# taz.de -- Kommunalwahlen in Polen: PiS verliert in weiteren Städten
       
       > Die nationalpopulistische Regierungspartei punktet vor allem auf dem
       > Land. In den Großstädten kommen ihre EU-kritischen Töne nicht an.
       
 (IMG) Bild: Stimmabgabe in der Kleinstadt Lomianki
       
       Warschau taz | Das hatten sich Polens regierende Nationalpopulisten von der
       Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in ihren schwärzesten Träumen nicht
       vorstellen können: In den Großstädten erlitten sie bei den Regionalwahlen
       eine schwere Schlappe. Schon in der ersten Runde [1][vor zwei Wochen]
       stimmten die Bürger von Warschau, Breslau, Posen, Lodz und Lublin für
       europafreundliche Oberbürgermeister von der liberalkonservativen
       Bürger-Koalition (KO).
       
       In der Stichwahl am Sonntag setzten sich in Krakau und Danzig mit jeweils
       mehr als 60 Prozent der Stimmen die bisherigen Amtsinhaber Jacek
       Majchrowski und Pawel Adamowicz durch. Die Gegenkandidaten von der PiS,
       Malgorzata Wassermann und Kacper Plazynski, verloren weit abgeschlagen mit
       jeweils rund 35 Prozent der Stimmen.
       
       Auch wenn die PiS in nun sieben von 16 Regionalparlamenten allein regieren
       kann, ist das Signal für die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2019
       klar: Sollte die PiS ihren EU-skeptischen Ton nicht ändern, wird sie auch
       die nächsten Wahlen in den Städten verlieren.
       
       Am Sonntag mussten die Wähler in 649 Städten noch einmal an die Urnen, um
       in einer Stichwahl den Bürgermeister zu bestimmen. Die PiS warf alle ihre
       Kräfte in den Wahlkampf. Neben Premier Mateusz Morawiecki war es
       insbesondere Parteichef Jaroslaw Kaczynski, der die Ochsentour durch
       vielversprechende Städte auf sich nahm. Doch vergeblich. Lediglich in 5 von
       107 Städten wird die PIS den Oberbürgermeister stellen.
       
       ## Hilfe vom Premierminister
       
       In Krakau half Polens Premier von der PiS dem bisherigen Stadtpräsidenten
       sogar noch, als er wahrheitswidrig behauptete, dass Jacek Majchrowski
       nichts oder fast nichts gegen dem Smog in der Stadt getan hätte. Prompt
       musste er sich – noch vor der Stichwahl – offiziell dafür entschuldigen.
       Denn Krakau ist längst Vorbild für andere Städte, wenn es um
       Luftreinhalte-Politik geht.
       
       Dies war nicht immer so. Doch die überaus erfolgreiche
       Nichtregierungs-Organisation „Krakauer Smogalarm“ hatte gemeinsam mit
       lokalen Medien und vielen Bürgerprotesten einen solchen Druck aufgebaut,
       dass der Krakauer Stadtrat am Ende ein millionenschweres Programm zum
       Austausch von Kohle- gegen Gas-Öfen auflegte.
       
       Auf diese Politik sind die meisten Krakauer stolz. Dass Morawiecki die
       PiS-Kandidatin dann auch noch mit der in Krakau hoch verehrten Königin
       Jadwiga (Hedwig) verglich, war ein kaum noch gut zu machenden Faux Pas. So
       wählten die Krakauer am Sonntag Jacek Majchrowski, der früher der
       Links-Allianz (SLD) angehörte, heute aber unabhängig ist, zum fünften Mal
       in Folge zu ihrem Stadtpräsidenten.
       
       In Danzig jubelte Pawel Adamowicz, als er die ersten Hochrechnungen sah:
       „Danzig bleibt eine freie Stadt“. Für ihn war die Wahlkampagne alles andere
       als einfach, hatte sich doch seine bisherige Partei, die
       liberalkonservative Bürgerplattform (PO) vom ihm abgewandt, als die
       Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn begann. Adamowicz soll
       unvollständige Vermögensangaben gemacht haben, was die Staatsanwaltschaft
       ihm als Betrug am Wähler vorwirft.
       
       ## Ein paar Positionen vergessen
       
       Adamowicz behauptet, immer alle Steuern bezahlt zu haben, allerdings ganz
       am Anfang, als er sich um das Amt des Stadtpräsidenten beworben habe, ein
       paar Positionen vergessen zu haben. Später habe er die Vermögenserklärung
       einfach abgeschrieben und nur noch neuere Erwerbungen oder geänderte
       Kontostände dazu geschrieben. Noch gibt es kein Urteil.
       
       Immerhin warb Jaroslaw Walesa nach seiner Niederlage als PO-Kandidat für
       Adamowicz in der Stichwahl. Jaroslaw Walesa ist nicht nur PO-Abgeordneter
       im Europäischen Parlament, sondern auch der jüngste Sohnes von Lech Walesa,
       dem Chef der Gewerkschafts- und Friedensbewegung Solidarnosc.
       
       Auf die Frage, ob die PiS einen kommissarischen Stadtpräsidenten einsetzen
       kann, sollte Adamowicz den Prozess verlieren, winkt der nur lachend ab:
       „Leute, lest das Gesetz über die Selbstverwaltung! Da steht alles drin. Es
       wird keinen kommissarischen Stadtpräsidenten in Danzig geben“
       
       5 Nov 2018
       
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