# taz.de -- Rücktritt der US-Botschafterin bei der UN: Gerüchte über Nachfolge
       
       > Kaum hat Nikki Haley ihren Rückzug verkündet, gibt es erste Spekulationen
       > über ihre Nachfolge. Insider befürchten es wird ein Hardliner.
       
 (IMG) Bild: Abschiednehmen im Oval Office: Nikki Haley und der US-Präsident
       
       New York taz | Das Auffallendste an dem [1][überraschenden Rücktritt von
       Nikki Haley] ist, wie zivilisiert seine Ankündigung am Dienstag ablief.
       Anstatt der unter Donald Trump üblich gewordenen Beleidigungen und des
       Hinterhertretens, tauschten der Präsident und seine scheidende
       UN-Botschafterin im Oval Office Komplimente aus. Sie sei „glamourös“
       gewesen, habe der Welt Respekt eingeflößt und sei eine „sehr spezielle
       Person“, die er vermissen werde, sagte er. Die Position sei die „Ehre“
       ihres Lebens gewesen, versicherte sie.
       
       Aber auf die Frage, warum die UN-Botschafterin nach nur knapp zwei Jahren
       im Amt zum Jahresende geht, blieben beide die Antwort schuldig. Haley
       sagte, es habe nichts Politik zu tun und versicherte, sie wolle sich nicht
       für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf positionieren. Zitat: „2020
       werde ich Wahlkampf für Präsident Trump machen“. Aber sie nannte nicht
       einmal einen Job, den sie anstrebt. Und Trump tat so, als wäre ihr
       Rücktritt keine Überraschung für ihn, weil Haley ihm schon vor Monaten
       angekündigt habe, dass sie demnächst gehen werde. EinEn NachfolgerIn
       freilich konnte er nicht nennen. Damit will er in den nächsten „zwei bis
       drei Wochen“ dienen.
       
       Nach Haleys' Rücktritt werden noch fünf Frauen in Trumps‘ Kabinett sein –
       sowie 17 Männer. Wenige Stunden nachdem er ihren Rücktritt angenommen
       hatte, redete Trump auf der Wiese des Weißen Hauses vor rotierenden
       Hubschrauberblättern mit ReporterInnen von den „vielen Leute, die sehr
       stark an der Position interessiert“ seien. Dabei pries er seine Tochter
       Ivanka als die best qualifizierteste von allen und sagte, sie wäre
       „Dynamit“. Grinsend fügte er hinzu, er könne sie trotzdem nicht nominieren,
       weil ihm Paternalismus vorgeworfen werde.
       
       Kaum hatte Haley das Weiße Haus verlassen, kochten in Washington Gerüchte
       und Ängste über ihre Nachfolge hoch. Trumps' UN-Botschafterin hatte zwar
       keine internationalen Erfahrungen mit in das Amt gebracht – sie war zuvor
       Gouverneurin in dem konservativen Südstaat South Carolina gewesen – aber
       sie konnte Politik. Sie trat gegenüber UN-DiplomatInnen mit einer Mischung
       aus Bestimmtheit und Charme auf. Und sie schaffte es zumindest in den
       ersten Monaten ihrer Amtszeit, in einigen Bereichen ein paar eigene Akzente
       zu setzen. Beispielsweise kritisierte sie Russland – wegen der Krim und
       wegen Syrien – scharf, als Trump das in Washington noch vermied.
       
       In den meisten Bereichen freilich war Haley Trumps‘ Lautsprecherin vor den
       Vereinten Nationen: von dem [2][Austritt aus dem Klimaabkommen], über die
       [3][Aufkündigung des Iranabkommens] und die Zuspitzung im Umgang mit
       Teheran, bis hin zu dem Austritt der USA [4][aus dem Menschenrechtsrat] und
       der mehrfach wiederholten Drohung an Länder, die gegen die USA stimmen,
       dass sie mit dem Entzug finanzieller Hilfe gestraft würden. Sie sorgte auch
       mit ihm für die [5][Verlagerung der US-Botschaft nach Jerusalem] und dafür,
       dass die Hilfszahlungen an Palästina um mehr als 200 Millionen Dollar fast
       komplett gestrichen wurden.
       
       ## Haley hat höhere Ziele
       
       UN-DiplomatInnen spürten seit ihren ersten Begegnungen mit Haley, dass sie
       höhere Ziele anstrebte. „Sie wird eines Tages für das Weiße Haus
       kandidieren“, sagten sie. Doch zunächst hatte Haley anderes im Visier. Sie
       sah sich als Nachfolgerin von Rex Tillerson an der Spitze des
       Außenministeriums. Doch Trump entschied anders. Er holte den ehemaligen
       UN-Botschafter, der zusammen mit George W Bush den Irak-Krieg vorbereitete,
       John Bolton, als seinen nationalen Sicherheitsberater und er machte den
       ehemaligen CIA-Chef Mike Pompeo zum Nachfolger von Tillerson.
       
       Haley blieb Trump gegenüber demonstrativ loyal. Während Trumps' Wahlkampf
       hatte sie dessen republikanischen Konkurrenten Marco Rubio unterstützt.
       Doch einmal im Amt stand sie verlässlich an Trumps‘ Seite. Als ein hoher
       Mitarbeiter Trumps' Anfang September in einem anonymen Meinungsartikel in
       der New York Times Trumps‘ politische und persönliche Inkompetenz
       beschrieb, reagierte Haley mit einem namentlich gezeichneten Gegenargument
       in der [6][Washington Post.]
       
       Am Tag vor Haleys' Rücktritt reichte die Gruppe [7][Citizens for
       Responsability and Ethics (CREW)] eine Beschwerde beim Außenministerium
       ein, weil sie und ihr Mann im vergangenen Jahren sieben Mal in den
       Privatjets von Geschäftsmännern aus South Carolina geflogen seien.
       CREW-Chef Norah Bookbinder sprach von „persönlicher Vorteilnahme“ und
       verlangte eine Untersuchung. Doch zahlreiche andere Mitglieder der
       Trump-Regierung nehmen vergleichbare Deals an und bleiben im Amt.
       
       Mit einem überschwänglichen Lob auf seine fünfmonatige Zusammenarbeit mit
       Haley reagierte am Dienstag auch Außenminister Pompeo auf ihre
       Rücktrittsankündigung. Er und der Nationale Sicherheitsberater Bolton
       übertreffen Haley an Schärfe – sowohl gegenüber dem Iran, als auch
       gegenüber der UN insgesamt. Falls Trump den Einfluss der beiden Männer
       dadurch vergrößert, dass er jemanden von ihrem Kaliber zur UNO schickt,
       wird das die Außenpolitik der USA noch aggressiver machen, den Rückzug aus
       dem Internationalen Gerichtshof beschleunigen und die Gemengelage in der
       Welthandelsorganisation weiter zuspitzen.
       
       10 Oct 2018
       
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 (DIR) [7] https://www.citizensforethics.org/
       
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