# taz.de -- Wikileaks enthüllt Panne bei der US-Justiz: Geheime Assange-Anklage wird publik
       
       > In Gerichtsdokumenten taucht der Name des Wikileaks-Gründers Julian
       > Assange auf. Die US-Staatsanwaltschaft behauptet nun, es handele sich um
       > ein Versehen.
       
 (IMG) Bild: Julian Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen
       
       Washington afp | In den USA ist laut der [1][Enthüllungsplattform
       Wikileaks] eine bislang geheime Anklage gegen ihren [2][Gründer Julian
       Assange] versehentlich bekannt geworden. Staatsanwälte hätten die Existenz
       der unter Verschluss gehaltenen Anklage oder deren Entwurf versehentlich in
       Gerichtsdokumenten in einem anderen Fall enthüllt, erklärte Wikileaks am
       Donnerstagabend. Schuld sei vermutlich ein „Fehler beim Kopieren und
       Einfügen“ in dem anderen Fall. Die genauen Vorwürfe gegen Assange waren
       zunächst unklar.
       
       Assanges Name tauchte laut Wikileaks in Gerichtsdokumenten im
       US-Bundesstaat Virginia in einem Fall auf, bei dem es keinen Bezug zum
       Wikileaks-Gründer gibt. In den Unterlagen bat die stellvertretende
       Staatsanwältin Kellen Dwyer den Richter um Verschwiegenheit. Angesichts der
       „Raffinesse des Angeklagten und der Öffentlichkeit um den Fall“ müsse die
       Anklage bis zur Festnahme Assanges geheim bleiben, schrieb sie darin.
       
       Die Nennung des Namens Assange in den Unterlagen war einem Experten der
       George Washington University aufgefallen, der dafür bekannt ist, solche
       Dokumente genauestens zu studieren. [3][Seamus Hughes twitterte die
       ungewollte Bekanntgabe] der Anklage gegen Assange. In dem Gerichtsdokument
       sei Assange nicht der „beabsichtigte Name“ gewesen, sagte ein Sprecher der
       Staatsanwaltschaft im Eastern District von Virginia. Das Dokument sei „aus
       Versehen“ erstellt worden.
       
       Ein Anwalt Assanges kritisierte den angeblichen Fehler scharf. Es sei
       „unverantwortlich“, in öffentlichen Unterlagen Informationen zu nennen, die
       nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien und über die der Betroffene
       nicht informiert worden sei, sagte Barry J. Pollack der „Washington Post“.
       Er wisse bisher nichts von einer Anklage Assanges.
       
       ## Assange befürchtet Todesstrafe in den USA
       
       Wikileaks hatte [4][2010 hunderttausende geheime Dokumente veröffentlicht],
       unter anderem über das Vorgehen der US-Streitkräfte während der Kriege im
       Irak und in Afghanistan. Assange befürchtet deswegen, dass ihm in den USA
       ein Prozess wegen Geheimnisverrats und womöglich sogar die Todesstrafe
       drohen könnte.
       
       Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen, um
       einer Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen.
       Die Stockholmer Staatsanwaltschaft legte den Fall vergangenes Jahr zu den
       Akten. Allerdings besteht nach wie vor ein britischer Haftbefehl, weil
       Assange 2010 gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll.
       
       Die Anklage gegen Assange in den USA könnte auch Auswirkungen auf die
       Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller zur Einmischung Russlands
       in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 haben. Mueller prüft dabei, ob das
       Wahlkampfteam von Donald Trump illegale Absprachen mit Moskau getroffen
       hat, um die Wahl zu beeinflussen.
       
       Mueller ließ im Juli [5][zwölf russische Spione anklagen]. Sie sollen in
       Computer der Parteizentrale der Demokraten eingedrungen sein und tausende
       E-Mails und andere Dokumente gestohlen haben. In einer der Anklagen spielt
       Wikileaks eine Rolle, weil die Plattform von den Russen genutzt wurde, um
       die gestohlenen Mails zu veröffentlichen.
       
       16 Nov 2018
       
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