# taz.de -- Grünen-Chefin über die Bayernwahl: „Ein gemeinsamer Erfolg“
       
       > Konkrete Themen setzen, Leute in Dörfern ansprechen und zu
       > Menschenrechten stehen: Parteichefin Annalena Baerbock erklärt den
       > Wahlerfolg der Grünen in Bayern.
       
 (IMG) Bild: Am Wahlabend in Berlin: Annalena Baerbock freut sich über das Ergebnis in Bayern
       
       taz: Frau Baerbock, was ist der Grund für [1][den grünen Wahlerfolg in
       Bayern]?
       
       Annalena Baerbock: Diese Wahl hat drei entscheidende Dinge deutlich
       gemacht: Erstens zeigt die gestiegene Wahlbeteiligung, dass die Leute Lust
       auf Politik haben, weil es gerade wirklich um etwas geht. Zweitens: Wer den
       Rechten hinterher läuft, der verliert. Und drittens haben die Grünen in
       Bayern auf Zuversicht und Veränderungswillen gesetzt – und damit gewonnen.
       
       Was können die Bundesgrünen von ihren bayerischen Parteifreunden lernen? 
       
       Der Landtagswahlkampf ging ja Hand in Hand mit dem, was wir im Bund seit
       einem Dreivierteljahr probieren. Wir kümmern uns um die konkreten Themen
       und Probleme, die Leute in Dörfern und Städten umtreiben. Wir versuchen
       eine Sprache zu finden, die verbindet und die man versteht. Dabei sind wir
       sehr klar: ein klar europäischer Kurs, eine klare Haltung bei
       Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Und wir stellen eigene Themen nach
       vorne. Das Ergebnis jetzt ist also ein gemeinsamer Erfolg und gibt
       Rückenwind auch für die Landtagswahl in Hessen.
       
       Die Grünen wollen ja die „führende Kraft der linken Mitte“ werden. Haben
       Sie jetzt Ihr Ziel erreicht? 
       
       In Bayern offensichtlich schon. Was die Grünen dort machen, ist Politik,
       die auf die Breite der Gesellschaft zielt. Ihnen geht es um die 90-Jährige
       im Pflegeheim, die keine vernünftige Versorgung bekommt. Und um die Familie
       in Nürnberg, die aus ihrem Viertel vertrieben wird, weil die Mieten so
       extrem steigen.
       
       Ist diese Wahl wirklich der Beweis, dass weltoffene Politik gewinnt? Die
       [2][SPD hat stark verloren], das linke Lager unter dem Strich nichts dazu
       gewonnen. 
       
       Ich habe bei meiner Tour durch Bayern Leute getroffen, die ihr Leben lang
       CSU gewählt haben. Und dieses Mal uns, weil sie eine Partei unterstützen
       wollen, die für Europa und für die Grundwerte dieser Republik einsteht. Und
       ich habe ehemalige SPD-Wähler getroffen, die uns offenbar ganz gut finden.
       Und: Wir haben fast 120.000 Nichtwähler davon überzeugt, dass ihre Stimme
       einen Unterschied macht.
       
       Auch wenn es – Stand jetzt – unwahrscheinlich ist: Was spricht aus Ihrer
       Sicht für ein schwarz-grünes Bündnis? 
       
       Regieren ist kein Selbstzweck. Hundertausende Menschen, die uns noch nie
       gewählt haben, haben uns jetzt ihr Vertrauen schenken, weil wir für eine
       wirklich andere Politik angetreten sind. Und gerade habe ich nicht den
       Eindruck, dass die CSU verstanden hat, dass solche grundlegenden
       Veränderungen nötig sind. Ohne diese Veränderungen geht es aber für uns
       nicht. Das haben wir vor der Wahl deutlich gemacht und das gilt nach der
       Wahl mit diesem Ergebnis umso mehr.
       
       Welche Bedingungen hätten die Grünen für eine Koalition? 
       
       Mit uns kann man über eine ökologische, soziale und weltoffene Politik
       reden, aber nicht über eine antieuropäische und autoritäre. Apropos
       autoritär: Wir haben mit dem bayerischen Landesverband zusammen einen
       gemeinsamen Wahlkampf gemacht, aber bei uns gibt es keine Ansagen von „da
       oben“.
       
       Aber als Parteivorsitzende haben Sie doch eine Vorstellung, wie es laufen
       sollte. 
       
       Klar. Zum Beispiel europäisch. Ganz Europa ist in eine Schockstarre
       gefallen, als die CSU die Binnengrenzen wieder hochgezogen hat. Markus
       Söders Absage an den Multilateralismus hat ja nicht nur bei uns, sondern
       bei fast allen EU-Partnern für echte Irritationen gesorgt.
       
       Söder tendiert zu einem „bürgerlichen Bündnis“. Heißt übersetzt: Er will
       mit den Freien Wählern reden. Landen Sie also doch wieder in der
       Opposition? 
       
       Allein diese Wahl hat Bayern schon mal verändert. Damit werden wir weiter
       machen, egal aus welcher Rolle heraus.
       
       Glauben Sie, dass es personelle Veränderungen in der CSU gibt? Dass Sie es
       zum Beispiel bald mit einem anderen Innenminister zu tun haben? 
       
       Horst Seehofer hat massiven Schaden in Europa angerichtet. Sein
       Kamikazekurs in der Flüchtlingspolitik hat nicht nur die Bayern-Wahl
       beeinflusst, sondern die ganze Republik und Europa. Aber es ist Sache der
       CSU, über ihr Personal zu entscheiden.
       
       15 Oct 2018
       
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