der gesamte Umfang dieses Geschäftsfeldes sicht- und messbar,
       das vor der Legalisierung unverantwortlicherweise einfach der organisierten
       Kriminalität überlassen worden war.
       
       Denn die Steigerungsraten, die etwa die legale Cannabisindustrie im
       US-Bundesstaat Colorado verzeichnet, gehen nach Daten der dortigen
       Gesundheitsbehörden nicht etwa auf einen Konsumanstieg zurück, sondern
       offenbar ausschließlich darauf, dass der legale Markt dem vorher allein
       herrschenden Schwarzmarkt immer mehr Anteile abjagt.
       
       Dass in so einer Situation Traditionskonzerne mit schwindenden Umsätzen wie
       eben aus der Tabakindustrie in diesen Markt investieren, kann nicht
       verwundern. Mancher Kiffer mag das blöd finden – aber das ist eine ziemlich
       dämliche Position.
       
       Denn kapitalistisch organisiert war der Drogenmarkt auch vorher – [3][in
       der brutalsten Form des Raubtierkapitalismus überhaupt], ohne
       Qualitätskontrolle, Verbraucherschutz, Umweltauflagen,
       Arbeitsschutzbestimmungen und Besteuerung. Wenn der Preis dafür, das alles
       endlich zu haben, in der mangelhaften Coolness einer Übernahme durch
       Marlboro besteht – super! Come to where the flavour is.
       
       5 Dec 2018
       
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