# taz.de -- Kolumne Mithulogie: Liebe ist schöner als Kapitalismus
       
       > Darf ich nur mit Menschen kooperieren, denen ich nie widerspreche? Nein,
       > wir müssen Probleme gemeinsam lösen und dabei solidarisch sein.
       
 (IMG) Bild: Make Love not War bedeutete nicht nur Ficken statt Schießen
       
       Vor Kurzem habe ich einen unkontroversen Artikel auf Facebook gepostet.
       Zumindest dachte ich, er wäre unkontrovers. Es ging um das Positionspapier
       der FDP mit der Forderung, den Berufsstand der Heilpraktiker*innen
       abzuschaffen. Scherz: Die FDP schreibt natürlich Heilpraktiker ohne *.
       Frauen* dürfen anscheinend weiter praktizieren.
       
       Innerhalb Sekunden entzündete sich eine [1][Diskussion contra
       Alternativmedizin und contra FDP.] Pro ist ja nicht die größte Stärke von
       Facebook. Ich bekam Mails, dass Homöopathie Humbug sei, und andere, die
       Angst hatten, der Staat würde uns demnächst allen präventive Chemotherapie
       zwangsverordnen. Und ich dachte: Hey, wenn wir uns nicht mal einigen
       können, ob Leute selbst auswählen dürfen, wie sie behandelt werden wollen –
       wie sieht es dann bei wirklich kontroversen Themen aus?
       
       Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen nicht besonders gut darin
       sind, vom Konkreten aufs Allgemeine zu schließen. Ja, wir streiten uns über
       Globuli, aber wir gehen zusammen auf die Straße #unteilbar. Das war schon
       ein verdammt kühnes Unterfangen im Oktober, eine Demo für Solidarität zu
       organisieren. Was wäre gewesen, wenn nur 100 Nasen gekommen wären? Wir
       nennen uns #unteilbar, weil wir so ironisch sind?
       
       Statt dessen kam… rund eine Viertelmillionen. Es ist nämlich nicht so, dass
       alle Welt plötzlich nach rechts gedriftet wäre. Das wirkt nur so, weil die
       243.000 Menschen der Unteilbar-Demo die selbe Anzahl an Nachrichtenminuten
       bekamen wie die 300 Mitglieder des AfD Parteitags am selben Tag in
       Thüringen.
       
       ## Theorie und Praxis
       
       Dafür gibt es – ätsch! – seit heute ein Buch mit den Reden der
       #unteilbar-Kundgebung. Die Themen reichen von der Mietbremse via
       Gewerkschaften für Ryan Air Pilot*innen bis zur Seenotrettung und zum
       dritten Geschlechtseintrag – und bei allen diesen Themen geht es ans
       Eingemachte. [2][Deshalb stänkerte die Welt:] „Dass der Zentralrat der
       Muslime unteilbar mit der Giordano-Bruno-Stiftung verbunden ist, die alle
       zwei Jahre einen Blasphemie Kunstpreis vergibt, darf bezweifelt werden.“
       
       Ja, darf ich etwa nur mit Menschen kooperieren, mit denen ich an jedem
       Punkt übereinstimme? [3][Oder mit den Worten der ersten Rednerin Kübra
       Gümüsay:] „Es geht nicht darum zu sagen: ‚Seht mal her, alles ist toll. Es
       gibt überhaupt keine Probleme.‘ Es geht darum zu sagen: ‚Wir sehen die
       Probleme. Wir sehen die Konflikte. Aber wir wollen sie lösen. Und zwar:
       gemeinsam.‘“
       
       Denn das ist es, was wir brauchen: eine Theorie und Praxis der Liebe und
       Solidarität. Hört sich hippie an? Scheiß drauf! In den Sixties konnte man
       noch sagen: Make Love not War. Und das bedeutete eben nicht nur Ficken
       statt Schießen, sondern die selbe Aufmerksamkeit in Kommunikation und
       Transformation zu stecken wie in Unterschiede.
       
       Deshalb: Egal, ob ihr Arnica nehmt oder Aspirin – I love you all!
       
       3 Dec 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pro--Contra-Homoeopathie/!5306899
 (DIR) [2] https://www.welt.de/debatte/kommentare/article181824066/unteilbar-Demo-Dieses-Label-ist-Fiktion.html
 (DIR) [3] /Aus-taz-FUTURZWEI/!5534039
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mithu Sanyal
       
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